Justizze.

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Justizze. Art. 7 BVV

Bundesgericht

Ehepaar mit BGSA-Einkünften aus Nebenerwerb zahlt Fr. 1'100 in Säule 3a ein: Abzug vollumfänglich zulässig, da BGSA-Einkünfte bei Berechnung des 20%-Abzugs nach Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3 zu berücksichtigen sind (Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 313 · ATF 148 II 313 · DTF 148 II 313
Datum
19.05.2022
Geschäftsnummer
2C_916/2020
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 107 BGG Art. 111 BV Art. 7 BVG Art. 8 BVG Art. 46 BVG Art. 80 BVG Art. 82 BVG Art. 1 BVV Art. 7 BVV Art. 25 DBG Art. 33 DBG Art. 33a DBG Art. 37a DBG Art. 146 DBG Art. 115a StG Art. 9 StHG Art. 11 StHG Art. 32 StHG Art. 73 StHG

Zusammenfassung

Ein Ehepaar erzielte im Jahr 2016 Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von insgesamt Fr. 13'880.75, wovon Fr. 3'723.-- im ordentlichen Veranlagungsverfahren besteuert wurden und Fr. 10'157.75 im vereinfachten Abrechnungsverfahren gemäss dem Bundesgesetz über die Massnahmen zur Bekämpfung der Schwarzarbeit (BGSA). Die Ehefrau war keiner beruflichen Vorsorge angeschlossen und zahlte Fr. 1'100 in ihre Säule 3a ein. Die Steuerverwaltung des Kantons Bern erkannte nur einen Abzug von Fr. 745.-- an, weil sie für die Berechnung der 20%-Grenze gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3 ausschliesslich die im ordentlichen Verfahren besteuerten Lohnzahlungen heranzog und die BGSA-Einkünfte nicht berücksichtigte. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern wies die dagegen erhobenen Rechtsmittel ab. Die Eheleute reichten beim Bundesgericht Beschwerde ein und beantragten die Aufhebung des kantonalen Urteils sowie die Herabsetzung ihres steuerbaren Einkommens um Fr. 355.--.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern auf und stellte das steuerbare Einkommen der Beschwerdeführer für die direkte Bundessteuer auf Fr. 55'300.-- und für die Kantons- und Gemeindesteuern auf Fr. 43'600.-- fest. Es entschied, dass die BGSA-Einkünfte von Fr. 10'157.75 bei der Berechnung des maximal zulässigen Abzugs für Beiträge an die Säule 3a gemäss Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3 zu berücksichtigen sind, weil die Ehefrau keiner beruflichen Vorsorge angeschlossen war und daher Anspruch auf den sog. grossen Abzug bis zu 20% ihres Erwerbseinkommens hatte. Der Abgeltungscharakter der Quellensteuer nach Art. 37a DBG und Art. 11 Abs. 4 StHG führt nicht zu einem Ausschluss dieser Einkünfte bei der Berechnung des Säule-3a-Abzugs im ordentlichen Veranlagungsverfahren, da weder der Wortlaut noch die Entstehungsgeschichte der genannten Bestimmungen dies nahelegt. Die Förderung der Selbstvorsorge nach Art. 111 Abs. 4 BV und die Gleichbehandlung von beruflicher Vorsorge und gebundener Selbstvorsorge nach Art. 82 BVG sprechen dafür, BGSA-Einkünfte bei der Berechnung des Abzugs zu berücksichtigen, um Personen ohne berufliche Vorsorge den Aufbau einer steuerbegünstigten Selbstvorsorge nicht zu verwehren. Die zu viel entrichteten Steuern inklusive Verzugszins sind zurückzuerstatten. Der Kanton Bern trägt die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- und muss den Beschwerdeführern eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- ausrichten. Die Sache wird zur Neuverlegung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern zurückgewiesen.

Dieses Urteil klärt erstmals abschliessend, dass BGSA-Einkünfte bei der Berechnung des Säule-3a-Abzugs nach Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3 zu berücksichtigen sind, was für zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Nebenerwerb oder Mehrfachbeschäftigungen von praktischer Bedeutung ist.

Regeste

Art. 82 BVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3; Art. 37a DBG bzw. Art. 11 Abs. 4 StHG; Berücksichtigung von BGSA-Einkünften beim Abzug des sog. grossen Säule 3a-Beitrags. Angesichts der Bedeutung des Aufbaus einer gebundenen Selbstvorsorge bei Fehlen des beruflichen Vorsorgeschutzes rechtfertigt es sich, BGSA-Einkünfte bei der Berechnung des gemäss Art. 82 BVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 lit. b BVV 3 abzugsfähigen sog. grossen Säule 3a-Beitrags zu berücksichtigen (E. 3 und 4). Gegen eine solche Berücksichtigung spricht weder der Wortlaut noch die Entstehungsgeschichte von Art. 37a DBG bzw. Art. 11 Abs. 4 StHG hinsichtlich der Frage, wie weit der Abgeltungscharakter der Quellensteuer auf BGSA-Einkünften zu gehen hat (E. 4.2 und 4.3). Regeste Art. 82 LPP en relation avec l'art. 7 al. 1 let. b OPP 3; art. 37a LIFD, respectivement art. 11 al. 4 LHID; prise en compte des revenus soumis à la LTN pour la déduction de ladite "grande" cotisation au pilier 3a. En raison de l'importance de la constitution d'une prévoyance individuelle liée en cas d'absence de prévoyance professionnelle, il se justifie de prendre en compte les revenus soumis à la LTN pour le calcul de la grande cotisation au pilier 3a déductible, selon l'art. 82 LPP en relation avec l'art. 7 al. 1 let. b OPP 3 (consid. 3 et 4). Ni la lettre ni la genèse de l'art. 37a LIFD, respectivement de l'art. 11 al. 4 LHID, ne s'opposent à une telle prise en compte concernant la question de savoir jusqu'où doit porter le caractère libératoire de l'impôt à la source prélevé sur les revenus soumis à la LTN (consid. 4.2 et 4.3). Regesto Art. 82 LPP in relazione con l'art. 7 cpv. 1 lett. b OPP 3; art. 37a LIFD rispettivamente art. 11 cpv. 4 LAID; presa in considerazione dei redditi sottoposti alla LNN per la deduzione del cosiddetto "grande" contributo al pilastro 3a. Vista l'importanza di costituire una previdenza individuale vincolata in assenza di una previdenza professionale, si giustifica di prendere in considerazione i redditi sottoposti alla LNN per calcolare il cosiddetto grande contributo al pilastro 3a, deducibile ai sensi dei combinati artt. 82 LPP e 7 cpv. 1 lett. b OPP 3 (consid. 3 e 4). Né il tenore né la genesi dell'art. 37a LIFD rispettivamente dell'art. 11 cpv. 4 LAID ostano ad una simile presa in considerazione riguardo alla questione di sapere fin dove deve portare il carattere liberatorio dell'imposta alla fonte prelevata sui redditi sottoposti alla LNN (consid. 4.2 e 4.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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