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Justizze. Art. 127 BV

Bundesgericht

Interkantonale Doppelbesteuerung bei Einzelunternehmung und AG: Besteuerungsrecht des Sitzkantons bestätigt, Wohnsitzkanton muss befreien (Art. 127 Abs. 3 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 I 64 · ATF 139 I 64 · DTF 139 I 64
Datum
21.12.2012
Geschäftsnummer
2C_708/2012
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 127 BV Art. 4 DBG Art. 4 StHG

Zusammenfassung

Ein Steuerpflichtiger mit Wohnsitz im Kanton Obwalden ist Alleinaktionär und Arbeitnehmer einer Aktiengesellschaft mit Sitz im Kanton Basel-Landschaft. Zudem betreibt er eine Einzelunternehmung, deren Tätigkeit im Kanton Basel-Landschaft ausgeübt wird. Für das Steuerjahr 2006 erhoben beide Kantone Steuern auf das Einkommen aus dieser selbständigen Erwerbstätigkeit. Der Steuerpflichtige rügt eine Verletzung des interkantonalen Doppelbesteuerungsverbots und beantragt, dass nur einer der Kantone besteuern dürfe. Der Kanton Obwalden macht geltend, das Besteuerungsrecht des Kantons Basel-Landschaft sei verwirkt, da dieser zu spät gehandelt habe; zudem handle es sich bei den Einkünften nicht um selbständige Erwerbstätigkeit, sondern um geldwerte Leistungen der Aktiengesellschaft bzw. Ertrag aus beweglichem Vermögen.

Das Bundesgericht weist die Beschwerde gegen den Kanton Basel-Landschaft ab, heisst sie aber gegen den Kanton Obwalden gut und hebt dessen Veranlagungsverfügung auf.

Zur Frage der Verwirkung stellt das Gericht fest, dass der Kanton Basel-Landschaft sein Besteuerungsrecht nicht verwirkt hat. Die Einleitung des Veranlagungsverfahrens durch Zustellung der Steuererklärung im Jahr "n+1" (2007) sowie die anschliessende Buchprüfung waren fristwahrende Handlungen. Dass die definitive Veranlagungsverfügung erst im Jahr "n+4" (2010) erging, steht der Wahrung des Rechts nicht entgegen, solange die ersten Schritte innerhalb der Frist erfolgten. Auch die Koordination zwischen den Kantonen war nicht so mangelhaft, dass eine Verwirkung anzunehmen wäre.

In der Sache selbst prüft das Gericht, ob ein Spezialsteuerdomizil (Geschäftsort) im Kanton Basel-Landschaft besteht. Es folgt dabei den verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz gemäss Art. 105 Abs. 1 BGG. Diese hatte festgestellt, dass keine konkurrenzierende Tätigkeit der Einzelunternehmung zur Aktiengesellschaft vorliegt, da die Tätigkeitsbereiche sachlich getrennt sind (Materiallieferungen vs. Dienstleistungen) und unterschiedliche Kundenstämme bestehen. Damit ist der Sondertatbestand der geldwerten Leistung verneint. Stattdessen liegt ein echter Geschäftsbetrieb im Sinne von Art. 4 Abs. 1 StHG bzw. Art. 4 Abs. 1 lit. a DBG vor, der durch ständige Anlagen und Einrichtungen im Kanton Basel-Landschaft gekennzeichnet ist.

Folglich begründet die Einzelunternehmung ein Nebensteuerdomizil im Kanton Basel-Landschaft. Das Einkommen aus dieser Tätigkeit ist dort zu versteuern. Der Kanton Obwalden verletzt das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung nach Art. 127 Abs. 3 BV, indem er diese Faktoren ebenfalls zur Besteuerung heranzieht. Er muss die entsprechenden Steuerfaktoren von seiner Veranlagung ausnehmen (nur noch satzbestimmend berücksichtigen) und zu viel bezahlte Steuern zurückerstatten.

Regeste

Art. 127 Abs. 3 BV; Schranken der doppelbesteuerungsrechtlichen Verwirkung und der harmonisierungsrechtlichen Verjährung des Besteuerungsrechts eines Kantons im interkantonalen Verhältnis; erhöhter Koordinationsbedarf unter den Veranlagungsbehörden bei Vorliegen einer ausserkantonalen Unternehmung. Die doppelbesteuerungsrechtliche Verwirkungseinrede eines Kantons gegenüber einem anderen Kanton ist nicht zu hören, falls der andere Kanton innerhalb zweier Jahre nach Ende der Steuerperiode ("n+2") tätig wird. Als solcher Schritt genügt die schriftliche Mitteilung, in welcher der steuerpflichtigen Person die Veranlagung in Aussicht gestellt wird. Typischerweise geschieht dies durch Zustellung der Steuererklärung. Zur Vornahme der Veranlagung besteht eine harmonisierungsrechtliche, unterbrechungsfähige Frist bis zum Ende des Jahres "n+5" (E. 3.2-3.5). Ist die steuerpflichtige Person Inhaber einer ausserkantonalen Einzelunternehmung oder Alleinaktionär einer Kapitalgesellschaft mit ausserkantonalem Sitz, herrscht unter den Steuerverwaltungen ein erhöhter Koordinationsbedarf. Haupt- und Nebensteuerdomizil kommt wechselseitig die Quasi-Funktion einer Leitbehörde zu (E. 3.5 und 3.6). Regeste Art. 127 al. 3 Cst.; limites de la péremption du droit d'imposer en matière de double imposition et de la prescription du droit de taxer d'un canton sur le plan intercantonal selon le droit harmonisé; besoin accru de coordination entre les autorités de taxation dans le cas d'une entreprise située hors du canton de domicile du contribuable. En matière de double imposition, l'exception de péremption du droit d'imposer soulevée par un canton vis-à-vis d'un autre canton n'entre pas en ligne de compte, lorsque cet autre canton a été actif dans le délai de deux ans après la fin de la période fiscale ("n+2"). Pour cela, il suffit qu'une communication écrite soit envoyée au contribuable l'informant qu'une taxation est envisagée. Il en va typiquement ainsi en cas de notification de la déclaration d'impôt. Selon le droit harmonisé, il y a un délai de suspension pour procéder à la taxation jusqu'à la fin de l'année "n+5" (consid. 3.2-3.5). Lorsque le contribuable est propriétaire d'une entreprise en raison individuelle ou unique actionnaire d'une société en capitaux située hors de son canton de domicile, il existe un besoin accru de coordination entre les administrations fiscales. Il revient au canton du domicile principal et à celui du domicile secondaire d'exercer réciproquement la quasi-fonction d'une autorité dirigeante (consid. 3.5 et 3.6). Regesto Art. 127 cpv. 3 Cost.; limiti della perenzione, dal profilo della disciplina della doppia imposizione, e della prescrizione, secondo il diritto armonizzato, del diritto di tassare di un cantone sul piano intercantonale; bisogno accresciuto di coordinazione tra le autorità di tassazione trattandosi di un'impresa situata fuori del cantone di domicilio del contribuente. In materia di doppia imposizione, non entra in considerazione l'eccezione di perenzione sollevata da un cantone nei confronti di un altro cantone, quando quest'altro cantone è stato attivo nel termine di due anni dopo la fine del periodo fiscale ("n+2"). A tale fine è sufficiente che una comunicazione scritta venga inviata al contribuente, informandolo che è prevista una tassazione. Ciò avviene tipicamente mediante la notifica della dichiarazione d'imposta. Per procedere alla tassazione corre un termine di diritto armonizzato, che può essere interrotto, fino alla fine dell'anno "n+5" (consid. 3.2-3.5). Quando il contribuente è proprietario di una ditta individuale situata fuori cantone oppure unico azionista di una società di capitali la cui sede è situata fuori del suo cantone di domicilio, vi è un bisogno accresciuto di coordinazione tra le autorità di tassazione. Spetta al cantone del domicilio principale e a quello del domicilio secondario svolgere reciprocamente la quasi funzione di autorità dirigente (consid. 3.5 e 3.6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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