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Justizze. Art. 50 AuG

Bundesgericht

Mexikanischer Vater erhält Aufenthaltsbewilligung trotz Trennung: Neues Kriterium für Besuchsrecht bei Kindern (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 I 315 · ATF 139 I 315 · DTF 139 I 315
Datum
14.06.2013
Geschäftsnummer
2C_1112/2012
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 50 AuG Art. 90 AuG Art. 13 BV Art. 8 EMRK

Zusammenfassung

Ein mexikanischer Staatsangehöriger, der in der Schweiz eine Schweizerin geheiratet hatte und aus dieser Ehe eine Tochter hat, wehrt sich gegen die Nichtverlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung nach der Scheidung. Die Vorinstanzen verweigerten die Verlängerung unter anderem wegen angeblich fehlender besonders enger affektiver Beziehung zum Kind sowie wegen gewalttätiger Vorfälle in der Ehe. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er ein übliches Besuchsrecht ausübe und finanziell für das Kind aufkomme.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur neuen Beurteilung an das kantonale Verwaltungsgericht zurück. Es präzisiert seine Rechtsprechung zu Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG i.V.m. Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV: Für einen ausländischen Elternteil, der aufgrund einer aufgelösten Ehe mit einem Schweizer bereits eine Bewilligung besass, genügt künftig die Ausübung eines nach heutigen Massstäben "üblichen" Besuchsrechts, um die erforderliche besondere Intensität der affektiven Beziehung anzunehmen. Dies steht im Gegensatz zu Erstgesuchen, wo weiterhin ein "grosszügig ausgestaltetes" Recht verlangt wird.

Im konkreten Fall übt der Beschwerdeführer sein Besuchsrecht jeden Sonntag von 9 bis 18 Uhr aus, was bei einem zweijährigen Kind als üblich gilt. Das Gericht bejaht zudem eine enge affektive Bindung, da der Vater das Kind seit der Einreise mehrheitlich betreute und die Mutter dies bestätigt. Auch die wirtschaftliche Beziehung sei durch die Zahlung von monatlich Fr. 800.-- Unterhalt gegeben.

Offen bleibt jedoch die Frage des tadellosen Verhaltens gemäss Art. 90 lit. a AuG und den allgemeinen Voraussetzungen. Die Vorinstanz hatte Gewaltvorfälle gegen die Ehefrau angeführt. Das Bundesgericht stellt fest, dass diese Umstände nun vertieft abgeklärt werden müssen, um zu beurteilen, ob es sich um beidseitige eheliche Streitigkeiten oder einseitige häusliche Gewalt handelt. Nur im letzteren Fall wäre das Erfordernis des tadellosen Verhaltens verletzt und die Bewilligung zu verweigern. Daher ist die Rückweisung nötig.

Regeste

Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG; Art. 8 Ziff. 1 EMRK; Art. 13 Abs. 1 BV; Voraussetzungen für einen Aufenthaltsanspruch des nicht sorgeberechtigten ausländischen Elternteils eines in der Schweiz anwesenheitsberechtigten Kindes. Die für einen solchen Anspruch gemäss ständiger Rechtsprechung vorausgesetzte besondere Intensität der affektiven Beziehung zwischen dem Kind und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil ist als Folge der zivilrechtlichen Entwicklung und der zunehmend extensiven Regelung des Besuchsrechts neu zu umschreiben (E. 2.3 und 2.4). Bei nicht sorgeberechtigten ausländischen Elternteilen eines hier aufenthaltsberechtigten Kindes, welche aufgrund einer inzwischen aufgelösten ehelichen Gemeinschaft mit einer Person schweizerischer Staatsangehörigkeit oder mit Niederlassungsbewilligung bereits eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz besassen, ist das Erfordernis der besonderen Intensität der affektiven Beziehung künftig bereits dann als erfüllt anzusehen, wenn der persönliche Kontakt im Rahmen eines nach heutigem Massstab üblichen Besuchsrechts ausgeübt wird. Bei Ausländern, welche erstmals um die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ersuchen, ist demgegenüber weiterhin erforderlich, dass die affektiven Beziehungen zum Kind deutlich intensiver gelebt werden, als es einem üblichen Besuchsrecht entspricht. In allen Fällen wird zudem vorausgesetzt, dass das Besuchsrecht auch tatsächlich wahrgenommen wird. Festzuhalten ist schliesslich auch an den übrigen bisherigen Voraussetzungen einer Bewilligungsverlängerung bzw. -erteilung, d.h. an einer besonders intensiven wirtschaftlichen Beziehung zwischen dem Kind und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil sowie an einem tadellosen Verhalten der ausländischen Person (E. 2.4 und 2.5). Anwendung der genannten Voraussetzungen auf den vorliegenden Fall (E. 3). Regeste Art. 50 al. 1 let. b LEtr; art. 8 par. 1 CEDH; art. 13 al. 1 Cst.; conditions pour reconnaître un droit de séjour au parent étranger d'un enfant disposant du droit de résider en Suisse, dont il n'a pas l'autorité parentale. Pour admettre l'existence d'un tel droit selon la jurisprudence constante, l'intensité particulière du lien affectif entre l'enfant et le parent qui n'a pas l'autorité parentale doit être réévaluée en fonction du développement du droit civil et de l'extension du droit de visite qui s'est imposée dans la pratique (consid. 2.3 et 2.4). Dans le cas de parents étrangers qui n'ont pas l'autorité parentale sur un enfant disposant du droit de résider en Suisse et qui possèdent déjà une autorisation de séjour en raison d'une communauté conjugale avec une personne de nationalité suisse ou titulaire d'une autorisation d'établissement entre-temps dissoute, l'exigence d'un lien affectif particulièrement fort doit être considérée à l'avenir comme étant remplie déjà lorsque les contacts personnels sont exercés dans le cadre d'un droit de visite usuel selon les standards actuels. En revanche, pour les étrangers qui sollicitent une autorisation de séjour pour la première fois, il est toujours exigé que les relations affectives avec l'enfant soient effectivement vécues de manière plus intensive que dans la situation d'un droit de visite usuel. Dans tous les cas, il faut toutefois que le droit de visite soit aussi effectivement exercé. Finalement, les autres conditions requises jusqu'à présent pour obtenir la prolongation ou la délivrance d'une autorisation de séjour doivent également être maintenues, c'est-à-dire une relation économique particulièrement étroite entre l'enfant et le parent ne disposant pas de l'autorité parentale, ainsi qu'un comportement irréprochable de l'étranger en Suisse (consid. 2.4 et 2.5). Application des conditions précitées au cas d'espèce (consid. 3). Regesto Art. 50 cpv. 1 lett. b LStr; art. 8 n. 1 CEDU; art. 13 cpv. 1 Cost.; condizioni per il riconoscimento di un diritto di soggiorno a un genitore straniero senza autorità parentale su un figlio con diritto di risiedere in Svizzera. Tenuto conto dell'evoluzione in ambito civilistico e della regolamentazione sempre più estensiva del diritto di visita, la particolare intensità dei rapporti affettivi tra figlio e genitore senza autorità parentale, che - secondo giurisprudenza constante - è necessaria per il riconoscimento di un simile diritto di soggiorno, dev'essere ridefinita (consid. 2.3 e 2.4). Per genitori stranieri senza autorità parentale su un figlio con diritto di risiedere in Svizzera, che già disponevano di un permesso di soggiorno in base a un'unione coniugale - poi sciolta - con una persona di nazionalità svizzera o con permesso di domicilio, il requisito della particolare intensità del rapporto affettivo dovrà in futuro essere considerato dato già quando il rapporto personale viene vissuto nell'ambito di un diritto di visita usuale , secondo i canoni odierni. Per stranieri che domandano per la prima volta un'autorizzazione di soggiorno, continua invece ad essere richiesto che il rapporto affettivo con il figlio sia vissuto in maniera chiaramente più intensa rispetto a ciò che corrisponde a un diritto di visita usuale. In tutti i casi occorre inoltre che il diritto di visita venga effettivamente esercitato. Mantenute sono infine anche le ulteriori condizioni cui sono stati finora subordinati il rinnovo rispettivamente la concessione di un'autorizzazione, ovvero quella di un rapporto particolarmente intenso dal punto di vista economico tra figlio e genitore senza autorità parentale così come quella di un comportamento irreprensibile di quest'ultimo (consid. 2.4 e 2.5). Applicazione delle condizioni menzionate alla fattispecie in esame (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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