Justizze.

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Justizze. Art. 89 BGG

Bundesgericht

Kantonales Amt fehlt Legitimation zur Beschwerde gegen Kostenentscheid im Ausländerrecht (Art. 89 Abs. 1 und 2 BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 134 II 45 · ATF 134 II 45 · DTF 134 II 45
Datum
14.12.2007
Geschäftsnummer
BGE 134 II 45
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 89 BGG Art. 14 OV-EJPD

Zusammenfassung

Das kantonale Amt für Justiz Nidwalden reichte beim Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten gegen einen Kostenentscheid des kantonalen Verwaltungsgerichts im Ausländerrecht ein. Das Verwaltungsgericht hatte zuvor ein Verfahren betreffend Familiennachzug eines serbischen Staatsangehörigen mit Niederlassungsbewilligung als gegenstandslos abgeschrieben und dem Amt Gerichtskosten sowie Parteientschädigungen auferlegt. Das Amt bestritt diese Kostentragungspflicht und rügte die mangelnde Legitimation zur Führung der Beschwerde vor dem Bundesgericht.

Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde des Amts für Justiz Nidwalden nicht ein, da diesem sowohl die besondere Beschwerdebefugnis nach Art. 89 Abs. 2 BGG als auch die allgemeine Legitimation nach Art. 89 Abs. 1 BGG fehlten.

Zur besonderen Beschwerdebefugnis stellte das Gericht fest, dass das Amt weder Träger spezieller Verfassungsgarantien nach Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG war noch durch eine besondere bundesgesetzliche Norm nach Art. 89 Abs. 2 lit. d BGG ermächtigt wurde. Die Befugnis zur Behördenbeschwerde im Ausländerrecht steht ausschliesslich dem Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement und dem Bundesamt für Migration zu, nicht aber kantonalen Bewilligungsbehörden, wie dies Art. 89 Abs. 2 lit. a BGG und Art. 14 Abs. 2 OV-EJPD vorsehen.

Hinsichtlich der allgemeinen Beschwerdebefugnis nach Art. 89 Abs. 1 BGG erkannte das Gericht, dass das Amt zwar unbestrittenermassen in der Hauptsache nicht legitimiert gewesen wäre, da keine Norm es zur Anfechtung des Entscheids über eine einzelne ausländerrechtliche Bewilligung ermächtigte. Zudem wird ein Gemeinwesen durch die Pflicht zur Tragung von Verfahrens- und Parteikosten in einem einzelnen Rechtsmittelverfahren regelmässig nicht derart belastet, dass ihm ein schutzwürdiges Interesse an der Anfechtung der Kostenregelung zuzuerkennen wäre, wenn es in der Sache selbst nicht beschwerdeberechtigt ist.

Schliesslich scheiterte die Beschwerde bereits an der mangelnden Substantiierung der Beschwerdevoraussetzungen gemäss Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG. Das Amt legte in der Beschwerdeschrift nicht dar, aufgrund welcher kantonalen Vorschriften es befugt sei, den Kanton Nidwalden prozessual zu vertreten. Gemäss Art. 65 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Nidwalden vertritt der Regierungsrat den Kanton nach aussen; nur das Gemeinwesen als solches kann nach Art. 89 Abs. 1 BGG an das Bundesgericht gelangen, nicht eine einzelne Behörde ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Es oblag dem Beschwerdeführer, die entsprechenden Grundlagen für seine Vertretungsbefugnis zu liefern.

Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens wurden dem Kanton Nidwalden die bundesgerichtlichen Kosten auferlegt, da sein Amt für Justiz in Verfolgung von Vermögensinteressen gehandelt hatte und sich der Kanton dieses Vorgehen verfahrensrechtlich anrechnen lassen musste (Art. 66 Abs. 4 BGG). Eine Parteientschädigung wurde nicht zugesprochen, da dem Beschwerdegegner kein weiterer Aufwand entstanden war (Art. 68 BGG).

Regeste

Art. 89 Abs. 1 und 2 i.V.m. Art. 42 Abs. 1 und 2 BGG; Legitimation eines kantonalen Amtes zur Anfechtung eines Kostenentscheids des kantonalen Verwaltungsgerichts im Ausländerrecht. Zusammenfassung der Rechtsprechung zur Behördenbeschwerde (Art. 89 Abs. 2 BGG) und zur Beschwerdebefugnis des Gemeinwesens im Rahmen der allgemeinen Beschwerdelegitimation (Art. 89 Abs. 1 BGG; E. 2.1 und 2.2.1). Gestützt auf Art. 89 Abs. 1 BGG kann nur ein Gemeinwesen an das Bundesgericht gelangen, nicht eine einzelne Behörde oder ein Verwaltungszweig ohne Rechtspersönlichkeit; das beschwerdeführende Amt muss im Rahmen von Art. 42 BGG darlegen, inwiefern es befugt ist, im bundesgerichtlichen Verfahren für den Kanton zu handeln (E. 2.2.2 und 2.2.3). Regeste Art. 89 al. 1 et 2 en relation avec l'art. 42 al. 1 et 2 LTF; qualité pour recourir d'un office cantonal contre une décision sur les frais du Tribunal administratif cantonal en droit des étrangers. Résumé de la jurisprudence concernant le recours des autorités (art. 89 al. 2 LTF) et la qualité pour recourir des collectivités au regard des principes généraux (art. 89 al. 1 LTF; consid. 2.1 et 2.2.1). En vertu de l'art. 89 al. 1 LTF, seule une collectivité peut saisir le Tribunal fédéral, mais pas une autorité prise isolément ni une branche de l'administration sans personnalité juridique; l'office recourant doit montrer, conformément à l'art. 42 LTF, dans quelle mesure il est habilité à agir pour le canton dans la procédure devant le Tribunal fédéral (consid. 2.2.2 et 2.2.3). Regesto Art. 89 cpv. 1 e 2 in relazione con l'art. 42 cpv. 1 e 2 LTF; legittimazione di un ufficio cantonale a contestare una decisione sulle spese del Tribunale amministrativo cantonale in materia di diritto degli stranieri. Riassunto della giurisprudenza concernente il diritto di ricorso delle autorità (art. 89 cpv. 2 LTF) e la legittimazione a ricorrere dell'ente pubblico alla luce dei principi generali (art. 89 cpv. 1 LTF; consid. 2.1 e 2.2.1). Giusta l'art. 89 cpv. 1 LTF solo un ente pubblico può adire il Tribunale federale, non la singola autorità oppure un settore dell'amministrazione senza personalità giuridica; l'ufficio ricorrente deve dimostrare, conformemente all'art. 42 LTF, in che misura è legittimato ad agire per il Cantone nella procedura dinanzi al Tribunale federale (consid. 2.2.2 e 2.2.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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