Justizze.

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Justizze. Art. 129 OG

Bundesgericht

Spitaltarif-Festsetzung: Keine direkte Anfechtung beim Bund, Nichteintreten wegen fehlender Beschwerdebefugnis (Art. 129 Abs. 1 lit. b OG)

BGE / ATF / DTF
BGE 132 V 299 · ATF 132 V 299 · DTF 132 V 299
Datum
06.03.2006
Geschäftsnummer
BGE 132 V 299
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 6 EMRK Art. 47 KVG Art. 53 KVG Art. 89 KVG Art. 129 OG

Zusammenfassung

Die Klinik X. erhebt Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen einen Beschwerdeentscheid des Bundesrates bezüglich der Festsetzung von Spitaltarifen für Herzchirurgie und Kardiologie durch die Kantonsregierung für den Zeitraum 1997 bis 2000. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Anspruchs auf Zugang zu einem Gericht gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK, da sie die Tarife als solche direkt anfechten möchte. Der Bundesrat hatte zuvor über die Tariffestsetzung der kantonalen Regierung entschieden. Es wird geprüft, ob die Konventionsbestimmung eine direkte abstrakte Normenkontrolle verlangt oder ob der verfügbare Rechtsweg über das kantonale Schiedsgericht und das Eidgenössische Versicherungsgericht ausreicht.

Das Bundesgericht tritt auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Beschwerdeentscheid des Bundesrates nicht ein. Gemäss Art. 129 Abs. 1 lit. b OG sowie Art. 47 Abs. 1 und Art. 53 KVG fehlt es an der erforderlichen Beschwerdebefugnis gegen den bundesrätlichen Entscheid zur Tariffestsetzung.

Hinsichtlich der gerügten Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK stellt das Gericht fest, dass diese Bestimmung keinen individuellen Anspruch auf direkte Anfechtung generell-abstrakter Regelungen wie Spitaltarifen gewährt. Zwar findet Art. 6 Ziff. 1 EMRK unter Umständen auch auf Verfahren der abstrakten Normenkontrolle Anwendung, dies jedoch nur, soweit das nationale Recht eine direkte Gesetzesanfechtung vorsieht. Im vorliegenden Fall steht der Beschwerdeführerin gegen konkrete Verfügungen, die auf den beanstandeten Tarifklauseln basieren, unstrittig der Rechtsweg an das kantonale Schiedsgericht gemäss Art. 89 Abs. 1 KVG und anschliessend an das Eidgenössische Versicherungsgericht offen. Dieses ist verpflichtet, die Rechtmässigkeit der Tarifpositionen im konkreten Einzelfall vorfrageweise inzident zu überprüfen. Da somit eine effektive gerichtliche Kontrolle gewährleistet ist, sind die Anforderungen von Art. 6 Ziff. 1 EMRK erfüllt; eine zusätzliche direkte Anfechtbarkeit des Tarifs als solchem wird konventionsrechtlich nicht verlangt. Die Anwendbarkeit von Art. 6 Ziff. 1 EMRK auf den vorliegenden Sachverhalt wurde dabei ausdrücklich offengelassen.

Regeste

Art. 47 Abs. 1, Art. 53 KVG; Art. 98 lit. a, Art. 129 Abs. 1 lit. b OG; Art. 6 Ziff. 1 EMRK: Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Beschwerdeentscheid des Bundesrates betreffend Festsetzung des Spitaltarifs. Auf die gegen einen Beschwerdeentscheid des Bundesrates betreffend Festsetzung des Spitaltarifs durch die Kantonsregierung gerichtete Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist nicht einzutreten. Keine Verletzung des Anspruchs auf Zugang zu einem Gericht gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK, sofern - was offen gelassen wurde - dessen Anwendbarkeit überhaupt zu bejahen wäre. (Erw. 4) Regeste Art. 47 al. 1, art. 53 LAMal; art. 98 let. a, art. 129 al. 1 let. b OJ; art. 6 par. 1 CEDH: Recours de droit administratif contre une décision sur recours du Conseil fédéral en matière de fixation des tarifs hospitaliers. Il n'y a pas lieu d'entrer en matière sur un recours de droit administratif dirigé contre la décision sur recours du Conseil fédéral concernant la fixation des tarifs hospitaliers par le gouvernement cantonal. Il n'y a pas de violation de l'accès à un tribunal au sens de l'art. 6 par. 1 CEDH si tant est que l'application de cet article doive être admise, question qui a été laissée ouverte. (consid. 4) Regesto Art. 47 cpv. 1, art. 53 LAMal; art. 98 lett. a, art. 129 cpv. 1 lett. b OG; art. 6 n. 1 CEDU: Ricorso di diritto amministrativo contro una decisione su ricorso del Consiglio federale in materia di fissazione delle tariffe ospedaliere. Il ricorso di diritto amministrativo contro una decisione su ricorso del Consiglio federale in materia di fissazione, da parte del governo cantonale, delle tariffe ospedaliere è irricevibile. Sempreché la Convenzione risulti applicabile - questione lasciata irrisolta -, non vi è violazione del diritto all'accesso a un tribunale garantito dall'art. 6 n. 1 CEDU. (consid. 4)

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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