Invalidenrente vor Inkrafttreten ATSG: Anspruch zeitlich getrennt nach altem und neuem Recht prüfen (Art. 82 Abs. 1 ATSG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 130 V 445 · ATF 130 V 445 · DTF 130 V 445
- Datum
- 05.07.2004
- Geschäftsnummer
- BGE 130 V 445
- Abteilung
- CH_BGE_007
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Beschwerdeführerin begehrt eine Invalidenrente der IV-Stelle Bern, wobei allfällige Leistungen frühestens ab 1. Juli 2000 zugesprochen werden könnten. Der Einspracheentscheid vom 7. März 2003 verneinte diesen Anspruch. Im Streit steht die Frage, ob bei der Prüfung eines Rentenanspruchs, der bereits vor dem Inkrafttreten des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) am 1. Januar 2003 entstanden sein könnte, das neue oder das alte materielle Recht anzuwenden ist.
Das Bundesgericht legt die massgebenden intertemporalrechtlichen Grundsätze für die Prüfung von Invalidenrentenansprüchen fest, die vor dem Inkrafttreten des ATSG am 1. Januar 2003 entstanden sein könnten. Es hält fest, dass Art. 82 Abs. 1 ATSG keine allgemein gültigen Schlüsse für die Anwendung materieller Bestimmungen bei Dauerleistungen zulässt, sondern nur Fälle regelt, in denen vor diesem Datum bereits rechtskräftig verfügt wurde.
Da im vorliegenden Fall keine laufenden Leistungen im Sinne dieser Übergangsbestimmung vorliegen, sind die allgemeinen Regeln des Übergangsrechts heranzuziehen. Massgebend sind danach grundsätzlich diejenigen Rechtssätze, die bei Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts galten. Folglich ist der Rentenanspruch für die Zeit bis zum 31. Dezember 2002 aufgrund der bisherigen Rechtslage und ab dem 1. Januar 2003 nach den neuen Normen des ATSG zu prüfen. Diese Lösung gilt als allgemein gültiger intertemporalrechtlicher Grundsatz für alle Rechtsverhältnisse, einschliesslich Dauerleistungen.
Regeste
Art. 82 Abs. 1 ATSG: Intertemporalrechtliche Anwendbarkeit materieller Bestimmungen des ATSG bei Dauerleistungen. Bei der Prüfung eines allfälligen schon vor dem In-Kraft-Treten des ATSG auf den 1. Januar 2003 entstandenen Anspruchs auf eine Rente der Invalidenversicherung sind die allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln heranzuziehen, gemäss welchen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts galten. Demzufolge ist der Rentenanspruch für die Zeit bis 31. Dezember 2002 auf Grund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (Erw. 1). Regeste Art. 82 al. 1 LPGA: Application intertemporelle des dispositions matérielles de la LPGA en cas de prestations durables. Lors de l'examen d'un éventuel droit à une rente de l'assurance-invalidité né avant l'entrée en vigueur au 1er janvier 2003 de la LPGA, il y a lieu de se référer aux principes généraux en matière de droit intertemporel selon lesquels sont en règle générale déterminantes, les dispositions légales en vigueur lors de la réalisation de l'état de fait qui a des conséquences juridiques. Par conséquent, le droit à la rente s'examine pour la période s'étendant jusqu'au 31 décembre 2002 à la lumière des anciennes normes et, à partir de ce moment-là, des nouvelles (consid. 1). Regesto Art. 82 cpv. 1 LPGA: Applicabilità intertemporale delle disposizioni materiali della LPGA in caso di prestazioni durevoli. Per l'esame relativo all'eventuale insorgenza di un diritto a una rendita dell'assicurazione per l'invalidità già prima dell'entrata in vigore della LPGA, il 1° gennaio 2003, occorre rifarsi ai principi generali sviluppati in materia di diritto intertemporale che dichiarano applicabile l'ordinamento in vigore al momento della realizzazione dello stato di fatto giuridicamente determinante. Di conseguenza, per il periodo fino al 31 dicembre 2002, l'esame del diritto alla rendita avviene sulla base del precedente ordinamento, mentre a partire da questa data esso avviene secondo le nuove norme (consid. 1).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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