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Justizze. Art. 82 ATSG

Bundesgericht

Fristenstillstand bei dreimonatiger UVG-Beschwerdefrist: Übergangsrechtliches Festhalten an fehlender kantonaler Regelung führt zur Verspätung (Art. 82 Abs. 2 ATSG)

BGE / ATF / DTF
BGE 131 V 314 · ATF 131 V 314 · DTF 131 V 314
Datum
26.08.2005
Geschäftsnummer
BGE 131 V 314
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 60 ATSG Art. 82 ATSG Art. 1 UVG Art. 106 UVG Art. 5 VPO

Zusammenfassung

Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) kürzte die Taggeldleistungen einer versicherten Person wegen groben Verschuldens um 10 %. Gegen den Einspracheentscheid reichte die versicherte Person beim Kantonsgericht Basel-Landschaft Beschwerde ein. Das Kantonsgericht trat auf die Beschwerde ein und berücksichtigte dabei den eidgenössischen Fristenstillstand während der Osterfeiertage, wodurch die dreimonatige Beschwerdefrist verlängert wurde. Die SUVA erhob daraufhin Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag, festzustellen, dass die erstinstanzliche Beschwerde nicht rechtzeitig erhoben worden sei, da der Kanton Basel-Landschaft gesetzlich keinen Fristenstillstand vorsehe und dies gemäss Übergangsbestimmungen des ATSG weiterhin gelte.

Das Bundesgericht hiess die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der SUVA gut und hob den kantonalen Entscheid auf. Es stellte fest, dass die erstinstanzliche Beschwerde nicht rechtzeitig erhoben worden war.

Zwar wäre der eidgenössische Fristenstillstand gemäss Art. 60 Abs. 2 ATSG grundsätzlich auch auf die dreimonatige Beschwerdefrist nach Art. 106 UVG anwendbar, da der Gesetzgeber bewusst davon ausging, dass diese Mehrmonatsfrist dem Stillstand unterliegt. Dies ergibt sich aus den Materialien zum ATSG und entspricht der einhelligen Lehrmeinung. Die Tage des Stillstandes wären nach Ablauf der regulären Frist hinzuzuzählen gewesen.

Im konkreten Fall greift jedoch die Übergangsbestimmung von Art. 82 Abs. 2 ATSG. Diese Norm erlaubt es den Kantonen, ihre bisherigen verfahrensrechtlichen Vorschriften noch fünf Jahre lang beizubehalten. Der Begriff „bisherige kantonale Vorschriften“ umfasst dabei ausdrücklich auch negative Regelungen, also das Fehlen einer gesetzlichen Bestimmung. Da der Kanton Basel-Landschaft im Gerichtsorganisationsgesetz keinen Fristenstillstand vorsieht und diese Abschaffung bereits vor Inkrafttreten des ATSG erfolgte, gilt dieses kantonale Recht während der Übergangsfrist fort. Eine direkte Anwendung des eidgenössischen Fristenstillstands durch das Kantonsgericht verletzte somit Bundesrecht. Ohne Berücksichtigung des Stillstandes endete die dreimonatige Frist am 22. Juni 2003; die am 7. Juli 2003 eingereichte Beschwerde war daher verspätet.

Regeste

Art. 38 Abs. 4, Art. 60 Abs. 2, Art. 82 Abs. 2 ATSG; Art. 106 UVG; Art. 104 MVG: Fristenstillstand nach ATSG bei mehrmonatigen Beschwerdefristen. Der Fristenstillstand nach ATSG ist auch bei mehrmonatigen Beschwerdefristen zu berücksichtigen. (Erw. 4.3-4.5) Die Anzahl Tage des Fristenstillstandes nach ATSG sind nach Ablauf der Rechtsmittelfrist hinzuzuzählen. (Erw. 4.6) In casu intertemporalrechtlicher Vorbehalt des Art. 82 Abs. 2 ATSG zu Gunsten kantonalen Rechts: keine Anwendung des Fristenstillstandes gemäss ATSG auf mehrmonatige Beschwerdefristen, wenn die kantonale Regelung dies (noch) nicht vorsieht; insofern umfasst die Übergangsbestimmung des Art. 82 Abs. 2 ATSG auch negative kantonale Regelungen. (Erw. 5) Regeste Art. 38 al. 4, art. 60 al. 2, art. 82 al. 2 LPGA; art. 106 LAA; art. 104 LAM: Suspension des délais selon la LPGA en cas de délais de recours de plusieurs mois. La suspension des délais selon la LPGA vaut aussi pour les délais de recours de plusieurs mois. (consid. 4.3-4.5) Le nombre de jours qui tombent durant la suspension des délais selon la LPGA doivent être ajoutés après la fin du délai de recours. (consid. 4.6) Dans le cas d'espèce, réserve intertemporelle de l'art. 82 al. 2 LPGA en faveur du droit cantonal: pas d'application de la suspension des délais selon la LPGA aux délais de recours de plusieurs mois si la réglementation cantonale ne le prévoit pas (encore); dans cette mesure, la disposition transitoire de l'art. 82 al. 2 LPGA vise également les cas de réglementation cantonale négative. (consid. 5) Regesto Art. 38 cpv. 4, art. 60 cpv. 2, art. 82 cpv. 2 LPGA; art. 106 LAINF; art. 104 LAM: Sospensione dei termini secondo la LPGA in caso di termini di ricorso di più mesi. La sospensione dei termini secondo la LPGA vale anche per i termini di ricorso di più mesi. (consid. 4.3-4.5) I giorni di sospensione secondo la LPGA devono essere aggiunti alla scadenza del termine di ricorso. (consid. 4.6) Nel caso di specie, riserva intertemporale dell'art. 82 cpv. 2 LPGA in favore del diritto cantonale: nessuna applicazione della sospensione dei termini secondo la LPGA a dei termini di ricorso di più mesi se l'ordinamento cantonale non lo prevede (ancora); in questa misura, la disposizione transitoria dell'art. 82 cpv. 2 LPGA si estende ugualmente alle regolamentazioni cantonali negative. (consid. 5)

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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