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Justizze. Art. 85bis AHVG

Bundesgericht

Auslandschweizer klagt gegen Kostenvorschuss: Selbstständige Beschwerde zulässig, aber Verfahren wegen Beitragsstreit kostenpflichtig (Art. 85bis Abs. 3 AHVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 128 V 199 · ATF 128 V 199 · DTF 128 V 199
Datum
05.03.2002
Geschäftsnummer
BGE 128 V 199
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 84 AHVG Art. 85 AHVG Art. 85bis AHVG Art. 103 OG Art. 71a VwVG

Zusammenfassung

Ein schweizerischer Staatsangehöriger, der vorübergehend in Grossbritannien lebte und arbeitete, erhob Beschwerde gegen zwei Beitragsverfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse. Die Eidgenössische Rekurskommission der AHV/IV für die im Ausland wohnenden Personen forderte ihn daraufhin zur Sicherstellung der mutmasslichen Gerichtskosten auf, einen Kostenvorschuss von 1000 Franken zu überweisen, und kündigte für den Fall der Nichtleistung einen Nichteintretensentscheid an. Der Beschwerdeführer liess eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde einreichen und beantragte die Aufhebung der Kostenvorschussverfügung. Er machte geltend, dass das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren vor der Eidgenössischen Rekurskommission keine Kosten erheben dürfe, da dies im Widerspruch zu den Bestimmungen über die Kostenlosigkeit des Verfahrens stehe. Die Eidgenössische Rekurskommission und die Ausgleichskasse enthielten sich eines Antrags, und das Bundesamt für Sozialversicherung verzichtete auf eine Vernehmlassung.

Das Eidgenössische Versicherungsgericht trat auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein, bestätigte jedoch die Kostenpflichtigkeit des Verfahrens vor der Eidgenössischen Rekurskommission für die im Ausland wohnenden Personen. Das Gericht hielt fest, dass Kostenvorschussverfügungen, welche mit der Androhung eines Nichteintretensentscheids verbunden sind, einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können und daher selbstständig angefochten werden dürfen. Dies ergibt sich aus Art. 45 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 103 lit. a OG, da die betroffene Partei ein schutzwürdiges Interesse an einer vorgängigen gerichtlichen Überprüfung der Kostenpflicht hat.

In der Sache selbst entschied das Gericht, dass die Eidgenössische Rekurskommission gestützt auf Art. 85bis Abs. 3 Satz 2 AHVG, Art. 71a Abs. 2 VwVG sowie Art. 26 der Verordnung über Organisation und Verfahren eidgenössischer Rekurs- und Schiedskommissionen berechtigt war, die materielle Behandlung der Beschwerde von der Bezahlung eines Kostenvorschusses abhängig zu machen. Zwar gilt gemäss Art. 85 Abs. 2 lit. a AHVG für kantonale Rekursbehörden der Grundsatz der Kostenlosigkeit, doch lässt sich dieser nicht analog auf die eidgenössische Rekurskommission übertragen, wenn es wie hier nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen, sondern um einen Beitragstreit geht. Die historische Entwicklung und die systematische Stellung der Normen zeigen, dass der Gesetzgeber für nicht leistungsbezogene Verfahren vor der eidgenössischen Rekurskommission eine Abweichung von der kantonalen Kostenlosigkeit akzeptiert hat. Da der Streitgegenstand ausschliesslich eine prozessrechtliche Frage betraf, waren die Verfahrenskosten vom unterliegenden Beschwerdeführer zu tragen.

Regeste

Art. 97 Abs. 1, Art. 103 lit. a, Art. 128 OG; Art. 5 Abs. 1 und 2, Art. 45 Abs. 1 und 2, Art. 63 Abs. 4 VwVG: Anfechtbarkeit von Kostenvorschussverfügungen. Zwischenverfügungen, mit welchen zwecks Sicherstellung der mutmasslichen Gerichtskosten ein Kostenvorschuss verlangt wird, verbunden mit der Ankündigung, im Unterlassungsfall auf das erhobene Rechtsmittel nicht einzutreten, können einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken, weshalb gegen sie selbstständig Verwaltungsgerichtsbeschwerde geführt werden kann (Bestätigung der Rechtsprechung). Art. 84 Abs. 2, Art. 85 Abs. 2 lit. a, Art. 85bis Abs. 3 AHVG; Art. 200bis AHVV; Art. 63 Abs. 1, 4 und 5, Art. 71a Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 26 der Verordnung vom 3. Februar 1993 über Organisation und Verfahren eidgenössischer Rekurs- und Schiedskommissionen (SR 173.31); Art. 4b der Verordnung vom 10. September 1969 über Kosten und Entschädigungen im Verwaltungsverfahren (SR 172.041.0); Art. 61 Abs. 1 lit. a ATSG: Kostenpflichtigkeit von Beschwerdeverfahren vor der Eidgenössischen Rekurskommission der AHV/IV für die im Ausland wohnenden Personen. Beschwerdeverfahren, in welchen es nicht um Sozialversicherungsleistungen geht, sind vor der Eidgenössischen Rekurskommission der AHV/IV für die im Ausland wohnenden Personen - anders als vor kantonalen Rekursbehörden - kostenpflichtig (Bestätigung der Rechtsprechung). Regeste Art. 97 al. 1, art. 103 let. a, art. 128 OJ; art. 5 al. 1 et 2, art. 45 al. 1 et 2, art. 63 al. 4 PA: Recevabilité du recours contre les décisions d'avances de frais. Les décisions incidentes par lesquelles une avance de frais est exigée afin de garantir le paiement des frais de justice présumés, avec l'indication qu'à défaut le recours sera déclaré irrecevable, sont susceptibles de causer un préjudice irréparable; c'est pourquoi un recours de droit administratif peut être interjeté de manière indépendante contre ces décisions (confirmation de la jurisprudence). Art. 84 al. 2, art. 85 al. 2 let. a, art. 85bis al. 3 LAVS; art. 200bis RAVS; art. 63 al. 1, 4 et 5, art. 71a al. 1 et 2 PA; art. 26 de l'ordonnance du 3 février 1993 concernant l'organisation et la procédure des commissions fédérales de recours et d'arbitrage (RS 173.31); art. 4b de l'ordonnance du 10 septembre 1969 sur les frais et indemnités en procédure administrative (RS 172.041.0); art. 61 al. 1 let. a LPGA: Caractère onéreux des procédures de recours devant la Commission fédérale de recours en matière AVS/AI pour les personnes résidant à l'étranger. Les procédures de recours à la Commission fédérale de recours en matière d'AVS/AI pour les personnes résidant à l'étranger qui n'ont pas pour objet l'octroi ou le refus de prestations d'assurance sont onéreuses - contrairement à celles devant les autorités cantonales de recours (confirmation de la jurisprudence). Regesto Art. 97 cpv. 1, art. 103 lett. a, art. 128 OG; art. 5 cpv. 1 e 2, art. 45 cpv. 1 e 2, art. 63 cpv. 4 PA: Ammissibilità del ricorso contro decisioni di anticipo delle spese. Le decisioni incidentali mediante le quali viene richiesto un anticipo delle spese alfine di garantire il pagamento delle spese presunte del processo, con l'indicazione che in caso di omissione il ricorso sarà dichiarato inammissibile, possono cagionare un pregiudizio irreparabile, motivo per cui contro tali provvedimenti un ricorso di diritto amministrativo può essere interposto a titolo indipendente (conferma della giurisprudenza). Art. 84 cpv. 2, art. 85 cpv. 2 lett. a, art. 85bis cpv. 3 LAVS; art. 200bis OAVS; art. 63 cpv. 1, 4 e 5, art. 71a cpv. 1 e 2 PA; art. 26 dell'ordinanza del 3 febbraio 1993 concernente l'organizzazione e la procedura delle commissioni federali di ricorso e di arbitrato (RS 173.31); art. 4b dell'ordinanza del 10 settembre 1969 sulle tasse e spese nella procedura amministrativa (RS 172.041.0); art. 61 cpv. 1 lett. a LPGA: Carattere oneroso delle procedure di ricorso dinanzi alla Commissione federale di ricorso in materia d'AVS/AI per le persone residenti all'estero. Le procedure di ricorso alla Commissione federale di ricorso in materia d'AVS/AI per le persone residenti all'estero che non hanno per oggetto l'assegnazione o il rifiuto di prestazioni assicurative sono onerose - a differenza di quelle davanti alle autorità cantonali di ricorso - (conferma della giurisprudenza).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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