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Justizze. Art. 52 BVG

Bundesgericht

Stiftungsräte haften solidarisch für ungesicherte Kredite an Arbeitgeber: Widerrechtlichkeit durch Verstoss gegen Anlagevorschriften und grobe Fahrlässigkeit (Art. 52 BVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 128 V 124 · ATF 128 V 124 · DTF 128 V 124
Datum
14.05.2002
Geschäftsnummer
BGE 128 V 124
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 48 BVG Art. 49 BVG Art. 51 BVG Art. 52 BVG Art. 71 BVG Art. 73 BVG Art. 49 BVV Art. 49a BVV Art. 50 BVV Art. 57 BVV Art. 58a BVV Art. 159 OG Art. 83 ZGB Art. 89bis ZGB

Zusammenfassung

Die Präsidentin und ein Mitglied des Stiftungsrates einer Personalvorsorgestiftung gewährten der Stifterfirma Y. AG im Februar 1994 ein zusätzliches Darlehen von 100'000 Franken und liessen Kontokorrentausstände anwachsen, obwohl die ungesicherten Anlagen beim Arbeitgeber bereits Ende 1993 rund 19% des Gesamtvermögens ausmachten. Nach Konkurs der Stifterfirma klagte die Vorsorgeeinrichtung Schadenersatz von insgesamt 155'811 Franken ein. Das Verwaltungsgericht Appenzell Ausserrhoden hiess die Klage gut und verurteilte die Beklagten zur Zahlung nebst Zins sowie solidarischer Haftung. Die Betroffenen erhoben Verwaltungsgerichtsbeschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des Entscheides bzw. Nichteintreten auf die Klage, wobei sie insbesondere die Zuständigkeit der Sozialversicherungsgerichtsbarkeit für Sachverhalte vor dem 1. Januar 1997 bestritten.

Das Bundesgericht wies die Verwaltungsgerichtsbeschwerden ab und bestätigte die Verurteilung der Stiftungsräte zur Solidarhaftung. Die Zuständigkeit des Berufsvorsorgegerichts ergibt sich aus Art. 73 Abs. 1 Satz 2 BVG auch für haftungsbegründende Sachverhalte, die sich vor dem Inkrafttreten der Revision am 1. Januar 1997 verwirklicht haben, da der Gesetzgeber eine prozessuale Vereinfachung bezweckte.

Die Haftungsvoraussetzungen nach Art. 52 BVG sind erfüllt. Beide Beschwerdeführer übten zum massgebenden Zeitpunkt eine formelle oder faktische Organstellung im Stiftungsrat aus, wobei für die Begründung der Organstellung nicht der Handelsregistereintrag, sondern die effektive Wahrnehmung der Aufgaben entscheidend ist. Der Schaden von 155'811 Franken steht aufgrund des Verlustscheins vom 16. Oktober 1997 fest. Das Verhalten war widerrechtlich, weil die Stiftungsräte gegen die Anlagevorschriften der BVV 2 verstossen: Gemäss Art. 57 Abs. 1 BVV 2 durften ungesicherte Anlagen beim Arbeitgeber die Höhe der freien Stiftungsmittel nicht übersteigen, was bei ausstehenden Forderungen von 291'760 Franken gegenüber freien Mitteln von nur 172'125.55 Franken verletzt war. Zudem wurde die Grenze von 20% des Gesamtvermögens gemäss Art. 57 Abs. 2 BVV 2 überschritten, da die ungedeckten Forderungen Ende 1994 21,6% erreichten. Auch die Meldepflicht nach Art. 58a BVV 2 wurde verletzt. Die Stiftungsräte handelten grob fahrlässig, da sie als Arbeitgebervertreter die Interessen der Stifterfirma über die paritätische Verwaltung stellten und elementare Anlagevorschriften missachteten. Zwischen diesem pflichtwidrigen Verhalten und dem Schaden besteht ein adäquater Kausalzusammenhang. Als Mitglieder desselben Organs haften sie solidarisch.

Hinsichtlich der Parteientschädigung hat die Vorsorgeeinrichtung Anspruch auf Ersatz der Anwaltskosten, da es sich um einen Haftungsprozess handelt, in dem die Institution ihre Rechte gegen Schädiger durchsetzen musste. Die unterliegenden Beschwerdeführer haben zudem die Gerichtskosten zu tragen.

Regeste

Art. 52 und 73 Abs. 1 BVG: Zuständigkeit. Das Berufsvorsorgegericht ist zuständig zur Beurteilung von Verantwortlichkeitsklagen, auch wenn sich der Sachverhalt vor dem 1. Januar 1997 verwirklicht hat. Art. 52 und 71 BVG; Art. 49 ff. BVV 2: Voraussetzungen der Haftung nach Art. 52 BVG. - Die Widerrechtlichkeit im Zusammenhang mit der Vermögensanlage der Vorsorgeeinrichtung besteht in erster Linie in einer Verletzung der gesetzlichen und reglementarischen Anlagevorschriften. - Für die Haftung genügt bereits ein leicht fahrlässiges Verhalten. - Mehrere Ersatzpflichtige des gleichen Organs haften bei gleichem Verschulden solidarisch. Art. 159 OG: Parteientschädigung. Die in einem Verantwortlichkeitsprozess obsiegenden Vorsorgeeinrichtungen haben Anspruch auf Parteientschädigung. Regeste Art. 52 et 73 al. 1 LPP: Compétence. Le tribunal compétent en matière de prévoyance professionnelle connaît des actions en responsabilité même lorsque l'état de fait s'est réalisé avant le 1er janvier 1997. Art. 52 et 71 LPP; art. 49 ss OPP 2: Conditions de la responsabilité selon l'art. 52 LPP. - L'illicéité en rapport avec le placement de capitaux de l'institution de prévoyance procède en premier lieu d'une violation des dispositions légales et réglementaires régissant le placement de la fortune. - La responsabilité est déjà engagée par un comportement constitutif d'une négligence légère. - Lorsque plusieurs membres d'un même organe sont tenus à réparation en raison d'une même faute, ils en répondent solidairement. Art. 159 OJ: Dépens. Les institutions de prévoyance qui obtiennent gain de cause dans un procès en responsabilité ont droit à une indemnité de dépens. Regesto Art. 52 e 73 cpv. 1 LPP: Competenza. Il tribunale competente in materia di previdenza professionale statuisce sulle azioni di responsabilità civile anche qualora i fatti di causa siano anteriori al 1o gennaio 1997. Art. 52 e 71 LPP; art. 49 segg. OPP 2: Requisiti della responsabilità ai sensi dell'art. 52 LPP. - Irregolarità in relazione con l'investimento patrimoniale dell'istituto previdenziale consistono precipuamente nella violazione delle disposizioni legali e d'ordinanza disciplinanti l'investimento della sostanza. - Perchè sia data la responsabilità basta la sussistenza di un comportamento configurante una negligenza di lieve entità. - Qualora più membri di uno stesso organo siano chiamati a risarcire a dipendenza di una stessa colpa, essi ne rispondono solidarmente. Art. 159 OG: Ripetibili. Agli istituti previdenziali vincenti in causa in un processo in tema di responsabilità spettano indennità di parte.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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