Eheschutzmassnahmen sind keine Endentscheide: eidgenössische Berufung unzulässig (Art. 48 Abs. 1 OG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 127 III 474 · ATF 127 III 474 · DTF 127 III 474
- Datum
- 11.06.2001
- Geschäftsnummer
- BGE 127 III 474
- Abteilung
- CH_BGE_005
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein Ehegatte ficht einen letztinstanzlichen kantonalen Entscheid über Eheschutzmassnahmen, namentlich die Aufhebung des gemeinsamen Haushalts, die Zuweisung der ehelichen Wohnung und die Festsetzung eines monatlichen Unterhaltsbeitrags, mit eidgenössischer Berufung an. Der Gesuchsgegner macht geltend, die Massnahmen seien aufgrund ihrer Dauer und der derogatorischen Kraft des Bundesrechts als Endentscheide zu qualifizieren.
Das Bundesgericht tritt auf die eidgenössische Berufung gegen den letztinstanzlichen kantonalen Entscheid über Eheschutzmassnahmen nicht ein.
Die Berufung setzt gemäss Art. 48 Abs. 1 OG einen Endentscheid voraus. Ein solcher liegt vorliegend nicht vor, da das kantonale Obergericht nur über eine Nichtigkeitsbeschwerde und nicht über ein ordentliches Rechtsmittel entschied. Zudem fehlt es an materieller Rechtskraft, weil Eheschutzmassnahmen nach Art. 114 ZGB und Art. 179 ZGB grundsätzlich provisorischen Charakter haben und bei Wiederaufnahme des Zusammenlebens oder Änderung der Verhältnisse formlos oder erleichtert abänderbar sind.
Entscheidend ist ferner, dass Eheschutzmassnahmen in einem summarischen Verfahren ergehen, in dem blosses Glaubhaftmachen genügt und keine volle Beweiskognition stattfindet. Dies unterscheidet sie von rechtskräftigen Endentscheiden. Die längere Geltungsdauer infolge des revidierten Scheidungsrechts ändert daran nichts, da das Kriterium der Berufungsfähigkeit weiterhin der provisorische Charakter und das summarische Verfahren bleiben. Auch die Vergleichbarkeit mit Gegendarstellungsentscheiden wird verneint, da diese abschliessend über eine Pflicht entscheiden und nicht zeitlich beschränkt sind.
Regeste
Rechtsmittel gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide über gerichtliche Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft (Bestätigung der Rechtsprechung). Begriff des Endentscheides im Sinne von Art. 48 Abs. 1 OG (E. 1a). Letztinstanzliche kantonale Entscheide über gerichtliche Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft stellen grundsätzlich keine Endentscheide im Sinne von Art. 48 Abs. 1 OG dar und können daher nicht mit eidgenössischer Berufung angefochten werden. Daran hat auch Art. 114 ZGB in der Fassung vom 26. Juni 1998 nichts geändert (E. 2a und b). Regeste Moyen de droit contre les décisions de mesures protectrices de l'union conjugale prises en dernière instance cantonale (confirmation de jurisprudence). Notion de décision finale au sens de l'art. 48 al. 1 OJ (consid. 1a). Les décisions de mesures protectrices de l'union conjugale prises en dernière instance cantonale ne constituent en principe pas des décisions finales au sens de l'art. 48 al. 1 OJ et ne peuvent par conséquent pas être entreprises par la voie du recours en réforme fédéral. L'art. 114 CC dans sa teneur du 26 juin 1998 n'a pas modifié cette situation (consid. 2a et b). Regesto Rimedi giuridici contro decisioni cantonali di ultima istanza concernenti misure giudiziarie a protezione dell'unione coniugale (conferma della giurisprudenza). Nozione di decisione finale ai sensi dell'art. 48 cpv. 1 OG (consid. 1a). Le decisioni cantonali di ultima istanza concernenti misure giudiziarie a protezione dell'unione coniugale non costituiscono, di principio, decisioni finali ai sensi dell'art. 48 cpv. 1 OG e non possono pertanto essere impugnate mediante ricorso per riforma. L'art. 114 CC nella versione del 26 giugno 1998 non ha modificato questa situazione (consid. 2a e b). Urteilskopf 127 III 474 81. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 11. Juni 2001 i.S. A.B. gegen B.B. (Berufung) Regeste Rechtsmittel gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide über gerichtliche Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft (Bestätigung der Rechtsprechung). Begriff des Endentscheides im Sinne von Art. 48 Abs. 1 OG (E. 1a). Letztinstanzliche kantonale Entscheide über gerichtliche Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft stellen grundsätzlich keine Endentscheide im Sinne von Art. 48 Abs. 1 OG dar und können daher nicht mit eidgenössischer Berufung angefochten werden. Daran hat auch Art. 114 ZGB in der Fassung vom 26. Juni 1998 nichts geändert (E. 2a und b).
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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