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Justizze. Art. 2 OHG

Bundesgericht

Erbengemeinschaft nach Opfer: Nahestehende Personen bei geerbter Adhäsionsklage zur Nichtigkeitsbeschwerde legitimiert (Art. 2 Abs. 2 lit. b OHG)

BGE / ATF / DTF
BGE 126 IV 42 · ATF 126 IV 42 · DTF 126 IV 42
Datum
11.01.2000
Geschäftsnummer
BGE 126 IV 42
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 2 OHG Art. 8 OHG

Zusammenfassung

Nach dem Tod eines Opfers schwerer Körperverletzung fechten dessen Erben (Witwe und drei Kinder) das strafgerichtliche Freispruchsurteil gegen den Täter mit eidgenössischer Nichtigkeitsbeschwerde an. Das Obergericht hatte den Beschuldigten freigesprochen und war auf die Adhäsionsklage der Erben auf Leistung einer Genugtuungssumme nicht eingetreten. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, sie hätten die vom Verstorbenen zu Lebzeiten adhäsionsweise geltend gemachte Genugtuungsforderung durch Erbgang erworben und seien daher zur Anfechtung des Strafurteils berechtigt. Der Wille des Erblassers wird dabei durch eine als Willensvollstreckerin eingesetzte Rechtsanwältin vertreten, ohne dass eine ausdrückliche Vollmacht der einzelnen Erben für das Bundesgerichtsverfahren vorliegt.

Das Bundesgericht weist die eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde ab, da die Legitimation der Willensvollstreckerin ungeklärt bleibt und keine Vollmacht der Erben vorliegt, obwohl diese materiell-rechtlich beschwerdebefugt wären.

Die Witwe und die drei Kinder des verstorbenen Opfers A., welche im Kosovo leben, sind als dem Opfer nahestehende Personen im Sinne von Art. 2 Abs. 2 lit. b OHG zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt legitimiert. Dies gilt nicht wegen ihrer blossen Erbenstellung, sondern weil sie die vom Opfer selbst zu Lebzeiten adhäsionsweise geltend gemachte Genugtuungsforderung wegen schwerer Körperverletzung durch Erbgang erworben haben. Da der Freispruch des Beschuldigten mangels Fahrlässigkeit sich negativ auf die Beurteilung dieser zivilrechtlichen Forderung auswirken kann, erfüllen sie die Voraussetzungen von Art. 8 Abs. 1 lit. c OHG. Jede einzelne nahestehende Person ist dabei selbständig beschwerdebefugt, sofern sie am Zivilanspruch mitberechtigt ist.

Die Beschwerde wurde jedoch dennoch abgewiesen, da die vorliegende Beschwerdeschrift ausschliesslich von der als Willensvollstreckerin eingesetzten Rechtsanwältin unterzeichnet wurde, ohne dass eine Vollmacht der gemäss Art. 2 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 8 Abs. 1 lit. c OHG befugten Personen (Witwe und Kinder) vorgelegen hätte. Ob ein Willensvollstrecker im Rahmen seiner Prozessführungsbefugnis nach Art. 518 ZGB auch zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt befugt ist, liess das Gericht ausdrücklich offen, da die Beschwerde ohnehin formell unzulässig war.

Rein als Erben ohne Qualifikation als nahestehende Personen wären die Beschwerdeführer hingegen nicht zur Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt legitimiert gewesen, da Art. 270 BStP eine solche Übertragung der Verfahrensrechte auf blosse Erben nicht vorsieht.

Regeste

Legitimation zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt nach dem Tod des Opfers (Art. 270 BStP, Art. 2 Abs. 2 lit. b und Art. 8 Abs. 1 lit. c OHG). Die Erben des Opfers sind in dieser Eigenschaft nicht zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt befugt (E. 2). Die dem Opfer nahe stehenden Personen im Sinne von Art. 2 Abs. 2 OHG sind zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt nicht nur dann legitimiert, wenn sie ihrerseits im Strafverfahren adhäsionsweise Zivilansprüche wegen Beeinträchtigung ihrer Person geltend gemacht haben, sondern auch dann, wenn sie eine vom Opfer selbst zu Lebzeiten adhäsionsweise geltend gemachte Zivilforderung (hier: Genugtuungsforderung wegen schwerer Körperverletzung) nach dessen Tod durch Erbgang erworben haben und sich der angefochtene Entscheid negativ auf deren Beurteilung auswirken kann (E. 3). Legitimation des Willensvollstreckers zur eidgenössischen Nichtigkeitsbeschwerde im Strafpunkt? Frage offen gelassen (E. 4). Regeste Qualité pour former un pourvoi en nullité contre le jugement pénal après le décès de la victime (art. 270 PPF, art. 2 al. 2 let. b et art. 8 al. l let. c LAVI). La qualité d'héritiers de la victime ne confère pas à ceux-ci le droit de former un pourvoi en nullité contre le jugement pénal (consid. 2). Les proches de la victime énumérés à l'art. 2 al. 2 LAVI sont légitimés à former un pourvoi en nullité contre le jugement pénal dans les deux cas suivants. D'une part, lorsqu'ils ont fait valoir par voie d'adhésion leurs propres prétentions civiles découlant d'atteintes à leur personne; d'autre part, lorsqu'ils ont hérité d'une créance que la victime avait elle-même fait valoir, de son vivant, par voie d'adhésion à l'action pénale et que le jugement pénal attaqué peut avoir des effets négatifs sur le jugement de ces prétentions civiles (ici, réparation morale demandée en raison de lésions corporelles graves) (consid. 3). Légitimation de l'exécuteur testamentaire pour former un pourvoi en nullité? Question laissée indécise (consid. 4). Regesto Legittimazione a proporre ricorso per cassazione contro una decisione penale dopo il decesso della vittima (art. 270 PP, art. 2 cpv. 2 lett. b e art. 8 cpv. 1 lett. c LAV). La qualità di eredi della vittima non da loro il diritto di proporre ricorso per cassazione contro una decisione penale (consid. 2). Le persone elencate nell'art. 2 cpv. 2 LAV sono legittimate a proporre ricorso per cassazione nei due casi seguenti: da un lato, se fanno valere in via adesiva pretese civili proprie contro l'autore del reato, e, dall'altro, se hanno ereditato le pretese civili che la stessa vittima, ancora in vita, aveva fatto valere costituendosi parte civile nel procedimento penale e la decisione impugnata possa avere delle conseguenze negative sul giudizio relativo a tali pretese (nella fattispecie: riparazione morale derivante da lesioni personali gravi) (consid. 3). L'esecutore testamentario è legittimato a proporre ricorso per cassazione? Questione lasciata indecisa (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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