Bauvorhaben mit weitreichendem Umbau eines Autobahnanschlusses und einer Hochbrücke erfordert bundesrechtliches Plangenehmigungsverfahren nach NSG und NSV (Art. 6, 21 Abs. 1, 26 Abs. 1 NSG; Art. 2, 30 NSV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 149 II 269 · ATF 149 II 269 · DTF 149 II 269
- Datum
- 01.01.2023
- Geschäftsnummer
- BGE 149 II 269
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 6 LRN Art. 6 LSN Art. 21 LSN Art. 23 LSN Art. 28 LSN Art. 44 LSN Art. 5 NSG Art. 6 NSG Art. 21 NSG Art. 24 NSG Art. 26 NSG Art. 44 NSG Art. 2 NSV Art. 10 NSV Art. 30 NSV Art. 2 ORN Art. 30 ORN Art. 2 OSN Art. 30 OSN Art. 25a RPG
Zusammenfassung
Beschwerdeführende erhoben Beschwerde gegen die kantonale Baubewilligung für eine direkte Zufahrt zum Einkaufszentrum Seedamm-Center über eine Hochbrücke vom Autobahnanschluss Pfäffikon. Streitig war, ob das Vorhaben – bestehend aus einer neuen Hochbrücke und einer tiefgreifenden Umgestaltung des bestehenden Autobahnanschlusses – im kantonalen Baubewilligungsverfahren oder im bundesrechtlichen Plangenehmigungsverfahren nach dem Nationalstrassengesetz (NSG) und der Nationalstrassenverordnung (NSV) zu bewilligen sei. Die Vorinstanzen hatten die Baubewilligung erteilt, das Verwaltungsgericht Schwyz hatte sie teilweise zurückgewiesen, doch letztlich wurde die Baubewilligung bestätigt.
Das Bundesgericht hob die kantonale Baubewilligung auf und wies das gesamte Baugesuch der F. AG vom 21. Juli 2016 ab. Der Umbau des Autobahnanschlusses Pfäffikon – mit Teilabriss und Wiederaufbau, horizontaler und vertikaler Verschiebung der Fahrbahnen, Neubau einer 257 m langen Stützmauer sowie vollständiger Erneuerung von Fahrzeugrückhaltesystemen, Beleuchtung, Signalisation, Markierung und Betriebsausrüstungen – stellt einen weitreichenden Eingriff in die Bausubstanz eines Nationalstrassenbestandteils dar. Solche Eingriffe unterliegen zwingend dem bundesrechtlichen Plangenehmigungsverfahren nach Art. 21 Abs. 1 und Art. 26 Abs. 1 NSG, da sie Bestandteile der Nationalstrasse gemäss Art. 6 NSG und Art. 2 lit. c, g, h und i NSV betreffen. Auch die Hochbrücke ist kein isoliertes Drittvorhaben, sondern ein unabdingbarer Bestandteil des Ausführungsprojekts: Sie ist funktional und baulich untrennbar mit der Anpassung des Anschlusses verbunden, dient nicht ausschliesslich privaten Interessen, sondern auch öffentlichen Verkehrsinteressen (Entlastung der Knoten Etzelpark und Schweizerhof, Reduktion von Rückstaus auf der N03), und ihre Lage macht sie zu einer Zu- bzw. Wegfahrt im Sinne von Art. 10 Abs. 1 NSV. Damit fällt sie ebenfalls unter das Plangenehmigungsverfahren nach NSG und NSV. Eine kantonale Baubewilligung ist daher unzulässig. Die Koordinationspflicht gemäss Art. 25a RPG würde zudem eine materielle Abstimmung mit dem Plangenehmigungsverfahren erfordern – doch das entsprechende Gesuch des ASTRA war bereits 2014 zurückgezogen worden, sodass keine Grundlage für eine koordinierte Bewilligung besteht. Die Entscheidung klärt die Abgrenzung zwischen Drittprojekten im Bereich von Nationalstrassen (Art. 44 NSG) und Projekten, die selbst Nationalstrassenbestandteile verändern oder ergänzen, und bekräftigt die ausschliessliche Zuständigkeit des Bundes bei tiefgreifenden Eingriffen in die Struktur bestehender Anschlüsse.
Regeste
Art. 6, 21, 23 f., 28 und 44 NSG; Art. 2 und 30 NSV; Bewilligungsverfahren für eine direkte Zufahrt ab dem Autobahnanschluss Pfäffikon über eine Hochbrücke zum Einkaufszentrum Seedamm-Center. Bauvorhaben, welche weitreichende Eingriffe in die Bausubstanz eines bestehenden Autobahnanschlusses und seiner technischen Einrichtungen enthalten, bedürfen der Durchführung eines Plangenehmigungsverfahrens nach den Vorschriften des NSG und der NSV. Die neue Hochbrücke bedingt eine gewichtige bauliche Umgestaltung des Anschlusses Pfäffikon (Teilabriss und -wiederaufbau mit horizontal und vertikal verschobenen Fahrbahnen). Diese muss im bundesrechtlichen Plangenehmigungsverfahren nach NSG bewilligt werden und nicht in einem kantonalen Baubewilligungsverfahren (E. 4 und 5). Gleiches gilt für die Hochbrücke, die unabdingbarer Bestandteil des Ausführungsprojekts ist (E. 6). Regeste Art. 6, 21, 23 s., 28 et 44 LRN; art. 2 et 30 ORN; procédure d'autorisation pour un accès direct au centre commercial Seedamm-Center depuis l'échangeur autoroutier de Pfäffikon via un pont surélevé. Les projets de construction qui impliquent des interventions importantes sur un échangeur autoroutier existant et ses installations techniques nécessitent la mise en oeuvre d'une procédure d'approbation des plans conformément aux prescriptions de la LRN et de l'ORN. Le nouveau pont nécessite une importante transformation structurelle de l'échangeur de Pfäffikon (démolition et reconstruction partielles avec des voies de circulation déplacées horizontalement et verticalement). Celle-ci doit être approuvée dans le cadre de la procédure fédérale d'approbation des plans selon la LRN et non dans le cadre d'une procédure cantonale d'autorisation de construire (consid. 4 et 5). Il en va de même pour le pont surélevé, qui est un élément essentiel du projet définitif (consid. 6) Regesto Art. 6, 21, 23 seg., 28 e 44 LSN; art. 2 e 30 OSN; procedura di autorizzazione per un accesso diretto al centro commerciale Seedamm-Center a partire dal raccordo autostradale di Pfäffikon attraverso un ponte sopraelevato. I progetti di costruzione che comportano interventi di ampia portata nella struttura edilizia di un raccordo autostradale esistente e sulle sue installazioni tecniche richiedono l'attuazione di una procedura di approvazione dei piani secondo le disposizioni della LSN e dell'OSN. Il nuovo ponte comporta un'importante trasformazione edilizia strutturale del raccordo di Pfäffikon (demolizione e ricostruzione parziale con corsie spostate orizzontalmente e verticalmente). Questa dev'essere autorizzata nel quadro della procedura federale di approvazione dei piani secondo la LSN e non nell'ambito di una procedura cantonale di rilascio della licenza edilizia (consid. 4 e 5). Lo stesso vale per il ponte, che è un elemento imprescindibile del progetto esecutivo (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.