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Justizze. Art. 125 ZGB

Bundesgericht

Ehegatte klagt gegen nachehelichen Unterhalt nach dreijähriger Ehe mit gemeinsamem Kind: Lebensprägung verneint, Rückweisung an Vorinstanz (Art. 125 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 III 161 · ATF 148 III 161 · DTF 148 III 161
Datum
25.03.2022
Geschäftsnummer
5A_568/2021
Abteilung
II. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 99 BGG Art. 107 BGG Art. 125 ZGB

Zusammenfassung

Ein Ehemann beschwert sich beim Bundesgericht gegen ein Teilurteil des Zürcher Obergerichts, das ihm monatlich über 11'000 Franken nachehelichen Unterhalt an seine Ex-Ehefrau auferlegt hat. Streitpunkt ist, ob die rund dreijährige Ehe mit einer gemeinsamen Tochter lebensprägend war – eine Voraussetzung für die Anknüpfung an den ehelichen Lebensstandard bei der Unterhaltsberechnung. Die Ex-Ehefrau beruft sich auf ihre Betreuungspflichten, ihre wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ehemann und eine kurze Phase klassischer Rollenteilung nach der Geburt des Kindes. Der Ehemann bestreitet, dass diese Umstände eine lebensprägende Ehe begründen.

Das Bundesgericht hebt die Unterhaltsfestsetzung des Obergerichts auf und weist die Sache zur Neuberechnung zurück, weil die Vorinstanz zu Unrecht von einer lebensprägenden Ehe ausgegangen ist. Die Ehe dauerte nur rund drei Jahre, der gemeinsame Haushalt wurde kurz nach der Geburt der Tochter im Jahr 2011 aufgehoben, und eine klassische Rollenteilung wurde allenfalls weniger als ein Jahr gelebt. Die Geburt des gemeinsamen Kindes reicht nach der Rechtsprechung zum neuen Kindesunterhaltsrecht nicht mehr allein aus, um Lebensprägung zu begründen, da solche Nachteile primär durch den gesonderten Betreuungsunterhalt abgedeckt werden. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der Ehefrau vom Ehemann resultiert aus einer unternehmerischen Entscheidung, die nicht als ehebedingt anzusehen ist. Zudem ist das nacheheliche Verzichten auf Erwerbstätigkeit durch die Beschwerdegegnerin nach eigenen Angaben eine freie Lebensentscheidung und nicht zwangsläufig Folge der Kinderbetreuungspflichten. Damit fehlen die Voraussetzungen für eine lebensprägende Ehe nach Art. 125 Abs. 1 und 2 ZGB sowie Art. 125 Abs. 2 Ziff. 6 ZGB. Das Bundesgericht verweist die Sache gemäss Art. 107 Abs. 2 BGG zur Neuberechnung des Unterhalts an das Obergericht, das nun auch neu über die Kosten des kantonalen Verfahrens entscheiden muss (Art. 67 und 68 Abs. 5 BGG). Für das Bundesgerichtsverfahren trägt die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 20'000.-- und muss den Beschwerdeführer mit derselben Summe entschädigen (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 1 BGG). Die Entscheidung präzisiert die enge Auslegung der Lebensprägung nach der Reform des Kindesunterhaltsrechts und stellt klar, dass wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Eheleuten nicht automatisch ehebedingt sind.

Regeste

Art. 125 ZGB; nachehelicher Unterhalt; Frage der Lebensprägung bei einer Kurzehe mit Kind. Für die Festlegung des gebührenden nachehelichen Unterhalts nimmt die Rechtsprechung zum Ausgangspunkt, ob eine Ehe lebensprägend war oder nicht (E. 4.1). Weiterentwicklung des Begriffs der Lebensprägung (E. 4.2). Nachteile, die einem Elternteil aus der (nachehelichen) Betreuung eines während der Ehe geborenen gemeinsamen Kindes erwachsen, werden neu vorrangig durch den Betreuungsunterhalt (Art. 276 und 285 ZGB) abgegolten und lassen für sich genommen eine Ehe nicht als lebensprägend erscheinen (E. 4.3.1). Auch eine für weniger als ein Jahr gelebte klassische Rollenteilung (Hausgattenehe) und die berufliche Abhängigkeit eines Ehegatten vom anderen begründen die Lebensprägung nicht (E. 4.3.2 und 4.3.3). Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz zur Prüfung, ob bei nichtlebensprägender Ehe und demzufolge unter Anknüpfung an die vorehelichen Verhältnisse ein Unterhaltsbeitrag geschuldet ist (E. 5.1 und 5.2). Regeste Art. 125 CC; entretien après divorce; question de l'impact décisif sur la vie de l'un des époux d'un mariage de courte durée avec enfant. Pour déterminer si une contribution d'entretien est due après le mariage, la jurisprudence prend comme point de départ le fait de savoir si un mariage a concrètement influencé la situation financière de l'époux crédirentier (consid. 4.1). Développement de la notion de mariage qui a eu une influence concrète (consid. 4.2). Les conséquences financières pour un parent résultant de la prise en charge (après le divorce) d'un enfant commun né pendant le mariage sont désormais compensées en priorité par la contribution de prise en charge (art. 276 et 285 CC) et ne font en soi pas apparaître un mariage comme ayant eu une influence concrète (consid. 4.3.1). Influence du mariage également déniée en cas de répartition classique des rôles pendant moins d'une année en ménage commun et de dépendance professionnelle d'un époux vis-à-vis de l'autre (consid. 4.3.2 et 4.3.3). Renvoi de l'affaire à la juridiction précédente pour qu'elle examine si une contribution d'entretien est due, en cas de mariage n'ayant pas eu un impact décisif sur la vie de l'un des époux, partant sur la base de la situation qui existait avant le mariage (consid. 5.1 et 5.2). Regesto Art. 125 CC; mantenimento dopo il divorzio; questione dell'influenza concreta sulla vita in caso di matrimonio di corta durata con figli. La questione a sapere se un matrimonio abbia o meno avuto un'influenza concreta sulla vita del coniuge creditore costituisce per la giurisprudenza il punto di partenza per determinare il debito mantenimento dopo il divorzio (consid. 4.1). Sviluppo ulteriore del concetto di matrimonio che ha concretamente influenzato la vita del coniuge creditore (consid. 4.2). Gli svantaggi per un genitore risultanti dalla cura (dopo il divorzio) di un figlio comune nato durante il matrimonio sono ormai compensati prioritariamente con il contributo di mantenimento per la cura del figlio (art. 276 e 285 CC) e di per sé non fanno apparire un matrimonio come avente avuto un'influenza concreta sulla vita del coniuge creditore (consid. 4.3.1). L'influenza concreta va negata anche nel caso di una ripartizione classica dei ruoli durata meno di un anno e di una dipendenza professionale di un coniuge dall'altro (consid. 4.3.2 e 4.3.3). Rinvio della causa all'autorità precedente affinché esamini se, nel caso di matrimonio che non ha concretamente influenzato la vita del coniuge creditore e quindi sulla base della situazione che esisteva prima di tale matrimonio, un contributo di mantenimento sia dovuto (consid. 5.1 e 5.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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