Software-basierter Keylogger zur Aufzeichnung von Tastatureingaben gilt als Überwachungsgerät i.S.v. Art. 280 lit. b StPO (Art. 280 lit. b StPO)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 147 IV 424 · ATF 147 IV 424 · DTF 147 IV 424
- Datum
- 01.01.2020
- Geschäftsnummer
- BGE 147 IV 424
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 269 StPO Art. 269ter StPO Art. 280 StPO Art. 281 StPO Art. 286 StPO
Zusammenfassung
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragte beim Zwangsmassnahmengericht die Genehmigung für den Einsatz eines software-basierten Keyloggers zur Aufzeichnung der Tastatureingaben einer unbekannten Täterschaft im Rahmen einer Strafuntersuchung wegen qualifizierter Betäubungsmittelstraftaten und Geldwäscherei. Das Zwangsmassnahmengericht verweigerte die Genehmigung mit der Begründung, ein solcher Keylogger sei kein Überwachungsgerät i.S.v. Art. 280 lit. b StPO und bedürfe stattdessen einer Grundlage nach Art. 269ter StPO. Die Oberstaatsanwaltschaft erhob Beschwerde an das Bundesgericht.
Das Bundesgericht hob die Entscheide des Zwangsmassnahmengerichts auf und genehmigte den Einsatz des software-basierten Keyloggers. Es stellte fest, dass Keylogger grundsätzlich als Überwachungsgeräte i.S.v. Art. 280 lit. b StPO zu qualifizieren sind, wobei nicht die physische Beschaffenheit, sondern die Art und Weise der Einsetzung entscheidend ist. Die Wirkweise des software-basierten Keyloggers ist identisch mit der eines mechanischen Keyloggers: er zeichnet ausschliesslich Tastatureingaben auf und leitet sie aus, ohne ganze Kommunikationsinhalte oder Fernmelde-Randdaten abzufangen – im Gegensatz zu GovWare nach Art. 269ter StPO. Zudem wird beim Upload auf einen USB-Stick kein Informatikprogramm in ein Datenverarbeitungssystem eingeschleust, sodass Art. 269ter StPO nicht einschlägig ist. Der dringende Tatverdacht einer Katalogtat nach Art. 19 Abs. 2 BetmG und Art. 305bis Ziff. 2 StGB ist gegeben, ebenso die Subsidiarität nach Art. 269 Abs. 1 lit. c StPO, da keine erfolgversprechenden Alternativen bestehen. Die Voraussetzungen für eine technische Überwachung nach Art. 280 lit. b StPO sind daher erfüllt. Das Bundesgericht stellte zudem klar, dass die Verlängerung der Überwachung bis zum 1. Juli 2020 gerechtfertigt ist, weil Passwörter regelmäßig geändert werden und nur zeitnah vor einer Verhaftung eingetippte Passwörter für die Entsperrung relevanter Geräte und Daten nutzbar sind. Diese Entscheidung klärt erstmals abschliessend, dass software-basierte Keylogger unter Art. 280 lit. b StPO fallen und schafft Rechtssicherheit für Ermittlungsbehörden bei der Bekämpfung hochtechnisierter Delikte.
Regeste
Art. 269, Art. 269ter, Art. 280 lit. b StPO; Software-basierter Keylogger als Überwachungsgerät. Keylogger gelten grundsätzlich als Überwachungsgeräte i.S.v. Art. 280 lit. b StPO. Eine Unterscheidung zwischen mechanischen bzw. physischen und software-basierten Keyloggern rechtfertigt sich nicht. Für die Qualifikation als Gerät i.S.v. Art. 280 lit. b StPO ist nicht die Beschaffenheit, sondern die Art und Weise der Einsetzung entscheidend (E. 5.1). Mittels Keyloggern können einzig Tastatureingaben aufgezeichnet und ausgeleitet werden. Ganzheitliche Kommunikationsinhalte, wie dies bei GovWare (Art. 269ter StPO) möglich ist, können hingegen nicht abgefangen und weitergeleitet werden. Zudem wird, anders als bei GovWare, auch kein Informatikprogramm in ein Datenverarbeitungssystem eingeschleust (E. 5.2). Regeste Art. 269, art. 269ter, art. 280 let. b CPP; dispositif informatique d'enregistrement des frappes sur un clavier ("keylogger") en tant que moyen de surveillance. Les dispositifs d'enregistrement des frappes sur un clavier ("keylogger") sont en principe des moyens de surveillance au sens de l'art. 280 let. b CPP. Il ne se justifie pas de faire de différence entre un dispositif d'enregistrement mécanique, respectivement physique, d'un dispositif informatique d'enregistrement résultant d'un programme de type "keylogger". Pour la qualification d'appareil au sens de l'art. 280 let. b CPP, ce n'est pas la nature, mais la manière dont il est mis en oeuvre qui est décisive (consid. 5.1). Par le biais d'un programme d'enregistrement "keylogger", seules les frappes effectuées sur le clavier peuvent être enregistrées et transférées. En revanche, le contenu de la communication - dont il est possible d'avoir connaissance avec un programme de surveillance de type "Govware" (art. 269ter CPP) - ne peut pas être intercepté et transmis. Contrairement à une surveillance de type "Govware", aucun programme informatique n'est introduit dans le système de traitement des données en cas de surveilance par "keylogger" (consid. 5.2). Regesto Art. 269, art. 269ter, art. 280 lett. b CPP; dispositivo informatico di registrazione della digitazione su una tastiera di un computer ("keylogger") quale apparecchio tecnico di sorveglianza. I dispositivi di registrazione della digitazione su una tastiera ("keylogger") costituiscono di principio apparecchi tecnici di sorveglianza ai sensi dell'art. 280 lett. b CPP. Non si giustifica di operare una differenza tra un dispositivo di registrazione meccanico, rispettivamente fisico, e un dispositivo basato su un programma "keylogger". Per la qualifica di apparecchio ai sensi dell'art. 280 lett. b CPP non è decisiva la natura del dispositivo, bensì la sua modalità d'impiego (consid. 5.1). Mediante un programma "keylogger" possono essere registrate e trasferite soltanto le digitazioni effettuate sulla tastiera. L'intero contenuto delle comunicazioni, possibilmente rilevabile tramite un programma informatico di sorveglianza del tipo "GovWare" (art. 269ter CPP), non può per contro essere intercettato e trasferito. Inoltre, diversamente da un programma di sorveglianza come "GovWare", non viene introdotto un programma informatico in un sistema di trattamento dei dati (consid. 5.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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