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Justizze. Art. 8 BV

Bundesgericht

Kanton Basel-Landschaft senkt Umrechnungssätze für Eigenmietwert: Durchschnitt von 60,1 % verletzt Rechtsgleichheitsgebot, da zahlreiche Einzelfälle unter 60 % liegen (Art. 8 Abs. 1 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 I 137 · ATF 143 I 137 · DTF 143 I 137
Datum
01.01.2017
Geschäftsnummer
BGE 143 I 137
Abteilung
CH_BGE_001
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 8 BV Art. 27 BV Art. 127 BV Art. 23 StG Art. 24 StG Art. 27ter StG Art. 2 StHG Art. 7 StHG

Zusammenfassung

A. sowie der Mieterinnen- und Mieterverband Baselland und Dorneck-Thierstein erhoben Beschwerde gegen eine Änderung des Steuergesetzes des Kantons Basel-Landschaft, welche die Umrechnungssätze zur Berechnung des Eigenmietwerts reduzierte. Sie rügten insbesondere eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots nach Art. 8 Abs. 1 BV, weil die neue Regelung in zahlreichen Fällen zu Eigenmietwerten unterhalb der verfassungsrechtlichen Untergrenze von 60 % des Marktmietwerts führe. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft argumentierte hingegen, dass das System mittels Korrekturmechanismen wie § 27ter Abs. 6 StG/BL verfassungskonform angewendet werden könne und eine Richtgrösse von 60 % erreiche.

Das Bundesgericht hob die angefochtene Reduktion der Umrechnungssätze in § 27ter Abs. 5 des Steuergesetzes des Kantons Basel-Landschaft auf, weil sie in einer erheblichen Zahl von Fällen zu Eigenmietwerten unterhalb der verfassungsrechtlichen Untergrenze von 60 % des Marktmietwerts führt. Der kantonale Gesetzgeber hatte zwar den Durchschnittswert auf 60,1 % festgelegt, doch ergibt sich aus der Streubreite einer formelmässigen Berechnung zwangsläufig, dass ein beträchtlicher Teil der Einzelwerte unterhalb dieser Schwelle liegt – etwa bei Stockwerkeigentum mit 56,8 % oder in gewissen Gruppen sogar rund 54 %. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt jedoch, dass die Untergrenze von 60 % in jedem Einzelfall eingehalten wird, nicht nur im Durchschnitt. Der in § 27ter Abs. 6 StG/BL vorgesehene Korrekturmechanismus, der eine Erhöhung des Eigenmietwerts im Einzelfall vorsieht, ist systematisch ungeeignet, diese Verfassungswidrigkeit zu beseitigen, da er nur punktuell und zufällig greift und keine lückenlose Kontrolle gewährleistet. Damit verstösst § 27ter Abs. 5 StG/BL gegen Art. 8 Abs. 1 BV (Rechtsgleichheit) und Art. 127 Abs. 2 BV (horizontale Steuergerechtigkeit), da Eigentümer selbstbewohnter Liegenschaften gegenüber Mietern und anderen Eigentümern mit vergleichbarer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit steuerlich privilegiert würden. Die Bestimmung entzieht sich auch unter Berücksichtigung ihres gesetzlichen Kontextes jeder verfassungskonformen Auslegung und ist daher aufzuheben.

Die Entscheidung bestätigt die strikte Anwendung der 60-%-Untergrenze für den Eigenmietwert als verfassungsrechtliche Vorgabe, die nicht durch Durchschnittswerte oder nachträgliche Einzelfallkorrekturen ausgehöhlt werden darf. Sie unterstreicht zudem die besondere Bedeutung der abstrakten Normenkontrolle bei systemischen Verstössen, die sich im konkreten Fall kaum gerichtlich geltend machen lassen.

Regeste

Art. 8 Abs. 1 und Art. 127 Abs. 2 BV; Art. 82 lit. b BGG; Besteuerung des Eigenmietwerts; Rechtsgleichheit; horizontale Steuergerechtigkeit; abstrakte Normenkontrolle. Grundzüge des bundesgerichtlichen Verfahrens auf abstrakte Normenkontrolle (E. 2.2 und 2.3). Verfassungsrechtliche Vorgaben im Hinblick auf die Besteuerung des Eigenmietwerts. Der Eigenmietwert hat nach dem Rechtsgleichheitsgebot (Art. 8 Abs. 1 BV) grundsätzlich dem Marktmietwert zu entsprechen. Abweichungen vom Marktmietwert nach unten sind nur zulässig, wenn sie die Grenze von 60 % nicht unterschreiten (E. 3.2-3.4). Bestätigung dieser Rechtsprechung (E. 4.5). Führt eine kantonale Steuerordnung in einer beträchtlichen Zahl von Fällen zu Abweichungen von mehr als 40 % vom Marktmietwert, ist sie mit Art. 8 Abs. 1 und Art. 127 Abs. 2 BV unvereinbar (E. 4.5.2). Die basel-landschaftliche Regelung, welche in Einzelfällen eine Erhöhung zu tiefer Eigenmietwerte vorsieht, vermag systembedingte Verstösse gegen das Rechtsgleichheitsgebot nicht zu beseitigen, zumal eine gerichtliche Korrektur der Verfassungswidrigkeit ausserhalb einer abstrakten Normenkontrolle kaum je möglich ist (E. 4.5.3). Regeste Art. 8 al. 1 et art. 127 al. 2 Cst.; art. 82 let. b LTF; imposition de la valeur locative; principe de l'égalité; équité fiscale horizontale; contrôle abstrait des normes. Eléments fondamentaux de la procédure devant le Tribunal fédéral en matière de contrôle abstrait des normes (consid. 2.2 et 2.3). Exigences constitutionnelles quant à l'imposition de la valeur locative. La valeur locative doit en principe correspondre à la valeur du marché, conformément au principe d'égalité (art. 8 al. 1 Cst.). Des réductions de la valeur du marché ne sont possibles que pour autant qu'elles n'aboutissent pas à une valeur locative inférieure à 60 % de la valeur du marché (consid. 3.2-3.4). Confirmation de cette jurisprudence (consid. 4.5). Un règlement fiscal cantonal qui aboutit, dans un nombre considérable de cas, à une réduction de plus de 40 % de la valeur du marché est contraire aux art. 8 al. 1 et 127 al. 2 Cst. (consid. 4.5.2). Le règlement de Bâle-Campagne, qui prévoit dans certains cas une augmentation des valeurs locatives trop basses, ne saurait empêcher des violations au principe d'égalité inhérentes au système, étant donné que l'inconstitutionnalité des normes ne peut guère être rectifiée par la voie judiciaire en-dehors de leur contrôle abstrait (consid. 4.5.3). Regesto Art. 8 cpv. 1 e art. 127 cpv. 2 Cost.; art. 82 lett. b LTF; imposizione del valore locativo; principio di uguaglianza; equità fiscale orizzontale; controllo astratto delle norme. Fondamenti della procedura di controllo astratto delle norme davanti al Tribunale federale (consid. 2.2 e 2.3). Dettami costituzionali in relazione all'imposizione del valore locativo. In base al principio di uguaglianza (art. 8 cpv. 1 Cost.), il valore locativo deve di regola corrispondere al valore locativo di mercato. È lecito distanziarsi al ribasso dal valore locativo di mercato solo se non si scende sotto la soglia del 60 % (consid. 3.2-3.4). Conferma di questa giurisprudenza (consid. 4.5). Una regolamentazione fiscale cantonale che porta, in un numero considerevole di casi, a uno scarto di più del 40 % dal valore locativo di mercato non è conciliabile con gli art. 8 cpv. 1 e 127 cpv. 2 Cost. (consid. 4.5.2). La normativa di Basilea-Campagna, che prevede in singoli casi l'aumento di valori locativi troppo bassi, non permette di eliminare le violazioni del principio di uguaglianza inerenti al sistema, tanto più se si considera che una correzione per via giudiziaria dell'incostituzionalità al di fuori di una procedura di controllo astratto delle norme è difficilmente possibile (consid. 4.5.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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