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Justizze. Art. 29 IVG

Bundesgericht

Versicherter meldet sich innerhalb von drei Jahren nach Aufhebung der Invalidenrente erneut an: Sechsmonatige Karenzfrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG bleibt trotz identischem Leiden unverkürzt (Art. 29 Abs. 1 IVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 V 547 · ATF 142 V 547 · DTF 142 V 547
Datum
24.10.2016
Geschäftsnummer
BGE 142 V 547
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 28 IVG Art. 29 IVG Art. 29bis IVV

Zusammenfassung

Die IV-Stelle des Kantons Zürich beschwerte sich gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich, der einem Versicherten die Invalidenrente bereits ab Juni 2011 zugesprochen hatte. Der Versicherte war im Juni 2011 erneut bei der Invalidenversicherung angemeldet worden, nachdem seine Rente per Ende April 2010 aufgehoben worden war; die neue Arbeitsunfähigkeit beruhte auf denselben Kniebeschwerden wie zuvor. Die Vorinstanz hatte argumentiert, dass die sechsmonatige Karenzfrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG entfallen müsse, weil Art. 29bis IVV die Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG verkürze. Streitig war, ob Art. 29bis IVV auch auf die Karenzfrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG anzuwenden sei.

Das Bundesgericht hob den Vorinstanzentscheid auf und stellte fest, dass die Invalidenrente erst ab 1. Dezember 2011 zusteht. Es entschied, dass Art. 29bis IVV ausschliesslich auf die materielle Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG anwendbar ist, nicht jedoch auf die formelle Karenzfrist nach Art. 29 Abs. 1 IVG. Diese sechsmonatige Frist beginnt mit der Neuanmeldung am 15. Juni 2011 und läuft daher erst am 15. Dezember 2011 ab; da der Rentenanspruch nach Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens im Monat nach Ablauf dieser Frist entsteht, beginnt die Rente am 1. Dezember 2011. Das Gericht betonte, dass Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG eine materielle Anspruchsvoraussetzung (einjährige Arbeitsunfähigkeit) regelt, während Art. 29 Abs. 1 IVG eine verfahrensmässige Karenzfrist festlegt, die an die Geltendmachung des Anspruchs ankoppelt ist. Eine Analogieanwendung von Art. 29bis IVV auf Art. 29 Abs. 1 IVG sei daher ausgeschlossen. Zudem habe Art. 29 Abs. 1 IVG als jüngere und höherrangige Gesetzesbestimmung Vorrang vor der älteren Verordnungsnorm Art. 29bis IVV. Damit verletzte die Vorinstanz Bundesrecht, indem sie die Rente bereits ab Juni 2011 zusprach. Die Entscheidung klärt erstmals die Abgrenzung zwischen den beiden Wartezeiten im Invalidenversicherungsrecht und bestätigt die strikte Trennung materieller und formeller Anspruchsvoraussetzungen.

Regeste

Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 IVG; Art. 29 bis IVV; Wartezeit bei Neuanmeldung innerhalb von 3 Jahren nach Aufhebung einer Invalidenrente, wenn die rentenbegründende Invalidität wiederum auf dasselbe Leiden wie die frühere Invalidität zurückzuführen ist. Art. 29 bis IVV ist nur auf die Berechnung der Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG, nicht aber auf die Ermittlung der Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 IVG anwendbar (E. 3). Regeste Art. 28 al. 1 let. b et art. 29 al. 1 LAI; art. 29 bis RAI; période d'attente dans le cas d'une nouvelle demande dans les trois ans suivant la suppression d'une rente d'invalidité, lorsque l'invalidité donnant droit à une rente doit être à nouveau ramenée à la même affection que celle qui était à l'origine de l'ancienne invalidité. L'art. 29 bis RAI est applicable seulement au calcul de la période d'attente selon l'art. 28 al. 1 let. b LAI, mais pas à la détermination de la période d'attente selon l'art. 29 al. 1 LAI (consid. 3). Regesto Art. 28 cpv. 1 lett. b e art. 29 cpv. 1 LAI; art. 29 bis OAI; periodo d'attesa nel caso di una nuova domanda nei tre anni successivi alla soppressione di una rendita d'invalidità, nel caso in cui l'invalidità suscettibile di far nascere il diritto a una rendita è di nuovo riconducibile alla stessa affezione all'origine della pregressa invalidità. L'art. 29 bis OAI è applicabile solo al calcolo del periodo d'attesa secondo l'art. 28 cpv. 1 lett. b LAI, ma non alla determinazione del periodo d'attesa nel senso dell'art. 29 cpv. 1 LAI (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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