Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 198 ZGB

Bundesgericht

Ehegatte erwirbt Liegenschaft aus Erbschaft formell durch Kaufvertrag: Güterrechtliche Zuordnung zum Eigengut oder zur Errungenschaft hängt vom Erwerbsmodus ab (Art. 198 Ziff. 2 und 4 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 III 257 · ATF 142 III 257 · DTF 142 III 257
Datum
23.03.2016
Geschäftsnummer
5A_143/2015
Abteilung
II. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 95 BGG Art. 112 ZGB Art. 178 ZGB Art. 195 ZGB Art. 197 ZGB Art. 198 ZGB Art. 200 ZGB Art. 209 ZGB Art. 560 ZGB Art. 602 ZGB Art. 610 ZGB Art. 611 ZGB Art. 612 ZGB Art. 612a ZGB Art. 613 ZGB Art. 613a ZGB Art. 157 ZPO

Zusammenfassung

Eine Ehefrau erhob Beschwerde gegen ein kantonales Urteil, das im Scheidungsverfahren eine Liegenschaft, die ihr Ehemann während der Ehe aus einer Erbschaft erworben hatte, dessen Eigengut zuwies. Streitig war, ob die Liegenschaft – obwohl sie formal mittels Kaufvertrag vom 23. Mai 1978 erworben wurde – als unentgeltlicher Erwerb im Sinne von Art. 198 Ziff. 2 ZGB anzusehen sei oder ob der Kaufvertrag die Anwendung der Regeln zur Ersatzanschaffung nach Art. 198 Ziff. 4 ZGB auslöse. Die Vorinstanz hatte den Zeitpunkt des Erbanfalls als massgeblich angesehen und den Kaufvertrag als irrelevant bewertet.

Das Bundesgericht hob die Ziffern 3 und 4 des kantonalen Urteils auf und verwies die Sache zur neuen Beurteilung an das Kantonsgericht Luzern zurück. Es stellte fest, dass die Vorinstanz den maßgeblichen Zeitpunkt für die güterrechtliche Zuordnung falsch bestimmt hatte: Nicht der Erbanfall am Tod des Erblassers am 23. Juni 1976, sondern der formelle Erwerb zu Alleineigentum mittels Kaufvertrag vom 23. Mai 1978 sei entscheidend. Da der Erwerb nicht durch Erbteilung, sondern durch Kauf erfolgt sei, sei die Regelung zur Ersatzanschaffung nach Art. 198 Ziff. 4 ZGB anzuwenden und nicht die unentgeltliche Zuweisung nach Art. 198 Ziff. 2 ZGB. Der Anspruch auf einen Liquidationsanteil aus der Erbengemeinschaft sei zwar Eigengut (Art. 198 Ziff. 2 ZGB), doch bei einem Kaufvertrag müsse geprüft werden, ob und in welchem Umfang Errungenschaft oder Eigengut zum Erwerb beigetragen habe – eine Frage, die die Vorinstanz nicht gestellt und beantwortet habe. Das Bundesgericht wies daher die Sache zur Klärung dieses Sachverhalts und zur Neubewertung unter Anwendung der Ersatzanschaffungsregeln zurück. Für das Bundesgerichtsverfahren wurden die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- dem Beschwerdegegner auferlegt und die Beschwerdeführerin mit Fr. 12'000.-- entschädigt (Art. 66 Abs. 1 und 68 Abs. 1 BGG). Diese Entscheidung klärt erstmals präzise, dass bei formellem Kauf aus einer Erbengemeinschaft die Ersatzanschaffungsregelung greift und nicht automatisch das Eigengut zugrunde gelegt werden darf.

Regeste

Art. 198 Ziff. 2, 197 Abs. 2 Ziff. 5 und 198 Ziff. 4 ZGB; güterrechtliche Zuordnung eines durch Erbteilung erworbenen Gegenstandes. Qualifikation der Übernahme eines Erbschaftsgegenstandes zufolge Erbteilung (E. 4.3.2). Grundsätze für die güterrechtliche Zuordnung eines im Zuge der Erbteilung übernommenen Erbschaftsgegenstandes, wenn der übernehmende Miterbe eine Ausgleichszahlung (soulte) zu leisten hatte (E. 4.3.3). Regeste Art. 198 ch. 2, 197 al. 2 ch. 5 et 198 ch. 4 CC; attribution en vertu du régime matrimonial d'un bien acquis par partage successoral. Qualification de l'acquisition d'un bien successoral à la suite d'un partage successoral (consid. 4.3.2). Principes régissant l'attribution en vertu du régime matrimonial d'un bien successoral reçu lors d'un partage successoral lorsque le cohéritier gratifié a dû s'acquitter d'une soulte (consid. 4.3.3). Regesto Art. 198 n. 2, 197 cpv. 2 n. 5 e 198 n. 4 CC; attribuzione in virtù del regime matrimoniale di un bene acquisito mediante divisione ereditaria. Qualifica dell'acquisizione di un bene successorio in seguito a divisione ereditaria (consid. 4.3.2). Principi che reggono l'attribuzione in virtù del regime matrimoniale di un bene successorio ricevuto nel quadro di una divisione ereditaria, quando il coerede ricevente ha dovuto pagare un conguaglio (consid. 4.3.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.