Chef der Vermögensverwaltung der BVK wegen Bestechung und ungetreuer Amtsführung verurteilt: Beamteneigenschaft bestätigt (Art. 110 Abs. 3 StGB)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 141 IV 329 · ATF 141 IV 329 · DTF 141 IV 329
- Datum
- 19.08.2015
- Geschäftsnummer
- 6B_1110/2014
- Abteilung
- Verwaltungskommission
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 99 BGG Art. 106 BGG Art. 29 BV Art. 32 BV Art. 48 BVG Art. 47 StGB Art. 49 StGB Art. 50 StGB Art. 71 StGB Art. 110 StGB Art. 314 StGB Art. 322quater StGB Art. 9 StPO Art. 325 StPO
Zusammenfassung
Ein ehemaliger Chef der Vermögensverwaltung der Versicherungskasse für das Staatspersonal (BVK) des Kantons Zürich focht seine strafrechtliche Verurteilung wegen mehrfachen Sich bestechen lassens und mehrfacher ungetreuer Amtsführung an. Er machte geltend, er sei nach der Ausgliederung der BVK im Jahr 2004 kein Beamter mehr gewesen, sondern habe nur private Pensionskassengelder verwaltet. Zudem rügte er eine Verletzung des Anklageprinzips, eine fehlerhafte Strafzumessung sowie willkürliche Feststellungen zur Herkunft beschlagnahmter Gelder auf Konten seiner Familie.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Es bestätigte die Beamteneigenschaft des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB. Die BVK war während der deliktsrelevanten Zeit (2001–2010) eine unselbständige Anstalt des kantonalen öffentlichen Rechts und Teil der kantonalen Verwaltung. Der Beschwerdeführer wurde vom Regierungsrat ernannt und unterstand politischen Instanzen. Da die BVK die obligatorische berufliche Vorsorge für kantonale Angestellte durchführte, nahm sie eine öffentliche Aufgabe wahr. Die Verwaltung der Anlagegelder diente dem Gemeinwohl, weshalb der strafrechtliche Schutz vor Korruption greift.
Hinsichtlich der ungetreuen Amtsführung (Art. 314 StGB) stellte das Gericht fest, dass der Beschwerdeführer durch Repurchase-Geschäfte mit der A.A.________ AG einen Schaden von 43 Mio. Fr. und durch den Verzicht auf Retrozessionen einen solchen von 2.3 Mio. Fr. verursachte. Diese Handlungen schädigten die öffentlichen Interessen der Versicherten und des Kantons. Das Anklageprinzip (Art. 9 StPO, Art. 325 StPO) wurde gewahrt, da die Anklageschrift den Sachverhalt und die institutionelle Einbindung hinreichend präzise umschrieb.
Die Strafzumessung (Art. 47 ff. StGB) hielt sich im Rahmen des Ermessens. Die Vorinstanz hatte die Einsatzstrafe trotz Berücksichtigung der Medienberichterstattung angemessen festgesetzt. Die Rüge der Willkür bei der Feststellung der wirtschaftlichen Berechtigung von beschlagnahmten Geldern (Art. 97 Abs. 1 BGG) wurde abgewiesen, da die Vorinstanz die widersprüchlichen Aussagen des Beschwerdeführers zu den Konten seiner Schwiegermutter vertretbar würdigte. Die Beschlagnahme zwecks Sicherung der Ersatzforderung (Art. 71 Abs. 3 StGB) wurde bestätigt. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Art. 64 BGG) wurde gutgeheissen.
Regeste
Art. 110 Abs. 3 StGB; Begriff des Beamten. Entscheidend für die Beamtenstellung ist, ob die übertragene Funktion amtlicher Natur ist, das heisst, ob sie zur Erfüllung einer dem Gemeinwesen zustehenden öffentlichrechtlichen Aufgabe übertragen wurde (E. 1.3). Die Versicherungskasse für das Staatspersonal (BVK) war eine unselbständige Anstalt des kantonalen öffentlichen Rechts im Kanton Zürich. Sie nahm als Versicherungskasse für die Angestellten des Kantons im Bereich der beruflichen Vorsorge eine öffentliche Aufgabe wahr. Der Chef der Vermögensverwaltung des Kantons Zürich respektive der Chef der Abteilung Vermögensverwaltung der BVK übte Funktionen im Dienst der Öffentlichkeit aus und ist deshalb Beamter im Sinne von Art. 110 Abs. 3 StGB (E. 1.4). Regeste Art. 110 al. 3 CP; notion de fonctionnaire. Le critère déterminant pour revêtir la qualité de fonctionnaire réside dans la nature officielle de la fonction confiée, à savoir l'accomplissement de tâches de droit public incombant au service public (consid. 1.3). Dans le canton de Zurich, la "Versicherungskasse für das Staatspersonal (BVK)" était un établissement dépendant de droit public cantonal. En tant que caisse d'assurance pour les employés du canton en matière de prévoyance professionnelle, elle accomplissait une tâche publique. Le chef de l'administration financière du canton de Zurich, respectivement le chef du département de gestion du patrimoine de la BVK, exerçait des fonctions dans le service public; en conséquence, il revêt la qualité de fonctionnaire au sens de l'art. 110 al. 3 CP (consid. 1.4). Regesto Art. 110 cpv. 3 CP; nozione di funzionari. Il criterio decisivo per riconoscere la qualità di funzionario è la natura pubblica della funzione esercitata, ovvero l'adempimento di un compito di diritto pubblico di pertinenza dell'ente pubblico (consid. 1.3). Nel Cantone Zurigo la Cassa di assicurazione del personale dello Stato era un istituto non autonomo di diritto pubblico cantonale. Quale cassa di assicurazione per i dipendenti del Cantone nell'ambito della previdenza professionale, essa adempiva un compito pubblico. Il capo dell'amministrazione del patrimonio del Cantone Zurigo rispettivamente il capo del servizio di gestione patrimoniale di suddetta cassa esercitava funzioni al servizio della collettività e ha pertanto veste di funzionario ai sensi dell'art. 110 cpv. 3 CP (consid. 1.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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