Teilliquidation der Pensionskasse: Legitimation des Arbeitgebers und Rechtmässigkeit der Kürzung des Rentendeckungskapitals bei Unterdeckung (Art. 53d Abs. 6 BVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 140 V 22 · ATF 140 V 22 · DTF 140 V 22
- Datum
- 23.12.2013
- Geschäftsnummer
- BGE 140 V 22
- Ausgang
- Teilweise gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 53b BVG Art. 53d BVG Art. 53e BVG Art. 71 BVG Art. 86b BVG Art. 48 BVV Art. 331 OR Art. 48 VwVG
Zusammenfassung
Im Streit um die Teilliquidation einer in Liquidation befindlichen Pensionskasse fochten zwei ausgetretene Arbeitgeberfirmen (X. AG und Y. AG) sowie ihre Versicherten die Anwendung des Teilliquidationsreglements 2005 und den daraus resultierenden Verteilungsplan an. Die Firmen argumentierten, sie seien durch die Aufsichtsbehörde nicht ordnungsgemäss informiert worden und das Reglement sei ihnen gegenüber nicht verbindlich. Zudem stritten sie über die Berechnung des zu übertragenden Kapitals, insbesondere ob ein versicherungstechnischer Fehlbetrag anteilmässig vom Deckungskapital der austretenden Rentenbezüger abgezogen werden dürfe, und forderten die Auflösung bestimmter Rückstellungen sowie Wertberichtigungen auf Hypothekardarlehen. Die Pensionskasse ihrerseits beantragte die Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, soweit dieser zugunsten der Arbeitgeber ausgefallen war.
Das Bundesgericht hiess die Beschwerden der Pensionskasse teilweise gut und wies die Beschwerden der Arbeitgeberfirmen ab. Es bestätigte zunächst die Beschwerdebefugnis der Arbeitgeberfirmen im Verfahren vor der Aufsichtsbehörde. Zwar haben Arbeitgeber keinen eigenen Anspruch auf Vorsorgeleistungen, jedoch besteht ein schutzwürdiges Interesse daran, dass die Rechtsfolgen der Kündigung des Anschlussvertrags korrekt abgewickelt werden, was sich auch aus der Auskunftspflicht nach Art. 331 Abs. 4 OR ergibt (E. 4.2). Bezüglich der Anwendbarkeit des Teilliquidationsreglements stellte das Gericht fest, dass die Aufsichtsbehörde die Genehmigungsverfügung nicht zwingend den Destinatären zustellen muss; die konstitutive Wirkung tritt mit der Genehmigung ein. Eine allfällige Verletzung der Informationspflicht der Vorsorgeeinrichtung nach Art. 86b Abs. 1 lit. a BVG führt nicht automatisch zur Unverbindlichkeit des Reglements, sondern ist im Rahmen des Vertrauensschutzes zu prüfen. Da die Arbeitgeberfirmen den Inhalt des Reglements kannten und es unwahrscheinlich ist, dass die Versicherten bei unmittelbarer Information anders gehandelt hätten, wurde die Einrede verworfen (E. 5.4). Im Kernpunkt der Streitsache urteilte das Gericht, dass die Reglementsbestimmung, welche die anteilmässige Kürzung des Deckungskapitals der austretenden Rentenbezüger bei einem versicherungstechnischen Fehlbetrag vorsieht, rechtmässig ist. Dies dient dem Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art. 53d Abs. 1 BVG, da eine volle Mitgabe des Deckungskapitals die verbleibenden Aktiven unzumutbar belastet hätte (E. 6.5). Hinsichtlich der Vermögensbewertung bestätigte das Gericht, dass Hypothekardarlehen zum Marktwert am Bilanzstichtag zu bewerten sind (Art. 71 Abs. 1 BVG, Art. 48 BVV 2), weshalb die vorgenommenen Wertberichtigungen zulässig waren (E. 7.3.4). Auf die Anträge der Arbeitgeberfirmen bezüglich der "nicht-technischen Rückstellungen" und der gesicherten Anlagen trat das Gericht mangels hinreichender Begründung (globale Verweisung auf frühere Eingaben) nicht ein (E. 7.1).
Regeste
a Art. 53d Abs. 6 BVG; Verfahren bei Teilliquidation. Auch der Arbeitgeber ist legitimiert, die Voraussetzungen, das Verfahren und den Verteilungsplan einer Teilliquidation der Vorsorgeeinrichtung bei der zuständigen Aufsichtsbehörde überprüfen und entscheiden zu lassen (E. 4.2). Regeste b Art. 53b Abs. 2 und Art. 86b Abs. 1 lit. a BVG; Information der Destinatäre. Die Aufsichtsbehörde ist nicht gehalten, die Verfügung betreffend die Genehmigung des Teilliquidationsreglements einer Vorsorgeeinrichtung auch deren Destinatären zuzustellen (E. 5.4.1). Indes fällt die Verabschiedung eines Teilliquidationsreglements unter die Informationspflicht der Vorsorgeeinrichtung gemäss Art. 86b Abs. 1 lit. a BVG (E. 5.4.4). Regeste c Art. 53b Abs. 1 und Art. 53d Abs. 6 BVG; Teilliquidationsreglement, Inzidenzkontrolle. Eine Reglementsbestimmung, wonach bei der Teilliquidation einer Gemeinschaftseinrichtung ein versicherungstechnischer Fehlbetrag anteilmässig beim Deckungskapital jedes austretenden Rentenbezügers in Abzug gebracht wird, ist rechtmässig (E. 6). Regeste d Art. 71 Abs. 1 BVG und Art. 48 BVV 2; Vermögensbewertung. Die Bewertung der Aktiven einer Vorsorgeeinrichtung erfolgt zu den Marktwerten am Bilanzstichtag, weshalb die Vornahme von Wertberichtigungen auf Hypothekardarlehen, die Dritten gewährt wurden, angezeigt sein kann (E. 7.3). Regeste a Art. 53d al. 6 LPP; procédure en cas de liquidation partielle. L'employeur également est légitimé à faire vérifier les conditions, la procédure et le plan de répartition d'une liquidation partielle de l'institution de prévoyance par l'autorité de surveillance compétente et à demander à cette autorité de rendre une décision (consid. 4.2). Regeste b Art. 53b al. 2 et art. 86b al. 1 let. a LPP; information des destinataires. L'autorité de surveillance n'est pas tenue de communiquer la décision portant sur l'approbation du règlement de liquidation partielle d'une institution de prévoyance aussi aux destinataires de celle-ci (consid. 5.4.1). L'adoption d'un règlement de liquidation partielle tombe cependant sous le coup du devoir d'information de l'institution de prévoyance prévu par l'art. 86b al. 1 let a LPP (consid. 5.4.4). Regeste c Art. 53b al. 1 et art. 53d al. 6 LPP; règlement de liquidation partielle, contrôle incident. Est conforme au droit une disposition réglementaire selon laquelle, en cas de liquidation partielle d'une institution commune, un découvert d'assurance technique est porté en déduction proportionnellement au capital de couverture de chaque bénéficiaire de rente sortant (consid. 6). Regeste d Art. 71 al. 1 LPP et art. 48 OPP 2; évaluation de la fortune. L'évaluation des actifs d'une institution de prévoyance s'effectue à la valeur marchande à la date du bilan si bien que l'exécution de réévaluations de prêts hypothécaires, qui étaient accordés à des tiers, peut être indiquée (consid. 7.3). Regesto a Art. 53d cpv. 6 LPP; procedura in caso di liquidazione parziale. Anche il datore di lavoro è legittimato a fare verificare e decidere dall'autorità di vigilanza competente le condizioni, la procedura e il piano di ripartizione di una liquidazione parziale di un istituto di previdenza (consid. 4.2). Regesto b Art. 53b cpv. 2 e art. 86b cpv. 1 lett. a LPP; informazione dei destinatari. L'autorità di vigilanza non è tenuta a notificare la decisione concernente l'approvazione del regolamento di liquidazione parziale di un istituto di previdenza anche ai suoi destinatari (consid. 5.4.1). Tuttavia, l'adozione di un regolamento di liquidazione parziale soggiace all'obbligo d'informazione dell'istituto di previdenza ai sensi dell'art. 86b cpv. 1 lett. a LPP (consid. 5.4.4). Regesto c Art. 53b cpv. 1 e art. 53d cpv. 6 LPP; regolamento di liquidazione parziale; controllo incidentale. È conforme al diritto una disposizione regolamentare che, in caso di liquidazione parziale di un istituto comune, prevede che un disavanzo tecnico venga scalato proporzionalmente dal capitale di copertura di ogni beneficiario di rendita uscente (consid. 6). Regesto d Art. 71 cpv. 1 LPP e art. 48 OPP 2; valutazione del patrimonio. La valutazione degli attivi di un istituto di previdenza avviene al valore di mercato del giorno di chiusura del bilancio, per cui possono essere indicate delle rivalutazioni sui prestiti ipotecari concessi a terzi (consid. 7.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
Verwandte Entscheide
- Sicherheitsfonds verweigert Sicherstellung von Altersleistungen für ehemalige Verwaltungsräte wegen behaupteten Rechtsmissbrauchs: Rückweisung zur vertieften Missbrauchsabklärung (Art. 56 Abs. 5 BVG)
- Versicherte erhält Invaliditätsgrad-Erhöhung von 50 % auf 100 %: Zuständigkeit für Leistungserhöhung wechselt mit Wechsel der Vorsorgeeinrichtung (Art. 53e Abs. 4 BVG)
- Stiftung klagt gegen Bund wegen mangelhafter Aufsicht: Verwirkung des Staatshaftungsanspruchs verneint, da deliktisches Wissen der Stiftungsräte nicht zugerechnet wird (Art. 20 Abs. 1 VG)
- Arbeitgeber versichert neue Mitarbeiter nicht bei angeschlossener Pensionskasse und macht sie zur reinen Rentnerkasse: Ausfinanzierungspflicht bleibt bestehen (Art. 65d BVG)