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Justizze. Art. 41c GSchV

Bundesgericht

Ausnahmebewilligung im Gewässerraum: Peripheres Ufer mit 100m Überbauung ist kein dicht überbautes Gebiet (Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 II 428 · ATF 140 II 428 · DTF 140 II 428
Datum
12.06.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 II 428
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 41c GSchV

Zusammenfassung

Ein Bauherr beantragte die Erstellung zweier Mehrfamilienhäuser und einer Einstellhalle auf Grundstücken in der Wohn- und Gewerbezone der Gemeinde Dagmersellen, unmittelbar an der Wigger. Die geplante Bebauung lag teilweise im übergangsrechtlichen Gewässerraum, weshalb eine Ausnahmebewilligung erforderlich war. Eine Nachbarin erhob Einsprache gegen das Bauprojekt und focht die kantonalen Bewilligungen bis vor Bundesgericht an, wobei sie insbesondere bestritt, dass es sich beim Standort um ein 'dicht überbautes Gebiet' handle, das eine solche Ausnahme rechtfertigen könnte.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist das Baugesuch ab. Es verneint die Voraussetzung für eine Ausnahmebewilligung nach Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV, da das betreffende Gebiet nicht als 'dicht überbaut' qualifiziert werden kann.

Der Begriff des dicht überbauten Gebiets ist restriktiv auszulegen und setzt voraus, dass der Planungsperimeter genügend gross ist und das Land entlang der Gewässer umfasst. Im konkreten Fall liegt das Baugrundstück in einem peripher gelegenen Gebiet der Gemeinde Dagmersellen, getrennt vom Gemeindezentrum durch einen Grüngürtel. Das östliche Ufer der Wigger ist lediglich auf einer Länge von rund hundert Metern auf vier Parzellen überbaut. Dies genügt nicht, um von einer dichten Überbauung im Sinne der Verordnung zu sprechen, auch wenn die Wigger im fraglichen Abschnitt verbaut ist und Aufwertungsmöglichkeiten aufgrund von Brücken beschränkt sind. Solche Umstände können zwar bei der Interessenabwägung berücksichtigt werden, begründen aber für sich allein nicht die Eigenschaft als dicht überbautes Gebiet.

Die Verweigerung der Ausnahmebewilligung stellt keine unzumutbare Einschränkung der Eigentumsfreiheit dar, da die bestehenden Bauten Bestandesschutz nach Art. 41c Abs. 2 GSchV geniessen und die noch nicht überbaute Parzelle Nr. e ausserhalb des übergangsrechtlichen Gewässerraums liegt.

Regeste

Ausnahmebewilligung für die Erstellung einer zonenkonformen, aber nicht standortgebundenen Baute im Gewässerraum (Art. 36a GSchG; Art. 41a und 41c GSchV). Verpflichtung der Kantone zur Ausscheidung angemessener Gewässerräume und zu ihrer extensiven Nutzung; Übergangsbestimmungen (E. 2). Begriff des dicht überbauten Gebiets i.S. von Art. 41a Abs. 4, Art. 41b Abs. 3 und Art. 41c Abs. 1 Satz 2 GSchV: Materialien, Literatur, Merkblatt (E. 3). Der Planungs- bzw. Betrachtungsperimeter muss genügend gross sein und vor allem das Land entlang der Gewässer umfassen. Dieses muss bereits dicht (d.h. mehr als weitgehend) überbaut sein und es muss ein raumplanerisches Interesse an der verdichteten Überbauung des Gewässerraums bestehen (E. 7). Vorliegend handelt es sich um ein peripher gelegenes Gebiet; das Ufer ist nur auf einer Länge von rund 100 m überbaut. Dies genügt nicht, um es als "dicht überbaut" zu qualifizieren, auch nicht unter Berücksichtigung der bestehenden Verbauung des Gewässers und der beschränkten Aufwertungsmöglichkeiten (E. 8). Regeste Dérogation pour la construction, dans l'espace réservé au cours d'eau, d'un bâtiment conforme à l'affectation de la zone mais dont l'emplacement n'est pas imposé par sa destination (art. 36a LEaux; art. 41a et 41c OEaux). Obligation des cantons d'aménager de manière appropriée des espaces réservés aux eaux et de veiller à leur exploitation de manière extensive; dispositions transitoires (consid. 2). Notion de zones densément bâties au sens des art. 41a al. 4, 41b al. 3 et 41c al. 1 deuxième phrase OEaux: travaux préparatoires, doctrine, fiche pratique (consid. 3). La zone de planification (ou le périmètre de référence) doit être suffisamment grande et comprendre en premier lieu les terrains qui jouxtent le cours d'eau. Elle doit déjà être densément (et non seulement largement) bâtie, et il doit exister un intérêt, du point de vue de l'aménagement, à la densification de l'espace réservé au cours d'eau (consid. 7). En l'espèce, il s'agit d'un secteur périphérique; la rive n'est construite que sur une longueur d'environ 100 m. Cela ne suffit pas pour la considérer comme "densément bâtie", même compte tenu de l'endiguement existant et des faibles possibilités de mise en valeur (consid. 8). Regesto Deroga per la costruzione di un immobile conforme alla destinazione della zona, ma non ad ubicazione vincolata, nello spazio riservato alle acque (art. 36a LPAc; art. 41a e 41c OPAc). Obbligo dei Cantoni di determinare spazi adeguati riservati alle acque e di provvedere al loro sfruttamento in modo estensivo; norme transitorie (consid. 2). Nozione di zona densamente edificata ai sensi degli art. 41a cpv. 4, 41b cpv. 3 e 41c cpv. 1 secondo periodo OPAc: lavori preparatori, dottrina, prontuario (consid. 3). Il perimetro pianificatorio rispettivamente di osservazione dev'essere sufficientemente ampio e includere in particolare lo spazio lungo i corsi d'acqua. Questo dev'essere già densamente (vale a dire più che ampiamente) edificato e deve sussistere un interesse pianificatorio all'edificazione densificata nello spazio riservato ai corsi d'acqua (consid. 7). Nella fattispecie si tratta di un'area sita in un zona periferica: la riva è edificata soltanto su una lunghezza di circa 100 m. Ciò non è sufficiente per qualificarla come "densamente edificata", neppure in considerazione dell'arginatura esistente e delle limitate possibilità di valorizzazione (consid. 8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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