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Justizze. Art. 41 OR

Bundesgericht

Nachbarin hütet kurzfristig Kinder als Gefälligkeit: Haftung nur bei Verletzung eigenüblicher Sorgfalt nach Art. 41 OR, Klage abgewiesen

BGE / ATF / DTF
BGE 137 III 539 · ATF 137 III 539 · DTF 137 III 539
Datum
20.10.2011
Geschäftsnummer
BGE 137 III 539
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 41 OR Art. 99 OR

Zusammenfassung

Die Eltern eines fast vierjährigen Mädchens verlangen von einer Nachbarin Genugtuung, nachdem das Kind während einer kurzfristigen Beaufsichtigung durch die Nachbarin in einen Fluss fiel und schwer verletzt wurde. Die Eltern machten geltend, es liege ein Auftragsvertrag vor oder zumindest eine vertragliche Haftung, und rügten eine ungenügende Überwachung des Kindes sowie eine willkürliche Beweiswürdigung durch die Vorinstanzen. Die Vorinstanz hatte die Vereinbarung als unverbindliche Gefälligkeitshandlung qualifiziert und die Klage abgewiesen, da keine sorgfaltswidrige Handlung nachgewiesen sei.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Qualifikation der Kinderbetreuung als Gefälligkeitshandlung ohne Rechtsbindungswillen. Da kein Vertrag zustande kam, richtete sich die Haftung ausschliesslich nach den Grundsätzen der unerlaubten Handlung gemäss Art. 41 OR. Für Gefälligkeiten gilt dabei ein reduzierter Sorgfaltsmassstab; der Gefällige schuldet lediglich diejenige Sorgfalt, die er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt (diligentia quam in suis), gestützt auf Art. 99 Abs. 2 OR.

Im konkreten Fall spielten drei Kinder im Alter von vier bis fünf Jahren im Garten der Beklagten und deren unmittelbarer Umgebung, während diese Haushaltsarbeiten verrichtete. Das Gericht hielt es für lebensfremd, anzunehmen, ein Elternteil müsse in einer solchen Situation alle fünf bis zehn Minuten bewusst nach den Kindern sehen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Aufmerksamkeit zeitweise durch Hausarbeit gebunden wird und Kontrollen in unregelmässigen Abständen erfolgen. Da die Beschwerdeführer nicht beweisen konnten, dass die Beklagte beim Wechsel von der Waschküche ins Haus ihre Aufsichtspflicht verletzte oder während der fraglichen Zeitspanne konkrete Anhaltspunkte für eine Gefahr bestanden, war die Kausalität einer allfälligen Pflichtverletzung nicht dargetan. Die Vorinstanz hatte die Beweislast für die Sorgfaltswidrigkeit zu Recht den klagenden Eltern auferlegt.

Regeste

Gefälligkeitshandlungen ohne Rechtsbindungswillen; Haftung des Gefälligen. Abgrenzung zum Vertrag (E. 4.1); Kinderhüten unter Nachbarinnen für eine beschränkte Dauer als Gefälligkeitshandlung (E. 4.2 und 4.3). Der Gefällige haftet nach den Grundsätzen über die unerlaubte Handlung (E. 5.1); dabei gilt grundsätzlich der eingeschränkte Sorgfaltsmassstab der eigenüblichen Sorgfalt (diligentia quam in suis) (E. 5.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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