Justizze.

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Justizze. Art. 7 FZA

Bundesgericht

Türkischer Vater beantragt Nachzug der Kinder zur deutschen Mutter: Wiedererwägung wegen FZA-Anwendung geboten, Sache zur Prüfung zurückgewiesen (Art. 7 lit. d FZA)

BGE / ATF / DTF
BGE 136 II 177 · ATF 136 II 177 · DTF 136 II 177
Datum
02.02.2010
Geschäftsnummer
2C_490/2009
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 43 AuG Art. 126 AuG Art. 29 BV Art. 3 FZA Art. 7 FZA Art. 10 FZA

Zusammenfassung

Ein türkischer Staatsbürger mit Niederlassungsbewilligung in der Schweiz ist seit 2002 mit einer deutschen Staatsangehörigen verheiratet. Er verfügt über das alleinige Sorgerecht für zwei minderjährige Kinder aus einer früheren Ehe, die in der Türkei leben. Das kantonale Migrationsamt lehnte den Familiennachzug der Kinder ab und trat auch auf ein späteres Wiedererwägungsgesuch nicht ein, da die Betreuung durch die Kindesmutter und Grosseltern in der Heimat gewährleistet sei. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass aufgrund neuer Rechtslage und des Freizügigkeitsabkommens eine andere Beurteilung erforderlich sei.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut, hebt das Urteil des Verwaltungsgerichts auf und weist die Sache zur materiellen Prüfung an das Departement des Innern des Kantons Solothurn zurück.

Die Behörde hätte auf das Wiedererwägungsgesuch eintreten müssen, da der Beschwerdeführer substantiiert dargelegt hat, dass die neue Rechtslage unter dem Ausländergesetz und insbesondere das Freizügigkeitsabkommen (FZA) zu einer anderen Beurteilung führen könnten. Gemäss Art. 29 BV besteht bei wesentlicher Änderung der Rechtslage ein Anspruch auf Neubefassung. Das Departement durfte das Gesuch nicht pauschal abweisen, ohne die Anwendbarkeit des FZA geprüft zu haben.

Der Beschwerdeführer kann sich als Ehegatte einer deutschen Arbeitnehmerin auf Art. 7 lit. d FZA berufen. Nach der neuen Rechtsprechung des EuGH (Metock) und des Bundesgerichts setzt der Familiennachzug keinen vorherigen rechtmässigen Aufenthalt der Familienangehörigen in einem Vertragsstaat voraus. Zudem umfasst der Begriff der Familienangehörigen nach Art. 3 Abs. 2 lit. a Anhang I FZA auch Stiefkinder, sofern ein intaktes tatsächliches Familienleben vorbestanden hat und der EU-Bürger dem Nachzug zustimmt. Diese Kriterien sind nunmehr materiell zu prüfen.

Hinsichtlich der kantonalen Kosten- und Entschädigungsfrage wird die Sache ebenfalls an das Verwaltungsgericht zurückgewiesen. Dem Beschwerdeführer wird eine Parteientschädigung von CHF 2'000 zugesprochen.

Regeste

Art. 8 EMRK; Art. 29 BV; Art. 83 lit. c Ziff. 2 BGG; Art. 7 lit. d FZA; Art. 2 und 3 Anhang I FZA; Art. 2 Abs. 2, 43, 47 und Art. 51 AuG; Wiedererwägungsgesuch für Familiennachzug gemäss Freizügigkeitsabkommen. Für das Eintreten auf die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten genügt ein vertretbar begründeter potentieller Bewilligungsanspruch; ob dessen Voraussetzungen im Einzelnen gegeben sind, ist Frage der materiellen Beurteilung (E. 1). Voraussetzungen, unter denen auf ein ausländerrechtliches Wiedererwägungsgesuch von Bundesrechts wegen eingetreten werden muss (E. 2). Beim Familiennachzug von Stiefkindern im Rahmen des Freizügigkeitsabkommens zu prüfende Aspekte (E. 3). Regeste Art. 8 CEDH; art. 29 Cst.; art. 83 let. c ch. 2 LTF; art. 7 let. d ALCP; art. 2 et 3 Annexe I ALCP; art. 2 al. 2, 43, 47 et 51 LEtr; demande de reconsidération en vue d'un regroupement familial selon l'Accord sur la libre circulation. Pour que le recours en matière de droit public soit recevable, il suffit d'un droit potentiel à l'autorisation, motivé de manière soutenable; le point de savoir si les conditions en sont réunies dans le cas particulier relève de l'examen au fond (consid. 1). Conditions auxquelles le droit fédéral impose d'entrer en matière sur une demande de reconsidération en droit des étrangers (consid. 2). Aspects à examiner s'agissant du regroupement familial en faveur des enfants du conjoint, dans le cadre de l'Accord sur la libre circulation (consid. 3). Regesto Art. 8 CEDU; art. 29 Cost.; art. 83 lett. c n. 2 LTF; art. 7 lett. d ALC; art. 2 e 3 Allegato I ALC; art. 2 cpv. 2, 43, 47 e 51 LStr; domanda di riconsiderazione per un ricongiungimento familiare in base all'Accordo sulla libera circolazione. Affinché il ricorso in materia di diritto pubblico sia ammissibile è sufficiente un probabile diritto all'autorizzazione, motivato in modo sostenibile; sapere se i requisiti siano adempiuti nel caso specifico è un problema di merito (consid. 1). Condizioni alle quali il diritto federale impone di entrare nel merito di una domanda di riconsiderazione in materia di diritto degli stranieri (consid. 2). Aspetti da esaminare nel caso di un ricongiungimento familiare dei figli del coniuge nell'ambito dell'Accordo sulla libera circolazione (consid. 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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