Entschädigung für kommunale Liegenschaft mit Kindergarten: Keine bessere Nutzung möglich, kein schwerer Schaden durch Fluglärm (Art. 20 Abs. 1 EntG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 134 II 176 · ATF 134 II 176 · DTF 134 II 176
- Datum
- 28.04.2008
- Geschäftsnummer
- BGE 134 II 176
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die Politische Gemeinde Opfikon-Glattbrugg beschwerte sich gegen die Entschädigungsfestsetzung der Eidgenössischen Schätzungskommission für eine kommunale Liegenschaft, die als Kindergarten und für Sozialwohnungen genutzt wird. Die Gemeinde machte geltend, dass die Zugehörigkeit zum Verwaltungsvermögen keinen Ausschlussgrund für einen enteignungsrechtlichen Schaden darstelle und forderte eine Neuschätzung durch die Eidgenössische Oberschätzungskommission unter Berufung auf eine hypothetisch bessere gewerbliche Nutzung des Grundstücks ohne Fluglärmbelastung.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und lehnte insbesondere das Begehren um Neuschätzung durch die Eidgenössische Oberschätzungskommission ab. Gemäss Art. 80 und Art. 82 EntG fungiert die Oberschätzungskommission lediglich als beratendes Fachgremium für das Bundesgericht und führt keine eigenständigen Schätzverfahren durch.
Hinsichtlich der materiellen Entschädigungsfrage bestätigte das Gericht, dass die Zugehörigkeit einer Liegenschaft zum Verwaltungsvermögen gemäss Art. 7 Abs. 1 EntG grundsätzlich nicht ausschliesst, dass ein enteignungsrechtlicher Schaden vorliegen kann. Für die Annahme einer besseren Verwendungsmöglichkeit nach Art. 20 Abs. 1 EntG muss diese jedoch am massgebenden Stichtag bereits rechtlich und tatsächlich bestanden haben oder in nächster Zukunft eintreten müssen. Im konkreten Fall handelte es sich bei der Nutzung als Kindergarten und Sozialwohnungen seit Jahren um eine dauerhafte Bewirtschaftung und nicht um eine Zufallsnutzung. Eine Umwidmung ins Finanzvermögen hätte erhebliche bauliche Massnahmen, Umbauten oder gar einen Abbruch sowie weitere Investitionen erfordert, was am Stichtag nicht als konkrete Aussicht bestand. Da die tatsächliche Nutzung als Kindergarten und Sozialwohnraum durch den Fluglärm nicht beeinträchtigt wurde, liegt kein schwerer Schaden im Sinne der Rechtsprechung vor.
Regeste
Enteignung nachbarrechtlicher Abwehransprüche infolge Fluglärms sowie von Abwehrrechten gegen den direkten Überflug; Bemessung der Entschädigung für eine kommunale Liegenschaft mit Kindergarten und Sozialwohnungen. Ob eine Liegenschaft zum Verwaltungs- oder Finanzvermögen gehört, ist nicht ausschlaggebend bei der grundsätzlichen Beurteilung, ob überhaupt ein Schaden vorliegen kann (E. 11.2). Voraussetzungen für die Geltendmachung einer besseren Verwendung des Grundstücks nach Art. 20 Abs. 1 EntG (Bestätigung der Rechtsprechung). Am Stichtag konnte nicht von einer Zufallsnutzung die Rede sein; es handelte sich um eine langjährige entsprechende Bewirtschaftung. Sowohl in rechtlicher als auch in tatsächlicher Hinsicht hätten mehrere Schritte unternommen und zahlreiche Aufwendungen getätigt werden müssen, um das Grundstück besser zu nutzen. Setzt eine bessere Nutzung eines Grundstücks Aufwendungen und Investitionen voraus, können diese bei der Wertbestimmung nicht einfach übergangen werden (E. 11.4). In tatsächlicher Hinsicht wurde die Nutzung der Liegenschaft als Kindergarten und Sozialwohnraum am Schätzungstag durch den Fluglärm nicht beeinträchtigt, weshalb kein schwerer Schaden im Sinne der Rechtsprechung vorliegt (E. 11.5). Regeste Expropriation de droits de voisinage en raison du bruit du trafic aérien et expropriation du droit de s'opposer au survol direct; calcul de l'indemnité pour un bien-fonds communal avec un jardin d'enfants et des logements sociaux. L'appartenance du bien-fonds au patrimoine administratif ou financier n'est pas déterminante pour résoudre la question de principe de l'existence d'un dommage (consid. 11.2). Conditions pour faire valoir une possibilité de mieux utiliser l'immeuble selon l'art. 20 al. 1 LEx (confirmation de la jurisprudence). A la date déterminante, il ne s'agissait pas d'un usage occasionnel mais d'une exploitation sur de nombreuses années. Une meilleure utilisation de l'immeuble aurait nécessité plusieurs démarches, tant juridiques que matérielles, ainsi que de nombreuses dépenses. Lorsqu'une meilleure utilisation de l'immeuble suppose des dépenses et des investissements, on ne saurait en faire simplement abstraction lors de l'estimation (consid. 11.4). Dans les faits, l'utilisation de l'immeuble, pour un jardin d'enfants et des logements sociaux, n'était pas affectée par le bruit du trafic aérien à la date déterminante, de sorte qu'il n'y a pas de dommage grave au sens de la jurisprudence (consid. 11.5). Regesto Espropriazione dei diritti di vicinato a causa del rumore del traffico aereo e del diritto di difesa contro il sorvolo diretto; calcolo dell'indennità per un fondo comunale con un asilo infantile e degli appartamenti sociali. L'appartenenza del fondo al patrimonio amministrativo o a quello finanziario non è determinante per risolvere la questione di principio dell'esistenza del danno (consid. 11.2). Presupposti per fare valere la possibilità di un miglior uso del fondo secondo l'art. 20 cpv. 1 LEspr (conferma della giurisprudenza). Alla data determinante non si trattava di un uso occasionale, ma di una gestione costante e duratura. Un miglior uso del fondo avrebbe richiesto sia sotto l'aspetto giuridico sia sotto quello di fatto diversi passi e spese consistenti. Se un miglior uso del fondo presuppone spese e investimenti, essi non possono essere semplicemente omessi nell'ambito della stima (consid. 11.4). Di fatto, l'utilizzazione dell'immobile quale asilo infantile e alloggio sociale non è stata pregiudicata dal rumore del traffico aereo al momento determinante, sicché non è realizzato un danno grave ai sensi della giurisprudenza (consid. 11.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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