Justizze.

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Justizze. Art. 3a ELG

Bundesgericht

Opferhilfeentschädigung: Anrechnung Halbwaisenrente und Einbezug mütterlicher Wirtschaftsverhältnisse bei Minderjährigen, Schadenszins geschuldet (Art. 14 OHG, Art. 3a ELG)

BGE / ATF / DTF
BGE 131 II 217 · ATF 131 II 217 · DTF 131 II 217
Datum
16.03.2005
Geschäftsnummer
BGE 131 II 217
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 124 BV Art. 3a ELG Art. 3b ELG Art. 3c ELG Art. 12 OHG Art. 13 OHG Art. 14 OHG Art. 2 OHV Art. 3 OHV Art. 4 OHV Art. 41 OR Art. 73 OR

Zusammenfassung

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement führt Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen einen Entscheid des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich betreffend die Opferhilfeentschädigung für den minderjährigen Sohn eines ermordeten Vaters. Die kantonale Opferhilfestelle hatte ursprünglich nur Genugtuung zugesprochen, aber die Entschädigung abgewiesen. Das Sozialversicherungsgericht verpflichtete den Kanton Zürich zur Zahlung einer Entschädigung von Fr. 19'440.- zuzüglich 5 % Zins seit dem Todestag des Vaters. Der Beschwerdeführer rügt die Nichtanrechnung der Halbwaisenrente beim Nettoschaden, die fehlende Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Mutter sowie die Verzinsungspflicht.

Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde teilweise gut, hebt das Urteil des Sozialversicherungsgerichts auf und weist die Sache zur neuen Beurteilung zurück.

Hinsichtlich der Anrechnung der Halbwaisenrente stellt das Gericht fest, dass diese Leistung entgegen dem klaren Wortlaut von Art. 14 Abs. 1 Satz 2 OHG vom Bruttoschaden abzuziehen ist, obwohl sie bereits bei der Berechnung der anrechenbaren Einnahmen nach Art. 3c Abs. 1 lit. d ELG berücksichtigt wurde. Eine wörtliche Auslegung würde zu einer Überentschädigung führen und dem Subsidiaritätsprinzip der Opferhilfe gemäss Art. 124 BV widersprechen, wonach staatliche Hilfe erst nach Ausschöpfung anderer Systeme greift. Da zwei unterschiedliche Anspruchsvoraussetzungen geprüft werden müssen – die Bedürftigkeit und die Höhe des ungedeckten Schadens –, ist die Drittleistung zweimal zu berücksichtigen.

Für die Bemessung der Entschädigung des minderjährigen Opfers sind zudem die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mutter einzubeziehen. Obwohl das Opferhilfegesetz nicht ausdrücklich auf Art. 3a Abs. 4 ELG verweist, verlangt der Grundgedanke der Bedürftigkeitsprüfung die Zusammenrechnung der Einkommen und Ausgaben im gemeinsamen Haushalt. Andernfalls erhielten Kinder reicher Eltern regelmässig staatliche Entschädigungen, was dem Sinn der Opferhilfe widerspräche. Ferner hat die Vorinstanz den korrekten ELG-Wert von Fr. 9'060.- statt Fr. 8'545.- anzuwenden und den Vermögensfreibetrag von Fr. 15'000.- gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. c ELG tatsächlich in Abzug zu bringen.

Bezüglich des Schadenszinses bestätigt das Gericht die Verzinsungspflicht mit 5 % ab dem Todestag. Der Begriff des Schadens im Opferhilferecht entspricht jenem des Haftpflichtrechts gemäss Art. 41 OR. Zum vollen Schadenersatz nach Art. 13 Abs. 1 OHG gehört zwingend der Schadenszins, um das Opfer so zu stellen, als wäre es am Tag des Schadenseintritts befriedigt worden. Eine Ungleichbehandlung zwischen Opfern, die schnell entschädigt werden, und jenen, die lange warten müssen, ist nicht gerechtfertigt. Die Frage der Verzinsung von Genugtuung bleibt offen.

Regeste

Art. 124 BV, Art. 12 ff. OHG, Art. 2 ff. OHV, Art. 3a ff. ELG; Entschädigung nach dem Opferhilfegesetz, Anrechnung von Drittleistungen, Ermittlung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Opfers, Schadenszins. Entgegen dem Wortlaut des Opferhilfegesetzes sind Leistungen, die das Opfer als Schadenersatz erhalten hat, auch dann von der Entschädigung abzuziehen, wenn sie bereits bei der Berechnung seiner anrechenbaren Einnahmen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung berücksichtigt worden sind (E. 2). Bei einem minderjährigen Opfer, das bei der Mutter lebt, sind für die Frage, wieweit es Anspruch auf eine opferhilferechtliche Entschädigung hat, die wirtschaftlichen Verhältnisse der Mutter mit zu berücksichtigen (E. 3). Die opferhilferechtliche Entschädigung deckt auch den Schadenszins (E. 4). Regeste Art. 124 Cst., art. 12 ss LAVI, art. 2 ss OAVI, art. 3a ss LPC; indemnisation selon la loi sur l'aide aux victimes d'infractions, prise en compte de prestations de tiers, détermination de la situation économique de la victime, intérêt compensatoire. Contrairement au texte de la loi sur l'aide aux victimes d'infractions, les prestations que la victime a reçues à titre de réparation du dommage matériel doivent aussi être déduites du montant de l'indemnité lorsqu'elles ont déjà été prises en considération dans le calcul de ses revenus déterminants selon la loi fédérale sur les prestations complémentaires à l'assurance-vieillesse, survivants et invalidité (consid. 2). La situation économique de la mère doit être prise en compte pour déterminer dans quelle mesure la victime mineure qui vit avec celle-là a droit à une indemnité au titre de la loi sur l'aide aux victimes d'infractions (consid. 3). L'indemnité fondée sur la loi sur l'aide aux victimes d'infractions comprend également l'intérêt compensatoire (consid. 4). Regesto Art. 124 Cost., art. 12 segg. LAV, art. 2 segg. OAVI, art. 3a segg. LPC; indennizzo secondo la legge concernente l'aiuto alle vittime di reati, presa in considerazione di prestazioni di terzi, accertamento della situazione economica della vittima, interesse del danno. Contrariamente al tenore letterale della legge concernente l'aiuto alle vittime di reati, le prestazioni ricevute dalla vittima a titolo di risarcimento del danno materiale devono essere dedotte dall'indennità anche quando siano già state considerate nel calcolo dei redditi determinanti secondo la legge federale sulle prestazioni complementari all'assicurazione per la vecchiaia, i superstiti e l'invalidità (consid. 2). Per determinare in quale misura una vittima minorenne che vive con la madre abbia diritto a un'indennità a titolo di aiuto alle vittime di reati occorre tenere conto anche della situazione economica della genitrice (consid. 3). L'indennità secondo la legge concernente l'aiuto alle vittime di reati comprende pure l'interesse del danno (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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