Ergänzungsleistung: Mietzinsaufteilung für rentenberechtigtes Kind in Vergleichsrechnung und Festlegung auf Viertel (Art. 3a Abs. 4, 6, Art. 16c ELG/ELV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 130 V 263 · ATF 130 V 263 · DTF 130 V 263
- Datum
- 05.04.2004
- Geschäftsnummer
- BGE 130 V 263
- Abteilung
- CH_BGE_007
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 3a ELG Art. 3b ELG Art. 5 ELG Art. 16c ELV Art. 276 ZGB
Zusammenfassung
Eine Mutter bezieht Ergänzungsleistungen zur IV und lebt getrennt von ihrem Ehemann zusammen mit ihrer minderjährigen Tochter, die eine Kinderrente der Invalidenversicherung sowie Unterhaltsbeiträge des Vaters erhält. Die Ausgleichskasse führte zur Berechnung der Ergänzungsleistung eine Vergleichsrechnung durch und zog dabei im Szenario ohne Einbezug des Kindes einen Anteil am Mietzins für die Tochter ab. Die Beschwerdeführerin bestreitet diese Mietzinsaufteilung gemäss Art. 16c ELV und rügt zudem die Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Tochter durch das kantonale Gericht.
Das Bundesgericht weist die Beschwerde ab und bestätigt die Anwendung von Art. 16c Abs. 1 ELV auch in der Vergleichsrechnung nach Art. 3a Abs. 6 ELG. Bei der Prüfung, ob ein rentenberechtigtes Kind ausser Betracht fällt, sind die Positionen nach Massgabe der üblichen Regelung einzusetzen; würde der gesamte Mietzins ohne Aufteilung als anerkannte Ausgabe eingesetzt, entstünde eine unzulässige Sonderregelung. Daher war beim Bruttomietzins von Fr. 1'255.- monatlich ein Abzug für den Anteil der nicht in die Berechnung eingeschlossenen Tochter vorzunehmen.
Hinsichtlich der Höhe des Mietzinsanteils weicht das Gericht vom Grundsatz der gleichen Teile nach Art. 16c Abs. 2 ELV ab. Da die Mutter für ihre noch nicht 18-jährige Tochter gemäss Art. 276 ZGB unterhaltspflichtig ist und diese im gemeinsamen Haushalt lebt, wurde der Mietzinsanteil der Tochter auf einen Viertel festgelegt. Das kantonale Gericht hat jedoch zu Unrecht ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Tochter berücksichtigt, da nur tatsächlich vereinnahmte Einkünfte massgebend sind. Trotz dieses Fehlers bleibt der Entscheid im Ergebnis bestehen, da die konkrete Lebenssituation und die Unterhaltspflicht die Reduktion des Mietzinsanteils rechtfertigen.
Regeste
a Art. 3a Abs. 4 und 6, Art. 3b Abs. 1 lit. b, Art. 5 Abs. 1 lit. b ELG; Art. 16c Abs. 1 ELV: Einbezug der Einnahmen und Ausgaben der Kinder in die Ergänzungsleistungsberechnung. Ob ein Kind, das zu einer Rente berechtigt, bei der Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung des Anspruchstellers ausser Betracht fällt, ist auf Grund einer Vergleichsrechnung festzustellen, bei welcher die einzelnen Positionen nach Massgabe der üblichen Regelung einzusetzen sind, die bei Einbezug der Einnahmen und Ausgaben von Kindern einerseits und bei deren Ausserachtlassung andererseits gilt. Daher ist bei der Rechnung ohne Einbezug des Kindes ein Mietzinsanteil nach Art. 16c ELV zu berücksichtigen (Erw. 5.2). Regeste b Art. 16c Abs. 2 ELV: Grundsatz der Mietzinsaufteilung zu gleichen Teilen. In Anwendung der Rechtsprechung (BGE 105 V 273 Erw. 2; AHI 2001 S. 237) wird bei einer vom Ehemann getrennt lebenden EL-Ansprecherin, welche für die noch nicht 18 Jahre alte, im gemeinsamen Haushalt lebende Tochter unterhaltspflichtig ist, der Mietzinsanteil des Kindes auf Grund der konkreten Umstände auf einen Viertel festgelegt. Dem Grundsatze folgend, dass bei der EL-Anspruchsberechtigung nur die tatsächlich vereinnahmten Einkünfte und vorhandenen Vermögenswerte zu berücksichtigen sind, darf ein hypothetisches Erwerbseinkommen des Kindes nicht berücksichtigt werden (Erw. 5.3). Regeste a Art. 3a al. 4 et 6, art. 3b al. 1 let. b, art. 5 al. 1 let. b LPC; art. 16c al. 1 OPC-AVS/AI: Prise en compte des revenus et des dépenses des enfants dans le calcul des prestations complémentaires. Savoir si un enfant, donnant droit à une rente, n'est pas compris dans le calcul de la prestation complémentaire annuelle du requérant se détermine sur la base d'un calcul comparatif. Le premier calcul doit intégrer les revenus et les dépenses de l'enfant tandis que le second doit en faire abstraction, étant entendu que pour chacune de ces opérations, il y a lieu de prendre en considération les différents postes prévus par la réglementation usuelle. C'est pourquoi il faut tenir compte d'un partage du loyer selon l'art. 16c OPC-AVS/AI dans le calcul où il est fait abstraction de l'enfant (consid. 5.2). Regeste b Art. 16c al. 2 OPC-AVS/AI: Principe du partage du loyer à parts égales. En application de la jurisprudence (ATF 105 V 273 consid. 2; VSI 2001 p. 234), dans le cas d'une requérante qui vit séparément de son époux et qui a un devoir d'entretien envers sa fille âgée de moins de 18 ans faisant ménage commun avec elle, la participation de l'enfant au loyer doit être fixée, eu égard aux circonstances du cas d'espèce, à un quart. Compte tenu du principe selon lequel seuls les revenus effectivement perçus et les biens existants sont pris en considération dans le calcul pour le droit à une prestation complémentaire, un revenu hypothétique de l'enfant ne peut pas être pris en compte (consid. 5.3). Regesto a Art. 3a cpv. 4 e 6, art. 3b cpv. 1 lett. b, art. 5 cpv. 1 lett. b LPC; art. 16c cpv. 1 OPC-AVS/AI: Inclusione dei redditi e delle spese dei figli nel calcolo delle prestazioni complementari. Se un figlio, che dà diritto a una rendita, debba essere escluso dal calcolo della prestazione complementare del richiedente si determina sulla base di un calcolo comparativo. Il primo calcolo tiene conto dei redditi e delle spese del figlio mentre il secondo ne fa astrazione. Per ognuna di queste operazioni occorre tuttavia prendere in considerazione le singole posizioni previste dalla regolamentazione usuale. Pertanto, nell'ambito del calcolo nel quale si prescinde dal considerare il figlio, occorre tenere conto di una ripartizione della pigione giusta l'art. 16c OPC-AVS/AI (consid. 5.2). Regesto b Art. 16c cpv. 2 OPC-AVS/AI: Principio della ripartizione della pigione in parti uguali. In applicazione della giurisprudenza (DTF 105 V 273 consid. 2; VSI 2001 pag. 234), nel caso di una richiedente che vive separata dal proprio coniuge e che ha un obbligo di mantenimento nei confronti della figlia non ancora diciottenne vivente in comunione domestica con lei, la partecipazione della figlia alle spese di pigione deve essere stabilita, considerate le circostanze del caso, in un quarto. Tenuto conto del principio secondo il quale ai fini del diritto a una prestazione complementare sono da prendere in considerazione soltanto i redditi effettivamente realizzati e i beni esistenti, non si può ritenere un reddito ipotetico della figlia (consid. 5.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
Verwandte Entscheide
- EL-Mietzinsabzug bei pflegender Enkelin im Haushalt: hälftige Aufteilung zwingend, keine indirekte Betreuungsvergütung (Art. 10 Abs. 1 lit. b, Art. 14 Abs. 1 ELG)
- EL-Bezüger wohnt kostenlos bei Partnerin: Keine Mietzinsausgabe, Naturalleistung als Einnahme anrechenbar (Art. 10 Abs. 1 lit. b Ziff. 1 ELG)
- Opferhilfeentschädigung: Anrechnung Halbwaisenrente und Einbezug mütterlicher Wirtschaftsverhältnisse bei Minderjährigen, Schadenszins geschuldet (Art. 14 OHG, Art. 3a ELG)
- Opferhilfeentschädigung nach Tötung der Ehefrau: Anrechnung Todesfallkapital und Genugtuung trotz fehlender Kongruenz (Art. 14 OHG)
- Ergänzungsleistungen: Mietzinsabzug bei gemeinsamer Wohnung mit Enkelin, Drittelanteil statt Hälfte (Art. 16c Abs. 2 ELV)