Bundesamt für Sozialversicherung fehlt Legitimation zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Spezialitätenlistenentscheid (Art. 103 lit. b OG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 127 V 149 · ATF 127 V 149 · DTF 127 V 149
- Datum
- 14.05.2001
- Geschäftsnummer
- BGE 127 V 149
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Zusammenfassung
Roche Pharma (Schweiz) AG streitet mit dem Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) über die Aufnahme des Medikaments CYMEVENE in die Spezialitätenliste zum Preis von 730 Franken. Die Eidgenössische Rekurskommission für die Spezialitätenliste hiess die Beschwerde von Roche gut und verpflichtete das BSV zur Aufnahme. Das BSV erhob daraufhin in eigenem Namen Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht. Roche beantragte Nichteintreten wegen mangelnder Legitimation des BSV, da einzig das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) beschwerdeberechtigt sei. Das BSV reichte nachträglich eine vom EDI unterzeichnete Vollmacht ein und beantragte hilfsweise, die Beschwerde als solche des EDI zu qualifizieren.
Das Bundesgericht tritt auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde des Bundesamtes für Sozialversicherung (BSV) ein, obwohl diesem die aktive Legitimation fehlt. Gemäss Art. 103 lit. b OG ist zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Entscheide der Eidgenössischen Rekurskommission für die Spezialitätenliste ausschliesslich das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) berechtigt, nicht jedoch das BSV. Weder das Krankenversicherungsgesetz noch andere Bundesrechtsbestimmungen sehen eine ausdrückliche Ermächtigung des BSV vor. Art. 52 Abs. 1 lit. b KVG verleiht dem BSV lediglich materiellrechtliche Regelungsbefugnisse für die Erstellung der Spezialitätenliste, nicht aber das prozessuale Beschwerderecht. Da das EDI gemäss Art. 75 KVV weiterhin befugt ist, konkretisierende Vorschriften zu erlassen, bleibt es das zuständige Departement im Sinne von Art. 103 lit. b OG.
Obwohl die fehlende Legitimation grundsätzlich nicht durch nachträgliche Einreichung einer Prozessvollmacht geheilt werden kann, gewährt das Gericht ausnahmsweise Vertrauensschutz. In der früheren Rechtsprechung (BGE 124 V 300) wurde dem BSV diese Möglichkeit vorbehaltlos eingeräumt. Dem BSV darf daher nach Treu und Glauben nicht zum Nachteil gereichen, dass es auf die Fortgeltung dieser Praxis vertraute. Die Beschwerde wird somit entgegen der bisherigen Rechtsprechung zwar als unzulässig qualifiziert, aber dennoch zur Prüfung zugelassen.
Regeste
Art. 103 lit. b OG; Art. 52 Abs. 1 lit. b, Art. 90 f. KVG: Legitimation des Bundesamtes für Sozialversicherung zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Entscheide der Eidg. Rekurskommission für die Spezialitätenliste. - Zur Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen Entscheide der Eidg. Rekurskommission für die Spezialitätenliste berechtigt ist das Eidg. Departement des Innern und nicht das Bundesamt für Sozialversicherung. - Es ist entgegen BGE 124 V 300 Erw. 2 nicht überspitzt formalistisch zu verlangen, dass das Departement in eigenem Namen Verwaltungsgerichtsbeschwerde erhebt, wobei es das Bundesamt mit der Prozessvertretung beauftragen kann (Änderung der Rechtsprechung). Regeste Art. 103 let. b OJ; art. 52 al. 1 let. b, art. 90 s. LAMal: Qualité de l'Office fédéral des assurances sociales pour former recours de droit administratif contre des décisions de la Commission fédérale de recours en matière de liste des spécialités. - Ce n'est pas l'Office fédéral des assurances sociales mais le Département fédéral de l'intérieur qui a qualité pour former recours de droit administratif contre des décisions de la Commission fédérale de recours en matière de liste des spécialités. - Contrairement à ce qui ressort de l'arrêt ATF 124 V 300 consid. 2, ce n'est pas faire preuve de formalisme excessif que d'exiger du Département qu'il interjette recours de droit administratif en son nom, tout en lui laissant la possibilité de se faire représenter par l'Office fédéral des assurances sociales (changement de jurisprudence). Regesto Art. 103 lett. b OG; art. 52 cpv. 1 lett. b, art. 90 seg. LAMal: Legittimazione dell'Ufficio federale delle assicurazioni sociali a ricorrere avverso decisioni della Commissione federale di ricorso in materia di elenco delle specialità. - Spetta al Dipartimento federale dell'interno e non all'Ufficio federale delle assicurazioni sociali interporre ricorso di diritto amministrativo avverso decisioni della Commissione federale di ricorso in materia di elenco delle specialità. - Contrariamente a quanto emerge da DTF 124 V 300 consid. 2, non costituisce formalismo eccessivo esigere che il Dipartimento interponga ricorso di diritto amministrativo in nome proprio, riservata essendo comunque la facoltà per questa autorità di farsi rappresentare dall'Ufficio federale delle assicurazioni sociali (cambiamento di giurisprudenza).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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