Justizze.

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Justizze. Art. 8 EMRK

Bundesgericht

Ausländische Mutter erhält keine Aufenthaltsbewilligung trotz Niederlassungsrecht des Kindes: Verweigerung verhältnismässig (Art. 8 EMRK)

BGE / ATF / DTF
BGE 127 II 60 · ATF 127 II 60 · DTF 127 II 60
Datum
19.01.2001
Geschäftsnummer
BGE 127 II 60
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 9 ANAG Art. 8 EMRK

Zusammenfassung

Eine jugoslawische Staatsangehörige reiste 1995 im Familiennachzug zu ihrem in der Schweiz niedergelassenen Ehemann ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung. Das gemeinsame Kind erwarb aufgrund der Einbeziehung in die Niederlassungsbewilligung des Vaters ebenfalls eine Niederlassungsbewilligung. Der Vater wurde später wegen Betäubungsmitteldelikten zu einer Freiheitsstrafe und Landesverweisung verurteilt. Nach der Ausweisung des Vaters lehnten die Behörden die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung der Mutter ab und wiesen sie weg. Die Mutter focht diesen Entscheid an und berief sich auf ihr Familienleben sowie auf das gefestigte Anwesenheitsrecht ihres Kindes.

Das Bundesgericht wies die Verwaltungsgerichtsbeschwerde der Mutter ab und bestätigte die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung sowie die Wegweisung. Zwar anerkannte das Gericht, dass die Niederlassungsbewilligung des Kindes gemäss Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG auch nach der Ausweisung des Vaters als gefestigtes Anwesenheitsrecht fortbesteht und der Mutter grundsätzlich einen Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK eröffnen kann. In der materiellen Prüfung stellte das Gericht jedoch fest, dass die Verweigerung der Bewilligung im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK verhältnismässig war.

Entscheidend war, dass das Kind zum Zeitpunkt des Entscheids erst viereinhalb Jahre alt war und seine Bindungen primär durch die Eltern bestimmt wurden, sodass ihm eine Rückkehr ins Heimatland der Eltern zugemutet werden konnte. Die Mutter selbst war erst 1995 eingereist, nicht erwerbstätig und bezog seit April 1998 öffentliche Fürsorge in Höhe von monatlich Fr. 1'211 zuzüglich Krankenkassenselbstbehalt. Diese erhebliche Fürsorgeabhängigkeit begründete ein genügendes öffentliches Interesse an der Ausreise. Da kein Anspruch auf eine Bewilligung aus der Ehe bestand, weil der Ehemann rechtskräftig ausgewiesen worden war und die Voraussetzungen für eine eigene Niederlassungsbewilligung der Mutter nie erfüllt waren, überwogen die öffentlichen Interessen am Schutz der öffentlichen Ordnung und der Finanzen das private Interesse am Verbleib in der Schweiz.

Regeste

Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG, Art. 8 EMRK, Art. 17 Abs. 2 ANAG; Anspruch auf Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung. Massgeblicher Zeitpunkt der tatsächlichen Verhältnisse für die Feststellung eines Bewilligungsanspruchs gemäss Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG bzw. für die materielle Beurteilung der Bewilligungsfrage (E. 1b). Bewilligungsanspruch der ausländischen Ehegattin gemäss Art. 17 Abs. 2 Satz 1 oder Satz 2 ANAG verneint, wenn ihr niedergelassener Ehemann im Strafvollzug ist und nach der Haftentlassung aus der Schweiz ausreisen muss (E. 1c). Bewilligungsanspruch der Mutter, wenn das gemeinsame Kleinkind gemäss Art. 17 Abs. 2 Satz 3 ANAG in die Niederlassungsbewilligung seines Vaters einbezogen worden war und dieser nachträglich ausgewiesen wurde. Die Bewilligung des Kindes erlischt nicht und stellt trotz ihrer besonderen Natur ein gefestigtes Anwesenheitsrecht dar, gestützt worauf seine Mutter einen Bewilligungsanspruch nach Art. 8 EMRK geltend machen kann (E. 1d und e). Der besonderen Natur der Bewilligung ist beim Entscheid über die Erteilung einer Bewilligung an die Mutter Rechnung zu tragen (E. 2a). Im konkreten Fall ist die Verweigerung der Bewilligung im Sinne von Art. 8 Ziff. 2 EMRK verhältnismässig (E. 2b-d). Regeste Art. 100 al. 1 let. b ch. 3 OJ, art. 8 CEDH, art. 17 al. 2 LSEE; droit à une autorisation de séjour ou d'établissement. Moment déterminant pour constater l'état de fait donnant droit à une autorisation selon l'art. 100 al. 1 let. b ch. 3 OJ, en particulier pour examiner la question de l'autorisation du point de vue matériel (consid. 1b). L'épouse étrangère n'a pas droit à une autorisation fondée sur l'art. 17 al. 2 phrase 1 ou 2 LSEE lorsque son mari, titulaire d'une autorisation d'établissement, se trouve en détention et doit quitter la Suisse à sa libération (consid. 1c). Droit de la mère à une autorisation lorsque l'enfant mineur du couple était compris dans l'autorisation d'établissement de son père, conformément à l'art. 17 al. 2 phrase 3 LSEE et que ce dernier a ensuite été expulsé. L'autorisation de l'enfant ne s'éteint pas et lui donne, malgré sa nature particulière, un droit de présence en Suisse, sur la base duquel sa mère peut se prévaloir d'un droit à une autorisation en vertu de l'art. 8 CEDH (consid. 1d et e). La nature particulière de l'autorisation de l'enfant doit être prise en compte lors de la décision sur l'octroi d'une autorisation à la mère (consid. 2a). Dans le cas concret, le refus de l'autorisation n'est pas disproportionné au regard de l'art. 8 par. 2 CEDH (consid. 2b-d). Regesto Art. 100 cpv. 1 lett. b cifra 3 OG, art. 8 CEDU, art. 17 cpv. 2 LDDS; diritto ad un permesso di dimora o di domicilio. Momento determinante per l'accertamento dei fatti che danno diritto al rilascio di un permesso secondo l'art. 100 cpv. 1 lett. b cifra 3 OG, per quanto attiene in particolare all'esame di tale questione dal punto di vista materiale (consid. 1b). La moglie straniera non ha diritto al rilascio di un permesso giusta l'art. 17 cpv. 2 prima o seconda frase LDDS, se il marito, titolare di un permesso di domicilio, si trova in stato di detenzione e dovrà lasciare la Svizzera al momento del suo rilascio (consid. 1c). Diritto della madre ad ottenere un permesso quando il figlio minorenne era incluso nel permesso di domicilio del padre, secondo l'art. 17 cpv. 2 terza frase LDDS, e questi è stato in seguito espulso. Il permesso del figlio non si estingue e conferisce a quest'ultimo, malgrado la sua particolare natura, un diritto a restare in Svizzera, in virtù del quale la madre può a sua volta far valere un diritto al rilascio di un permesso, sulla base dell'art. 8 CEDU (consid. 1d ed e). La natura particolare del permesso di cui beneficia il bambino dev'essere tenuta in considerazione al momento in cui vi è da decidere in merito al rilascio del permesso alla madre (consid. 2a). Nel caso concreto, la decisione di negare tale permesso appare proporzionata, ai sensi dell'art. 8 n. 2 CEDU (consid. 2b-d).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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