Türkischer anerkannter Flüchtling mit Niederlassungsbewilligung: Kantonswechsel wegen Arbeitsscheu zu Unrecht verweigert (Art. 10 ANAG, Art. 65 AsylG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 127 II 177 · ATF 127 II 177 · DTF 127 II 177
- Datum
- 01.05.2001
- Geschäftsnummer
- BGE 127 II 177
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 9 ANAG Art. 10 ANAG Art. 11 ANAG Art. 14 ANAV Art. 65 AsylG
Zusammenfassung
Ein türkischer Staatsangehöriger, der in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde und eine Niederlassungsbewilligung besitzt, beantragt nach einem Umzug von Zürich nach Basel-Stadt die Erteilung einer neuen Niederlassungsbewilligung im Zuzugskanton. Die Behörden lehnen das Gesuch ab und stützen sich dabei auf den Ausweisungsgrund der Nichteinfügung in die geltende Ordnung aufgrund angeblicher Arbeitsscheu. Der Beschwerdeführer beruft sich auf das Niederlassungsabkommen zwischen der Schweiz und der Türkei sowie auf seine Stellung als anerkannter Flüchtling.
Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut und gewährt dem Beschwerdeführer den beantragten Kantonswechsel. Das Gericht stellt fest, dass sich aus Art. 60 Abs. 2 AsylG zwar kein direkter Anspruch auf Kantonswechsel ergibt, jedoch das Niederlassungsabkommen vom 13. Dezember 1930 zwischen der Schweiz und der Türkei anwendbar ist. Trotz des Flüchtlingsstatus bleibt der Beschwerdefürer Inhaber der völkerrechtlichen Rechte aus diesem Vertrag, da diese Normen fester Bestandteil der innerstaatlichen Rechtsordnung sind und keiner Transformation bedürfen. Gemäss Art. 14 Abs. 4 ANAV kann die Bewilligung nur verweigert werden, wenn ein Widerrufs- oder Erlöschensgrund gemäss Art. 9 Abs. 3 ANAG vorliegt und eine Ausweisung verhältnismässig wäre. Da die vorgeworfene Arbeitsscheu keine schwerwiegende Verletzung der öffentlichen Ordnung darstellt und somit weder eine Ausweisung noch eine Verweigerung der Niederlassungsbewilligung rechtfertigt, war die Ablehnung durch die Vorinstanz rechtswidrig. Die Beschwerde ist daher zulässig und begründet.
Regeste
Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff 3 OG, Art. 60 AsylG, Niederlassungsabkommen vom 13. Dezember 1930 zwischen der Schweiz und der Türkischen Republik; anerkannter Flüchtling, Niederlassungsbewilligung, Anspruch auf Kantonswechsel, Zulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Aus Art. 60 Abs. 2 AsylG lässt sich kein Anspruch auf Kantonswechsel herleiten. Hingegen finden Niederlassungsabkommen zwischen der Schweiz und dem Heimatstaat auf in der Schweiz niedergelassene Flüchtlinge Anwendung, weshalb vorliegend ein Anspruch auf Kantonswechsel besteht. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher zulässig (E. 2). Voraussetzungen, unter denen einem Flüchtling mit Niederlassungsbewilligung, der sich auf einen Niederlassungsvertrag berufen kann, der Kantonswechsel verweigert werden darf. Da die dem Flüchtling vorgehaltene Arbeitsscheu die Ausweisung nicht zu rechtfertigen vermöchte, wurde der Kantonswechsel vorliegend zu Unrecht verweigert (E. 3). Regeste Art. 100 al. 1 let. b ch. 3 OJ, art. 60 LAsi, Convention d'établissement du 13 décembre 1930 entre la Suisse et la Turquie; réfugié reconnu, autorisation d'établissement, droit à changer de canton, recevabilité du recours de droit administratif. Aucun droit à changer de canton ne peut être déduit de l'art. 60 al. 2 LAsi. En revanche, les conventions d'établissement entre la Suisse et le pays d'origine des réfugiés possédant une autorisation d'établissement en Suisse sont applicables, si bien qu'il existe en l'espèce un droit à changer de canton. Le recours de droit administratif est donc recevable (consid. 2). Conditions auxquelles le changement de canton peut être refusé au réfugié titulaire d'une autorisation d'établissement et pouvant invoquer une convention d'établissement. Comme le reproche de fainéantise fait au réfugié ne pouvait constituer un motif d'expulsion, c'est à tort que le changement de canton a été refusé en l'espèce (consid. 3). Regesto Art. 100 cpv. 1 lett. b n. 3 OG, art. 60 LAsi; Convenzione di domicilio del 13 dicembre 1930 tra la Svizzera e la Turchia; rifugiato riconosciuto come tale, permesso di domicilio, diritto di cambiare cantone, proponibilità del ricorso di diritto amministrativo. Dall'art. 60 cpv. 2 LAsi non può essere dedotto nessun diritto di cambiare cantone. Sono invece applicabili le convenzioni di domicilio conchiuse tra la Svizzera e il paese d'origine dei rifugiati titolari di un permesso di domicilio in Svizzera, motivo per cui nel caso di specie vi è un diritto di cambiare cantone. Il ricorso di diritto amministrativo è quindi ammissibile (consid. 2). Condizioni alle quali può essere negato il cambiamento di cantone al rifugiato titolare di un permesso di domicilio e che può appellarsi ad una Convenzione di domicilio. Dato che il rimprovero di fannullaggine mosso al rifugiato non poteva costituire un motivo di espulsione, è a torto che il cambiamento di cantone è stato rifiutato nel caso concreto (consid. 3). Urteilskopf 127 II 177 20. Auszug aus dem Urteil der II. öffentlichrechtlichen Abteilung vom 1. Mai 2001 i.S. K. gegen Polizei- und Militärdepartement und Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt (Verwaltungsgerichtsbeschwerde) Regeste Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff 3 OG, Art. 60 AsylG , Niederlassungsabkommen vom 13. Dezember 1930 zwischen der Schweiz und der Türkischen Republik; anerkannter Flüchtling, Niederlassungsbewilligung, Anspruch auf Kantonswechsel, Zulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Aus Art. 60 Abs. 2 AsylG lässt sich kein Anspruch auf Kantonswechsel herleiten. Hingegen finden Niederlassungsabkommen zwischen der Schweiz und dem Heimatstaat auf in der Schweiz niedergelassene Flüchtlinge Anwendung, weshalb vorliegend ein Anspruch auf Kantonswechsel besteht. Die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist daher zulässig (E. 2). Voraussetzungen, unter denen einem Flüchtling mit Niederlassungsbewilligung, der sich auf einen Niederlassungsvertrag berufen kann, der Kantonswechsel verweigert werden darf. Da die dem Flüchtling vorgehaltene Arbeitsscheu die Ausweisung nicht zu rechtfertigen vermöchte, wurde der Kantonswechsel vorliegend zu Unrecht verweigert (E. 3).
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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