Justizze.

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Justizze. Art. 100 OG

Bundesgericht

Vorläufig aufgenommener Flüchtling begehrt Aufenthaltsbewilligung für Familiennachzug: Verwaltungsgerichtsbeschwerde unzulässig, da Anspruch aus Art. 8 EMRK verneint (Art. 8 EMRK; Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG)

BGE / ATF / DTF
BGE 126 II 335 · ATF 126 II 335 · DTF 126 II 335
Datum
09.08.2000
Geschäftsnummer
BGE 126 II 335
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 8 EMRK Art. 100 OG

Zusammenfassung

Ein aus der Türkei stammender kurdischer Flüchtling, der seit 1993 in der Schweiz vorläufig aufgenommen ist, weil ihm wegen subjektiver Nachfluchtgründe das Asyl verweigert wurde, beantragte beim Kanton Graubünden eine Jahresaufenthaltsbewilligung zwecks Familiennachzugs. Die Fremdenpolizei wies das Gesuch ab, was durch das Justiz-, Polizei- und Sanitätsdepartement sowie das Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Der Beschwerdeführer rügte vor dem Bundesgericht eine Verletzung von Art. 8 EMRK und machte geltend, dass nur eine Aufenthaltsbewilligung den Familiennachzug ermögliche. Das Bundesamt für Flüchtlinge hatte zwischenzeitlich ein neues Verfahren zur Familienvereinigung nach Art. 39 AsylV 1 eingeleitet. Der Beschwerdeführer hielt an seiner Eingabe fest, obwohl er aufgefordert worden war, seine Position angesichts der neuen Regelung zu überprüfen.

Das Bundesgericht trat auf die Verwaltungsgerichtsbeschwerde nicht ein, da sie gemäss Art. 100 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 OG ausgeschlossen ist. Der vorläufig aufgenommene Flüchtling verfügt weder nach nationalem Recht noch gestützt auf Art. 8 EMRK über einen Anspruch auf Erteilung einer kantonalen Aufenthaltsbewilligung zwecks Familiennachzugs.

Zwar garantiert Art. 8 EMRK den Schutz des Familienlebens, doch setzt ein daraus abgeleiteter Anspruch auf eine Anwesenheitsbewilligung voraus, dass der Ausländer selbst über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Die vorläufige Aufnahme ist jedoch ein Provisorium, das lediglich den Vollzug der Wegweisung verhindert und kein solches gefestigtes Recht begründet. Zudem hat der Gesetzgeber mit Art. 51 Abs. 5 AsylG und Art. 39 AsylV 1 den Familiennachzug für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge spezialgesetzlich geregelt. Diese Bestimmung erlaubt die Einreise der Familienangehörigen direkt durch das Bundesamt für Flüchtlinge, ohne dass vorgängig eine kantonale Aufenthaltsbewilligung erforderlich wäre. Da die familiären Beziehungen somit im Rahmen des Asylrechts gelebt werden können, besteht kein Bedarf für einen aus Art. 8 EMRK abgeleiteten Anspruch auf eine fremdenpolizeiliche Bewilligung.

Die Beschwerde bleibt daher unzulässig. Sollte das Bundesamt für Flüchtlinge das Gesuch um Familienvereinigung nicht innert nützlicher Frist behandeln, steht dem Beschwerdeführer der Rechtsweg wegen Rechtsverzögerung offen, wobei dabei die Dauer seines Aufenthalts von über sieben Jahren zu berücksichtigen ist.

Regeste

Art. 8 EMRK; Art. 26 u. Art. 8a aAsylG; Art. 44 Abs. 2, Art. 51 Abs. 5 u. Art. 54 AsylG; Art. 39 AsylV 1; Art. 14a ff. ANAG; Anspruch eines vorläufig aufgenommenen Flüchtlings auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zwecks Familiennachzugs? Der vorläufig aufgenommene Flüchtling verfügt gestützt auf das nationale Recht über kein gesichertes Anwesenheitsrecht, das ihm einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung verschaffen würde (E. 1). Ein solches Recht ergibt sich auch nicht aus Art. 8 EMRK, nachdem die Frage des Familiennachzugs heute nicht mehr von der Erteilung einer kantonalen Aufenthaltsbewilligung abhängt, sondern vom Gesetzgeber in Art. 51 Abs. 5 des Asylgesetzes bzw. Art. 39 der Asylverordnung 1 asylrechtlich geregelt wurde. Mit Blick auf Art. 8 EMRK ist allein entscheidend, dass der Ausländer faktisch die Möglichkeit hat, das Verhältnis zu seinen Familienangehörigen in angemessener Weise zu pflegen, wozu jede Anwesenheitsberechtigung genügt, welche dies zulässt (E. 2 u. 3). Regeste Art. 8 CEDH; art. 26 et art. 8a aLAsi; art. 44 al. 2, art. 51 al. 5 et art. 54 LAsi; art. 39 OA 1; art. 14a ss LSEE; droit d'un réfugié admis provisoirement à l'octroi d'une autorisation de séjour au titre du regroupement familial? Le réfugié admis provisoirement ne dispose, sur la base du droit national, d'aucun droit de présence assuré qui lui procurerait un droit à l'octroi d'une autorisation de séjour (consid. 1). Un tel droit ne résulte pas non plus de l'art. 8 CEDH, maintenant que la question du regroupement familial ne dépend plus de l'octroi d'une autorisation de séjour cantonale, mais qu'elle a été réglée par le législateur dans le droit d'asile à l'art. 51 al. 5 de la loi sur l'asile, respectivement à l'art. 39 de l'ordonnance 1 sur l'asile. Eu égard à l'art. 8 CEDH, est seul décisif le fait que l'étranger ait réellement la possibilité d'entretenir convenablement une relation avec les membres de sa famille; c'est pourquoi tout droit de présence qui l'admet est suffisant (consid. 2 et 3). Regesto Art. 8 CEDU; art. 26 e art. 8a vLAsi; art. 44 cpv. 2, art. 51 cpv. 5 e art. 54 LAsi; art. 39 OAsi 1; art. 14a segg. LDDS; il rifugiato ammesso provvisoriamente ha diritto di ottenere un permesso di dimora a scopo di ricongiungimento famigliare? Il rifugiato ammesso provvisoriamente non ha, in base al diritto nazionale, alcun diritto di residenza assicurato dal quale dedurre un diritto al rilascio di un permesso di dimora (consid. 1). Un tale diritto non discende neanche dall'art. 8 CEDU ora che la questione del ricongiungimento famigliare non dipende più dal rilascio di un permesso di dimora cantonale, ma è disciplinata dal legislatore nel diritto d'asilo all'art. 51 cpv. 5 della legge sull'asilo, rispettivamente all'art. 39 dell'ordinanza 1 sull'asilo. Dal profilo dell'art. 8 CEDU, è unicamente decisivo il fatto che lo straniero abbia realmente la possibilità d'intrattenere in modo conveniente una relazione con i membri della sua famiglia; qualsiasi diritto di presenza che lo permette è pertanto sufficiente (consid. 2 e 3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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