Kunstmessen-Standplatzabsage privater Messegesellschaft: Kein Hoheitsakt, staatsrechtliche Beschwerde unzulässig (Art. 84 Abs. 1 OG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 126 I 250 · ATF 126 I 250 · DTF 126 I 250
- Datum
- 07.09.2000
- Geschäftsnummer
- BGE 126 I 250
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Zusammenfassung
Zwei Galeristen bewarben sich erfolglos um Standplätze an der internationalen Kunstmesse ART in Basel. Der Messeveranstalter, eine gemischt-wirtschaftliche Aktiengesellschaft mit kantonaler Beteiligung, lehnte die Bewerbungen wegen Übernachfrage ab. Eine interne Rekurskommission wies die Einsprache ebenfalls zurück. Die Betroffenen erhoben daraufhin staatsrechtliche Beschwerde ans Bundesgericht und rügten Verletzungen der Wirtschaftsfreiheit sowie Verstösse gegen das Binnenmarktgesetz und Kartellgesetz.
Das Bundesgericht trat auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht ein, da kein anfechtbarer Hoheitsakt vorlag. Die Schweizer Mustermesse AG war seit Februar 2000 als Aktiengesellschaft nach Art. 762 OR organisiert und handelte bei der Vergabe von Messeständen als Subjekt des Privatrechts, nicht als Trägerin öffentlicher Gewalt. Weder die Messeleitung noch die interne Rekurskommission verfügten über hoheitliche Befugnisse zur Erlassung von Verfügungen.
Die Nichtzulassung stellte keine auf kantonaler Herrschaftsgewalt beruhende Beschränkung dar. Das Gelände gehörte nicht mehr zum öffentlichen Grund, sondern wurde der Gesellschaft im Baurecht übertragen. Auch das Binnenmarktgesetz fand keine Anwendung, da es sich nicht um öffentliche Beschaffung handelte und die Messegesellschaft nicht als Trägerin öffentlicher Aufgaben galt. Allfällige Wettbewerbsverstösse wären allenfalls nach dem Kartellgesetz zu prüfen, nicht jedoch im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde mangels tauglichem Anfechtungsobjekt gemäss Art. 84 Abs. 1 OG.
Regeste
Art. 27 BV; Art. 84 Abs. 1, Art. 88 OG; Art. 762 OR; Art. 2 ff. BGBM, Art. 2 ff. KG (Unzulässigkeit der staatsrechtlichen Beschwerde mangels anfechtbaren Hoheitsakten). Standplätze an der internationalen Kunstmesse ART in Basel: Ablehnende Bescheide des gemischt-wirtschaftlich organisierten Messeveranstalters gegenüber interessierten Ausstellern sind keine hoheitlichen Akte im Sinne von Art. 84 Abs. 1 OG. Dasselbe gilt für die Entscheide der vom Messeveranstalter eingesetzten Rekurskommission (E. 2a-c). Die Nichtzulassung zur ART erscheint nicht als eine auf hoheitlichen Grundlagen beruhende Beschränkung des Marktzugangs, welche gegen das Binnenmarktgesetz verstossen könnte (E. 2d/bb). Schranken des Kartellgesetzes (E. 2d/cc). Regeste Art. 27 Cst.; art. 84 al. 1 et 88 OJ; art. 762 CO; art. 2 ss LMI, art. 2 ss LCart (irrecevabilité du recours de droit public faute d'acte de souveraineté attaquable). Stands à la foire internationale ART de Bâle: les réponses négatives de l'organisateur de la foire, entreprise mixte, aux exposants intéressés ne sont pas des actes de souveraineté au sens de l'art. 84 al. 1 OJ. Il en va de même des décisions de la commission de recours mise en place par l'organisateur (consid. 2a-c). Le refus de stands à ART ne constitue pas une limitation d'accès au marché fondée sur un acte de souveraineté, qui pourrait violer la loi sur le marché intérieur (consid. 2d/bb). Limites de la loi sur les cartels (consid. 2d/cc). Regesto Art. 27 Cost.; art. 84 cpv. 1 e art. 88 OG; art. 762 CO; art. 2 segg. LMI; art. 2 segg. LCart (inammissibilità del ricorso di diritto pubblico per carenza d'atto d'imperio impugnabile). Stands alla fiera internazionale d'arte ART di Basilea: le risposte negative dell'organizzatore della fiera - un'impresa mista - agli espositori interessati non costituiscono atti d'imperio ai sensi dell'art. 84 cpv. 1 OG. Lo stesso vale per le decisioni della commissione di ricorso istituita dall'organizzatore (consid. 2a-c). Il rifiuto di stands alla fiera ART non costituisce una restrizione del libero accesso al mercato fondata su un atto d'imperio, che potrebbe violare la legge sul mercato interno (consid. 2d/bb). Restrizioni della legge sui cartelli (consid. 2d/cc).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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