Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 19 UVG

Bundesgericht

Unfallversicherung: Leistungseinstellung nach unfallbedingtem Gesundheitsschaden trotz laufender IV-Eingliederungsmassnahmen – Fallabschluss zulässig, wenn unfallkausale Beeinträchtigungen nicht mehr vorliegen (Art. 19 Abs. 1 und 3 UVG in Verbindung mit Art. 30 UVV)

Datum
29.04.2016
Geschäftsnummer
8C_892/2015
Abteilung
I. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 89 BGG Art. 97 BGG Art. 100 BGG Art. 19 UVG Art. 30 UVV

Zusammenfassung

Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA) stellte ihre Leistungen für A.________ per 31. Oktober 2014 ein, nachdem dieser am 28. September 2013 Opfer eines tätlichen Angriffs geworden war und unter anderem eine Commotio cerebri sowie Gesichtsfrakturen erlitten hatte. A.________ erhob Beschwerde gegen diesen Entscheid; das Versicherungsgericht des Kantons Aargau hob daraufhin den Einspracheentscheid der SUVA auf. Die SUVA legte daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht ein mit dem Antrag, den Entscheid des Versicherungsgerichts aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. A.________ beantragte Nichteintreten, Abweisung oder Rückweisung und zusätzlich die Fortführung aller Leistungen durch die SUVA sowie unentgeltliche Rechtspflege.

Das Bundesgericht hebt den Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons Aargau auf und verweist die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Es stellt fest, dass die Vorinstanz lediglich auf den Umstand der laufenden Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgestellt hat, ohne zu prüfen, ob die im massgebenden Zeitpunkt noch geklagten psychischen Beschwerden überhaupt unfallkausal sind. Nach ständiger Rechtsprechung reicht der bloße Umstand laufender IV-Massnahmen nicht aus, um den Fallabschluss in der Unfallversicherung zu verhindern, wenn die noch bestehenden Beeinträchtigungen nicht unfallbedingt sind. Der Fallabschluss ist zulässig, sobald von einer namhaften Besserung des unfallbedingten Gesundheitszustands keine Aussicht mehr besteht – bei der sogenannten Psychopraxis bleiben psychische Beeinträchtigungen für die Adäquanzbeurteilung unberücksichtigt. Damit die Übergangsrente nach Art. 19 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art. 30 UVV ausgerichtet werden kann, müsste der ausstehende IV-Entscheid Vorkehren betreffen, die geeignet sind, den der Invalidenrente der Unfallversicherung zugrunde liegenden Invaliditätsgrad zu beeinflussen; dies setzt aber voraus, dass der Gesundheitsschaden unfallkausal ist. Da diese entscheidende Prüfung unterblieb, ist der Entscheid der Vorinstanz nicht nachvollziehbar und muss aufgehoben werden.

Das Bundesgericht stützt seine Entscheidung insbesondere auf Art. 19 Abs. 1 und 3 UVG in Verbindung mit Art. 30 UVV, welche die Voraussetzungen für den Fallabschluss und die Ausrichtung einer Übergangsrente regeln, sowie auf Art. 90, 95, 96, 97 Abs. 2 und 105 Abs. 3 BGG, die die Zulässigkeit der Beschwerde und die Prüfungsbefugnis des Bundesgerichts betreffen. Für die Beurteilung des Fallabschlusses sind zudem Art. 100 Abs. 1, Art. 89 Abs. 1, Art. 86 Abs. 1 lit. d und Art. 82 lit. a BGG maßgeblich, da sie die Admissibilitätsvoraussetzungen klären.

Die Gerichtskosten von Fr. 800.– werden dem Beschwerdegegner auferlegt, vorläufig jedoch auf die Bundesgerichtskasse genommen; ihm wird unentgeltliche Rechtspflege gewährt und sein Rechtsvertreter erhält eine Entschädigung von Fr. 1'500.– aus der Bundesgerichtskasse. Das Bundesgericht weist ausdrücklich darauf hin, dass die Vorinstanz bei der Neuentwicklung des Falls die Kausalität der noch behaupteten Beschwerden zum Unfallereignis vom 28. September 2013 eingehend zu prüfen hat – eine solche Prüfung fehlte im vorliegenden Entscheid vollständig.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

Verwandte Entscheide