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Justizze. Art. 731b OR

Bundesgericht

Aktionärin beantragt richterlich angeordnete Versteigerung statt Auflösung bei dreijährigem Organisationsmangel: Auflösung als ultima ratio zulässig, Verhältnismässigkeit gewahrt (Art. 731b OR)

Datum
02.05.2022
Geschäftsnummer
4A 147/2022
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 74 BGG Art. 105 BGG Art. 731b OR Art. 736 OR

Zusammenfassung

Eine GmbH und eine AG halten je 50 % der Anteile einer AG, deren Verwaltungsrat per 23. Februar 2021 im Handelsregister gelöscht wurde. Nachdem die Gesellschafter gesondert Anträge nach Art. 731b OR gestellt hatten, löste der Einzelrichter die AG auf und ordnete ihre Liquidation nach Konkursrecht an. Die GmbH erhob Berufung, die vom Obergericht des Kantons Zug abgewiesen wurde. Sie legte nun Beschwerde ans Bundesgericht mit dem Ziel, die Auflösung aufzuheben und stattdessen eine gerichtlich angeordnete Versteigerung der Aktien durchzusetzen. Streitig war, ob die Auflösung unter den konkreten Umständen verhältnismässig und rechtmässig war oder ob eine mildere Massnahme wie die Versteigerung hätte gewählt werden müssen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die Vorinstanz die gesetzlichen Vorgaben des Art. 731b OR, insbesondere das Stufenverhältnis und das Verhältnismässigkeitsprinzip gemäss Art. 731b Abs. 1bis Ziff. 1–3 OR, korrekt angewandt hatte. Der Organisationsmangel bestand seit über drei Jahren; die AG übte keine wirtschaftliche Tätigkeit mehr aus, hatte keine Mitarbeiter, war faktisch bereits liquidiert und wies keinen "going concern value" mehr auf. Unter diesen Umständen war die Auflösung als ultima ratio geeignet und angemessen, während eine Versteigerung der Aktien zur Behebung des Mangels nicht geeignet gewesen wäre. Die Vorinstanz hatte eine sorgfältige Interessenabwägung vorgenommen und dabei das öffentliche Interesse an einer raschen Beseitigung des Mangels sowie die Interessen der Gläubiger höher gewichtet als das Interesse der Beschwerdeführerin an einer Klärung der Ursachen oder an einer möglichen Reaktivierung der Geschäfte. Die Beschwerdeführerin hatte zudem die erforderliche, rechtsgenügliche Begründung nach Art. 42 Abs. 2 BGG und Art. 106 Abs. 2 BGG nicht erbracht: Sie wiederholte lediglich ihre vorinstanzlichen Argumente ohne hinreichende Auseinandersetzung mit den Erwägungen der Vorinstanz und zeigte nicht auf, inwiefern diese Bundesrecht verletzt hätten. Auch die Rüge einer offensichtlich unrichtigen Sachverhaltsfeststellung zum Kaufangebot hielt einer Prüfung nicht stand, da die Vorinstanz korrekt festgestellt hatte, dass es sich nicht um ein reines Kaufangebot handelte, sondern um ein Angebot mit der Verpflichtung zum Rückzug laufender Gerichtsverfahren. Die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- wurden der Beschwerdeführerin auferlegt. Diese Entscheidung präzisiert die Anwendung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes bei der Wahl der Massnahmen nach Art. 731b OR und bekräftigt die weite Ermessensfreiheit der kantonalen Gerichte bei der Behebung von Organisationsmängeln in Aktiengesellschaften.

Regeste

Organisationsmangel gemäss Art. 731b OR, | Gesellschaftsrecht

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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