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Justizze. Art. 95 LGV

Bundesgericht

Importeurin verlangt analoge Anwendung der vierjährigen Übergangsfrist nach Art. 95 Abs. 2 LGV bei Zolltarifierung: Keine Verknüpfung zwischen Lebensmittel- und Zollrecht, Beschwerde abgewiesen (Art. 83 lit. l BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 II 533 · ATF 151 II 533 · DTF 151 II 533
Datum
25.11.2024
Geschäftsnummer
9C_3/2024
Abteilung
III. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 29 BGG Art. 49 BGG Art. 82 BGG Art. 83 BGG Art. 97 BGG Art. 8 BV Art. 94 BV Art. 191 BV Art. 95 LGV Art. 8 ZGB

Zusammenfassung

Eine Importeurin von Getränken erhob beim Bundesgericht Beschwerde gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das ihre Einreihung eines Cranberry-Getränks in eine höhere Zolltarifnummer bestätigt hatte. Sie rügte, das Bundesverwaltungsgericht habe den Sachverhalt unrichtig festgestellt und das Gleichheitsgebot sowie die Wirtschaftsfreiheit verletzt, weil es die vierjährige Übergangsfrist nach Art. 95 Abs. 2 der Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung (LGV) nicht analog auf die Zolltarifierung angewendet habe. Streitig war insbesondere, ob die Senkung des Mindestgehalts an Moosbeerenfruchtsaft von 30 auf 25 Prozent ab 1. Mai 2017 ohne Übergangsfrist zur Anwendung gelangte.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wurde. Es stellte fest, dass die Rügen zur Feststellung des Saftgehalts und zur Tarifierung unter Art. 83 lit. l BGG fallen und daher nicht zum Gegenstand einer Beschwerde an das Bundesgericht gemacht werden können; diese Fragen sind letztinstanzlich vom Bundesverwaltungsgericht entschieden worden. Soweit die Importeurin rügte, die Übergangsfrist nach Art. 95 Abs. 2 LGV müsse analog auf die Zolltarifierung angewendet werden, entschied das Bundesgericht, dass das Zolltarifrecht keine originäre Übergangsfrist vorsehe und dass Lebensmittelrecht und Zollrecht unterschiedliche Primärziele verfolgten: Das Lebensmittelrecht diene dem Gesundheitsschutz der Konsumenten, während das Zollrecht der steuerlichen Belastung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs diene. Eine Verknüpfung der beiden Rechtsgebiete sei vom Gesetzgeber nicht vorgesehen, und die Importeurin habe keine zwingenden Gründe dafür dargelegt, dass das Lebensmittelrecht das Zolltarifrecht intertemporalrechtlich präjudizieren könne. Auch eine unzulässige Praxisänderung durch das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) lag nicht vor, da das BAZG lediglich das geltende Recht vollzogen habe und die Importeurin kein schützenswertes Vertrauen begründet habe. Die Beschwerde ist somit unbegründet. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 4'500.– wurden der Beschwerdeführerin auferlegt. Dieses Urteil verdeutlicht die strikte Trennung zwischen Lebensmittelrecht und Zolltarifrecht und klärt, dass Übergangsbestimmungen eines Rechtsgebiets nicht automatisch auf ein anderes übertragen werden können.

Regeste

Art. 29a, Art. 191 Abs. 3 BV; Art. 82 lit. a, Art. 83 lit. l BGG; zur Zulässigkeit und Unzulässigkeit der Beschwerde im Bereich zollrechtlicher Fragen. Die Veranlagung der Zollabgabe erfolgt anhand von Art, Beschaffenheit und Bruttogewicht der einzuführenden Ware. Bei der zollrechtlichen Tarifierung geht es um die Subsumtion dieser individuell-konkreten Sachumstände unter eine Position des generell-abstrakten Zolltarifs. Die Bemessungsgrundlage bildet das Gewicht ("ad pesum" in Abgrenzung zu "ad valorem"). Das Gewicht wird mit dem massgebenden Zolltarif multipliziert. Wie die Bestimmungen des früheren Rechts beruht Art. 83 lit. l BGG auf der Unterscheidung zwischen Tarifbeschwerden und Rechtsbeschwerden. Nur die zweiten sind hinreichend justiziabel. Im bundesgerichtlichen Verfahren ist daher ein "Splitting" in Tarifrügen und Rechtsrügen vorzunehmen (E. 1.2). Regeste Art. 29a, art. 191 al. 3 Cst.; art. 82 let. a, art. 83 let. l LTF; de la recevabilité et de l'irrecevabilité du recours dans le domaine des questions douanières. La perception des droits de douane est effectuée selon le genre, l'état et le poids brut de la marchandise importée. Lorsqu'il s'agit de procéder à la classification tarifaire, on présume que ces éléments, individuels et concrets, sont inclus dans une position du tarif douanier général et abstrait. L'assiette fiscale est fondée sur le poids ("ad pesum" par opposition à "ad valorem"). Le poids est multiplié par le tarif douanier applicable. Comme le prévoyaient déjà les dispositions de l'ancien droit, l'art. 83 let. l LTF distingue les recours relevant du tarif et ceux portant sur une question de droit. Seuls les seconds sont considérés comme suffisamment justiciables. Dans la procédure devant le Tribunal fédéral, il convient dès lors d'opérer un "splitting" entre les griefs de nature tarifaire et ceux de nature juridique (consid. 1.2). Regesto Art. 29a, art. 191 cpv. 3 Cost.; art. 82 lett. a, art. 83 lett. l LTF; sull'ammissibilità e inammissibilità del ricorso in materia di questioni doganali. L'imposizione dei dazi avviene in base al tipo, alle caratteristiche e al peso lordo della merce importata. La classificazione tariffaria doganale consiste nella sussunzione di questi elementi individuali e concreti sotto una posizione della tariffa doganale generale e astratta. La base di calcolo è fondata sul peso ("ad pesum" in contrapposizione a "ad valorem"). Il peso viene moltiplicato per la tariffa doganale determinante. Come già previsto dalle disposizioni del diritto previgente, l'art. 83 lett. l LTF distingue tra ricorsi in materia di tariffe e ricorsi su questioni di diritto. Solo i secondi sono sufficientemente giudicabili. Nella procedura dinanzi al Tribunale federale è quindi necessario procedere a uno "splitting" tra censure di natura tariffaria e di natura giuridica (consid. 1.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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