Justizze.

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Justizze. Art. 95 LGV

Bundesgericht

Biermarke 'Lozärner Bier' mit blau-weisser Aufmachung imitiert Luzerner Wappen: Täuschungsverbot nach Lebensmittelgesetz verletzt (Art. 18 LMG)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 II 386 · ATF 144 II 386 · DTF 144 II 386
Datum
01.05.2017
Geschäftsnummer
BGE 144 II 386
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 5 HasLV Art. 12 LGV Art. 94 LGV Art. 95 LGV Art. 96 LGV Art. 1 LMG Art. 18 LMG Art. 44 LMG Art. 72 LMG Art. 73 LMG Art. 74 LMG Art. 47 LPM Art. 48 LPM Art. 48b LPM Art. 47 MSchG Art. 48 MSchG Art. 48b MSchG Art. 52a MSchV Art. 52c MSchV Art. 52a OPM Art. 52c OPM Art. 1 aLMG Art. 18 aLMG Art. 47 aMSchG

Zusammenfassung

Die Lozärner Bier AG vertreibt ein Bier unter der Marke 'Lozärner Bier Lager', das auf einer Dose mit blau-weisser Aufmachung verkauft wird, die dem Luzerner Wappen nachempfunden ist. Die Dose enthält die Bezeichnung 'Lozärner Bier AG' mit Adresse in Luzern sowie die URL 'lozärnerbier.ch'. Die Dienststelle Lebensmittelkontrolle und Verbraucherschutz des Kantons Luzern beanstandete die Aufmachung als täuschend, weil sie den Eindruck erwecke, das Bier stamme aus Luzern. Die Lozärner Bier AG bestritt dies und berief sich auf ihre Firmenbezeichnung und Marketingaktivitäten in Luzern. Das Kantonsgericht Luzern wies die Beschwerde der Lozärner Bier AG ab. Die Lozärner Bier AG gelangte daraufhin ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Lozärner Bier AG ab und bestätigte die Beanstandung der Aufmachung als täuschend im Sinne des lebensmittelrechtlichen Täuschungsverbots.

Die Aufmachung der Bierdose erweckt bei einem durchschnittlichen Konsumenten objektiv den Eindruck, das Bier stamme aus Luzern: Die Bezeichnung 'Lozärner Bier' im lokalen Dialekt, die Firma 'Lozärner Bier AG' mit Adresse in Luzern, die Domain 'lozärnerbier.ch' sowie die blau-weisse Gestaltung, die dem Luzerner Wappen nachempfunden ist, schaffen insgesamt einen engen räumlichen Bezug zum Kanton Luzern. Der Hinweis 'hergestellt und abgefüllt in der Schweiz' sowie der stilisierte Schweizer-Umriss auf der Rückseite dämpfen diesen Eindruck nicht massgeblich, da der durchschnittliche Konsument bei fehlenden deutlichen Hinweisen auf eine andere Herkunft primär den Produktionsort mit dem geografischen Bezug verbindet. Tatsächlich wird das Bier jedoch nicht in Luzern, sondern in U. von der Brauerei A. AG gebraut und abgefüllt; die Lozärner Bier AG verfügt über keine eigenen Brauanlagen. Die Rezeptur-Entwicklung in Luzern reicht nicht aus, um den Eindruck einer regionalen Herkunft zu rechtfertigen, da dies weder erkennbar noch dargetan ist und die Aufmachung keinerlei Hinweis darauf enthält, dass Herstellungsort und Entwicklungsstandort auseinanderfallen.

Dieser Verstoss gegen das lebensmittelrechtliche Täuschungsverbot folgt aus Art. 18 LMG (Abs. 1–3), dessen Anwendungsbereich auch regionale oder örtliche Herkunftsangaben umfasst (Art. 12 Abs. 1 und Abs. 2 lit. g LGV), und wird gestützt auf die parallel anwendbaren Bestimmungen des Markenschutzgesetzes (Art. 47 ff. MSchG) und der zugehörigen Verordnungen (Art. 52a, Art. 52c MSchV; Art. 5 Abs. 1 HasLV). Die neue Lebensmittelgesetzgebung per 1. Mai 2017 enthält keine mildere Regelung als das alte Recht, sodass die Rechtslage unverändert bleibt. Auch die europäische Rechtslage (Verordnung [EG] Nr. 178/2002, Richtlinie [EG] Nr. 13/2000) bestätigt den strengen Massstab des Verbraucherschutzes vor Täuschung.

Kosten wurden nicht separat erwähnt. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass das lebensmittelrechtliche Täuschungsverbot nicht nur das Produktionsland, sondern auch regionale oder örtliche Herkunft betrifft, und dass der durchschnittliche Konsument bei geografischen Bezugnahmen primär den Produktionsort annimmt – unabhängig von Marketing-, Vertriebs- oder Firmensitzaktivitäten am Ort.

Regeste

Art. 1 lit. c, Art. 18 LMG; Art. 12 LGV; Art. 47, Art. 48, Art. 48b MSchG; Art. 52a, Art. 52c MSchV; Art. 5 Abs. 1 HasLV; lebensmittelrechtliches Täuschungsverbot; Verhältnis zu markenrechtlichen Bestimmungen betreffend Herkunftsangaben; täuschende Aufmachung einer Bierdose. Überblick über die am 1. Mai 2017 in Kraft getretene neue Gesetzgebung zu Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen (E. 4.1). Die Vorgaben zum lebensmittelrechtlichen Täuschungsverbot stimmen im alten und neuen Recht weitgehend überein. Letzteres enthält jedenfalls keine mildere Regelung (E. 4.2). Aufmachungen können nicht nur hinsichtlich des Produktionslands täuschend im Sinne von Art. 18 LMG sein, sondern auch im Hinblick auf die übrige (regionale oder örtliche) Herkunft eines Lebensmittels (E. 4.2.1-4.2.3). Das lebensmittelrechtliche Täuschungsverbot (Art. 18 LMG) ist bei der Verwendung von Herkunftsangaben im Sinne von Art. 47 ff. MSchG und der zugehörigen Ausführungserlasse gleichermassen zu beachten (E. 4.2.4). Inhalt des lebensmittelrechtlichen Täuschungsverbots. Massstab zur Beurteilung der Täuschungsgefahr ist der durchschnittliche Konsument und dessen legitimes Informationsbedürfnis. Dabei reicht eine objektiv zur Täuschung geeignete Aufmachung von Lebensmitteln für einen Verstoss gegen Art. 18 LMG aus (E. 4.3). Im konkreten Fall liegt eine Täuschungsgefahr in Bezug auf die Herkunft des Biers vor (E. 4.4). Regeste Art. 1 let. c, art. 18 LDAl; art. 12 ODAlOUs; art. 47, art. 48, art. 48b LPM; art. 52a, art. 52c OPM; art. 5 al. 1 OIPSD; interdiction de la tromperie en matière de droit des denrées alimentaires; rapport avec les dispositions de droit des marques relatives aux données sur la provenance; présentation trompeuse d'une canette de bière. Aperçu de la nouvelle loi sur les denrées alimentaires et les objets usuels, en vigueur depuis le 1 er mai 2017 (consid. 4.1). Les prescriptions relatives à l'interdiction de la tromperie de l'ancien droit ont une portée pratiquement identique à celles du nouveau droit. Ce dernier ne contient en tous les cas pas de réglementation moins incisive (consid. 4.2). Des présentations ne peuvent pas uniquement être trompeuses, au sens de l'art. 18 LDAl, en relation avec le pays de production, mais également en relation avec les autres données de provenance (régionale ou locale) d'un produit alimentaire (consid. 4.2.1-4.2.3). L'interdiction de la tromperie en matière de droit des denrées alimentaires (art. 18 LDAl) doit être respectée de la même façon lors de l'utilisation des indications de provenance au sens des art. 47 ss LPM et des dispositions d'exécution y relatives (consid. 4.2.4). Contenu de l'interdiction de la tromperie en matière de droit des denrées alimentaires. Le critère pour évaluer le risque de tromperie est le consommateur moyen et son besoin légitime d'information. Ainsi, une présentation de denrées alimentaires objectivement susceptible de tromper suffit pour contrevenir à l'art. 18 LDAl (consid. 4.3). Dans le cas d'espèce, il existe un risque de tromperie en relation avec la provenance de la bière (consid. 4.4). Regesto Art. 1 lett. c, art. 18 LDerr; art. 12 ODerr; art. 47, art. 48, art. 48b LPM; art. 52a, art. 52c OPM; art. 5 cpv. 1 OIPSDA; protezione dagli inganni in materia di diritto delle derrate alimentari; rapporto con le disposizioni di diritto dei marchi relative alla provenienza; presentazione ingannevole di una lattina di birra. Descrizione della nuova legislazione sulle derrate alimentari e gli oggetti d'uso, in vigore dal 1° maggio 2017 (consid. 4.1). Per quanto riguarda il divieto d'inganno, la portata del vecchio e del nuovo diritto è in larga parte uguale. In ogni caso, quest'ultimo non contiene una regolamentazione meno incisiva (consid. 4.2). La presentazione di un prodotto alimentare può essere ingannevole, ai sensi dell'art. 18 LDerr, non solo riguardo al Paese di produzione, ma anche alle altre indicazioni di provenienza (regionale o locale) (consid. 4.2.1-4.2.3). Il divieto d'inganno in materia di diritto delle derrate alimentari (art. 18 LDerr) va parimenti rispettato nell'uso di indicazioni di provenienza ai sensi dell'art. 47 segg. LPM e delle disposizioni d'esecuzione ad essi relative (consid. 4.2.4). Contenuto del divieto d'inganno in materia di diritto delle derrate alimentari. Il criterio per valutare il rischio d'inganno è il consumatore medio e il suo bisogno legittimo d'informazione. In questo contesto, per contravvenire all'art. 18 LDerr basta una presentazione di derrate alimentari che possa oggettivamente ingannare (consid. 4.3). Nella fattispecie, esiste un rischio d'inganno relativamente alla provenienza della birra (consid. 4.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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