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Justizze. Art. 16d EOG

Bundesgericht

Nationalrätin nimmt während Mutterschaftsentschädigung an Parlamentssitzungen teil: Anspruch endet am ersten Teilnahmetag, da Tätigkeit keine marginale Nebentätigkeit ist (Art. 16d Abs. 3 EOG)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 V 474 · ATF 150 V 474 · DTF 150 V 474
Datum
03.10.2024
Geschäftsnummer
9C_290/2024
Abteilung
III. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 34d AHVV Art. 25 ATSG Art. 16c EOG Art. 16d EOG Art. 25 EOV

Zusammenfassung

Eine Nationalrätin beantragte Mutterschaftsentschädigung nach der Geburt ihres zweiten Kindes im Frühjahr 2021. Die Ausgleichskasse gewährte die Entschädigung bis zum 4. Juli 2021, entzog sie aber rückwirkend ab dem 28. April 2021 mit der Begründung, die Beschwerdeführerin habe an diesem Tag an einer Parlamentssitzung teilgenommen und damit ihre Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen. Das Verwaltungsgericht des Kantons Bern bestätigte diese Entscheidung. Die Beschwerdeführerin rügte vor dem Bundesgericht, dass ihr Einkommen aus der Nationalratstätigkeit während der Mutterschaftsphase unter der jährlichen Grenze von Fr. 2'300.- geblieben sei und daher keine vorzeitige Beendigung des Anspruchs eintreten könne.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die Beschwerdeführerin am 28. April 2021 an einer Parlamentssitzung teilgenommen hatte und damit ihre Erwerbstätigkeit wieder aufgenommen hatte. Da sie aus ihrer Nationalratstätigkeit in den zwölf Monaten vor der Geburt ein Einkommen von Fr. 65'160.- erzielt hatte, lag dieses deutlich über der jährlichen Obergrenze für geringfügiges Einkommen gemäss Art. 34d Abs. 1 AHVV von Fr. 2'300.-. Damit handelte es sich nicht um eine marginale Nebentätigkeit, sondern um eine Teilerwerbstätigkeit im Sinne von Art. 16d Abs. 3 Teilsatz 1 EOG. Der Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung endet gemäss Art. 16d Abs. 3 Teilsatz 1 EOG vorzeitig am Tag der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit, unabhängig vom Beschäftigungsgrad – dies ergibt sich auch aus Art. 25 EOV. Die neue Ausnahmeregelung für Ratsmitglieder (Art. 16d Abs. 3, 2. Teilsatz EOG), die seit dem 1. Juli 2024 gilt, ist auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar, weil sie mangels Übergangsbestimmung nicht rückwirkend wirkt. Die Beschwerdeführerin musste daher die Taggelder für die Zeit vom 28. April bis zum 4. Juli 2021 zurückzahlen, wie Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG vorsieht. Die Gerichtskosten von Fr. 500.- trägt die Beschwerdeführerin gemäss Art. 66 Abs. 1 BGG. Die Entscheidung klärt, dass die Grenze von Fr. 2'300.- nach Art. 34d Abs. 1 AHVV nicht pro rata temporis auf die Mutterschaftsphase heruntergerechnet wird; entscheidend ist allein, ob die vorzeitig wiederaufgenommene Tätigkeit insgesamt als marginale Nebentätigkeit einzustufen ist – was bei einem Jahresverdienst von über Fr. 65'000.- nicht der Fall ist.

Regeste

Art. 16d Abs. 3 Teilsatz 1 EOG; Art. 25 EOV; Mutterschaftsentschädigung. Der Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung endet vorzeitig, wenn die Mutter ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnimmt (Art. 16d Abs. 3 Teilsatz 1 EOG) resp. am Tag der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit (Art. 25 EOV). Das Bundesgericht definierte in BGE 139 V 250 E. 4.6, was nicht als (teilzeitige) Erwerbstätigkeit im Sinne dieser Bestimmungen gilt, nämlich die marginale Nebentätigkeit, aus der höchstens ein geringfügiger Jahreslohn im Sinne von Art. 34d Abs. 1 AHVV (gegenwärtig: Fr. 2'300.-) resultiert. Damit statuierte es keinen generellen "Freibetrag" für Erwerbseinkommen resp. für die darauf entfallende Tätigkeit in dem Sinne, dass jede anspruchsberechtigte Mutter in der fraglichen Zeit einer beliebigen Erwerbstätigkeit nachgehen dürfte, ohne deswegen den Anspruch zu verlieren, sofern nur das dabei erzielte Einkommen den Grenzbetrag von Fr. 2'300.- nicht erreicht (E. 4.3; Präzisierung der Rechtsprechung). Regeste Art. 16d al. 3, 1re partie de la phrase, LAPG; art. 25 OAPG; allocation de maternité. Le droit à l'allocation de maternité s'éteint de manière anticipée si la mère reprend une activité lucrative (art. 16d al. 3, 1 re partie de la phrase, LAPG), respectivement le jour de la reprise de l'activité lucrative (art. 25 OAPG). Dans l'ATF 139 V 250 consid. 4.6, le Tribunal fédéral a défini ce qui n'est pas considéré comme une activité lucrative (partielle) au sens de ces dispositions, à savoir l'activité accessoire marginale qui procure un revenu annuel qui ne dépasse pas le salaire de minime importance selon l'art. 34d al. 1 RAVS (actuellement: 2'300 fr.). Il n'a donc pas fixé de "franchise" générale pour le revenu de l'activité lucrative, respectivement pour l'activité exercée, en ce sens que chaque mère ayant droit pourrait exercer une activité lucrative quelconque durant la période en question sans perdre pour autant son droit, dans la mesure où le revenu ainsi obtenu n'excède pas le montant limite de 2'300 fr. (consid. 4.3; précision de la jurisprudence). Regesto Art. 16d cpv. 3 prima parte della frase LIPG; art. 25 OIPG; indennità di maternità. Il diritto all'indennità di maternità si estingue prima se la madre riprende un'attività lucrativa (art. 16d cpv. 3 prima parte della frase LIPG), rispettivamente il giorno in cui riprende l'attività lucrativa (art. 25 OIPG). Nella DTF 139 V 250 consid. 4.6, il Tribunale federale ha definito ciò che non può essere considerato come attività lucrativa (parziale) nel senso di queste disposizioni, ossia un'attività accessoria marginale che determina un reddito annuo che non supera il salario di poco conto di cui all'art. 34d cpv. 1 OAVS (attualmente: fr. 2'300.-). In questo modo non ha stabilito una "franchigia" generale per i redditi da lavoro, rispettivamente per l'attività esercitata, nel senso che ogni madre avente diritto potrebbe esercitare qualsiasi attività lucrativa durante il periodo in questione senza perdere il diritto, a condizione che il reddito percepito non raggiunga il limite di fr. 2'300.- (consid. 4.3; precisazione della giurisprudenza).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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