Justizze.

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Justizze. Art. 5 UVPV

Bundesgericht

Kantonische Ausscheidung einer Deponiezone im BLN-Schutzgebiet Zugersee: Schwere Beeinträchtigung der glazialen Landschaft und fehlende UVP im Sondernutzungsplanverfahren (Art. 6 Abs. 2 NHG i.V.m. Art. 6 Abs. 2 VBLN und Art. 5 Abs. 3 UVPV)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 II 133 · ATF 150 II 133 · DTF 150 II 133
Datum
01.01.2023
Geschäftsnummer
BGE 150 II 133
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 10a LPAmb Art. 10b LPAmb Art. 3 LPN Art. 6 LPN Art. 2 NHG Art. 3 NHG Art. 5 NHG Art. 6 NHG Art. 7 NHG Art. 5 OEIA Art. 9 PBG Art. 2 RPG Art. 25a RPG Art. 2 RPV Art. 3 RPV Art. 47 RPV Art. 10a USG Art. 10b USG Art. 30e USG Art. 1 UVPV Art. 5 UVPV Art. 6 UVPV Art. 1 VBLN Art. 5 VBLN Art. 6 VBLN Art. 7 VBLN

Zusammenfassung

Beschwerdeführende Privatpersonen und eine Gruppe von 22 Einsprecherinnen und Einsprechern erhoben Beschwerde gegen zwei Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Zug, mit denen dieses die Beschwerden gegen einen Beschluss der Baudirektion des Kantons Zug abgewiesen hatte. Die Baudirektion hatte am 4. Dezember 2019 eine kantonale Nutzungszone für Abfallanlagen im Gebiet Stockeri ausgeschieden, das Teil des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) ist. Die Beschwerdeführenden rügten eine Verletzung des Natur- und Heimatschutzes sowie eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung im Verfahren der Sondernutzungsplanung. Es war streitig, ob die Ausscheidung der Nutzungszone eine schwere Beeinträchtigung des BLN-Objekts darstellt und ob dafür ein gleich- oder höherwertiges nationales Interesse vorliegt, sowie ob bereits im Sondernutzungsplanverfahren eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen war.

Das Bundesgericht hob die angefochtenen Urteile des Verwaltungsgerichts und den Beschluss der Baudirektion vom 4. Dezember 2019 auf. Die Ausscheidung der kantonalen Nutzungszone für eine Deponie im Gebiet Stockeri stellt eine schwere Beeinträchtigung des BLN-Objekts „Zugersee“ dar, weil die geplante Aufschüttung eines künstlichen Hügels mit einer maximalen Höhe von 469 m.ü.M. die charakteristische glazial geprägte Landschaft mit ihren Drumlins und Rundhöckern massiv verfälscht und die Ablesbarkeit der Landschaftsentwicklung verunmöglicht; dies steht im Widerspruch zu Art. 6 Abs. 2 NHG i.V.m. Art. 6 Abs. 2 VBLN. Das nationale Interesse am Schutz der Landschaft überwiegt das öffentliche Interesse an der Umsetzung des Nutzungsplans, da die kantonalen Behörden nicht nachweisen konnten, dass keine geeigneten alternativen Standorte für die Ablagerung von unverschmutztem Aushubmaterial gefunden werden können, die nicht innerhalb einer geschützten Landschaft von nationaler Bedeutung liegen. Zudem war bereits im Verfahren der Sondernutzungsplanung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen, weil der Sondernutzungsplan wichtige Randbedingungen wie maximales Volumen (840'000 m³), maximale Höhe (469 m.ü.M.), Erschliessung, Betriebsdauer (12 Jahre) und Rekultivierungsauflagen festlegt, die im anschliessenden Bewilligungsverfahren verbindlich sind; dies folgt aus Art. 5 Abs. 3 UVPV i.V.m. Art. 10a Abs. 1 und Art. 10b USG. Der Bericht nach Art. 47 RPV genügte nicht den bundesrechtlichen Anforderungen an eine Umweltverträglichkeitsprüfung, da er nur vage umweltrechtlich relevante Aspekte ansprach und nicht die erforderliche umfassende Prüfung bot. Diese Entscheidung unterstreicht die zwingende frühzeitige und umfassende Prüfung von Umweltauswirkungen bei raumplanerisch komplexen Vorhaben in geschützten Gebieten.

Regeste

Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 Abs. 1 und 2 NHG; Art. 6 Abs. 1 und 2 VBLN; Art. 10a Abs. 1 und Art. 10b USG; Art. 5 Abs. 3 UVPV; Art. 25a RPG; Art. 3 RPV; Ausscheidung einer kantonalen Nutzungszone für die Errichtung einer Deponie im Perimeter eines BLN-Objekts; UVP-Pflicht im Verfahren der Sondernutzungsplanung. Die Ausscheidung der kantonalen Nutzungszone, welche die Errichtung einer Deponie für unverschmutzten Abfall mit Aufschüttung bis zu einer bestimmten Höhe ermöglicht, stellt eine schwerwiegende Beeinträchtigung des BLN-Gebiets dar (E. 4.4). Das nationale Interesse am Schutz der Landschaft überwiegt das Interesse an der Umsetzung des Nutzungsplans (E. 4.5). Weil der Sondernutzungsplan wichtige Randbedingungen festlegt, die im anschliessenden Verfahren zur Erteilung der Errichtungs- und Betriebsbewilligung verbindlich sind, wären bereits im Rahmen der Sondernutzungsplanung eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen und die umweltrechtlichen Aspekte möglichst umfassend zu prüfen gewesen (E. 5). Regeste Art. 3 al. 1 et art. 6 al. 1 et 2 LPN; art. 6 al. 1 et 2 OIFP; art. 10a al. 1 et art. 10b LPE; art. 5 al. 3 OEIE; art. 25a LAT; art. 3 OAT; délimitation d'une zone d'affectation cantonale pour l'aménagement d'une décharge dans le périmètre d'un objet IFP; obligation d'effectuer une EIE dans la procédure de plan d'affectation spécial. La délimitation d'une zone d'affectation cantonale destinée à l'aménagement d'une décharge pour déchets non polluants avec un remblayage d'une certaine hauteur porte une atteinte grave au site IFP (consid. 4.4). L'intérêt d'importance nationale à la protection du paysage l'emporte sur l'intérêt à la mise en oeuvre du plan d'affectation (consid. 4.5). Dès lors que le plan d'affectation spécial fixe des conditions importantes contraignantes pour la procédure ultérieure d'octroi de l'autorisation de construire et d'exploiter, il aurait fallu procéder à une étude d'impact sur l'environnement dès le stade de la planification spéciale et examiner de manière aussi complète que possible les aspects liés au droit de l'environnement (consid. 5). Regesto Art. 3 cpv. 1 e art. 6 cpv. 1 e 2 LPN; art. 6 cpv. 1 e 2 OIFP; art. 10a cpv. 1 e art. 10b LPAmb; art. 5 cpv. 3 OEIA; art. 25a LPT; art. 3 OPT; delimitazione di una zona di utilizzazione cantonale per la realizzazione di una discarica nel perimetro di un oggetto IFP; obbligo di effettuare un EIA nella procedura del piano di utilizzazione speciale. La delimitazione della zona cantonale di utilizzazione, destinata alla realizzazione di una discarica per rifiuti incontaminati con riempimento fino a una certa altezza, comporta un grave pregiudizio per il sito IFP (consid. 4.4). L'interesse d'importanza nazionale alla tutela del paesaggio prevale sull'interesse all'attuazione del piano di utilizzazione (consid. 4.5). Poiché il piano di utilizzazione speciale fissa condizioni marginali importanti, che sono vincolanti nell'ambito della procedura successiva di rilascio dell'autorizzazione a costruire e d'esercizio, già nel quadro della pianificazione speciale avrebbero dovuto essere effettuati un esame d'impatto ambientale ed esaminati nel modo più completo possibile gli aspetti inerenti alla protezione dell'ambiente (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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