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Justizze. Art. 2 BGÖ

Bundesgericht

Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement klagt gegen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Akteneinsicht bei der Schiedskommission: BGÖ ist auf Tarifgenehmigungsverfahren mit Einigungstarif anwendbar (Art. 2 Abs. 1 lit. a und Art. 3 Abs. 1 lit. a BGÖ)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 92 · ATF 148 II 92 · DTF 148 II 92
Datum
22.10.2021
Geschäftsnummer
1C_333/2020
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 83 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 93 BGG Art. 2 BGÖ Art. 3 BGÖ Art. 5 BGÖ Art. 6 BGÖ Art. 16 BGÖ Art. 30 BV Art. 55 URG Art. 58 URG Art. 59 URG

Zusammenfassung

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) erhob Beschwerde gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das die Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten verpflichtet hatte, einem Privatmann Zugang zu Unterlagen im Rahmen eines Tarifgenehmigungsverfahrens zu gewähren. Streitig war, ob das Bundesgesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (BGÖ) auf die Schiedskommission im Tarifgenehmigungsverfahren anwendbar ist. Das EJPD argumentierte, die Schiedskommission sei eine richterliche Behörde und daher vom BGÖ ausgenommen. Der Beschwerdegegner verlangte Einsicht in die Unterlagen zum Gemeinsamen Tarif GT 7 für die schulische Nutzung von Werken, der von fünf Verwertungsgesellschaften bei der Schiedskommission beantragt worden war und sich auf eine Einigung mit den Nutzerverbänden stützte.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements ab. Es stellte fest, dass die Schiedskommission gemäss Art. 7a Abs. 1 lit. a RVOV ausdrücklich zur dezentralen Bundesverwaltung gehört und damit in den persönlichen Geltungsbereich des BGÖ fällt. Im vorliegenden Fall handelte es sich um ein Tarifgenehmigungsverfahren mit einem Einigungstarif, bei dem sich die Verwertungsgesellschaften mit den Nutzerverbänden auf den Gemeinsamen Tarif GT 7 geeinigt hatten und keine Sitzung der Schiedskommission stattfand. Die Schiedskommission übte daher keine Streitentscheidungsfunktion aus, sondern agierte als Genehmigungsbehörde im öffentlichen Interesse, weshalb das Verfahren nicht vom sachlichen Geltungsbereich des BGÖ ausgenommen ist. Damit ist das BGÖ auf das vorliegende Tarifgenehmigungsverfahren anwendbar. Der Rückweisungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts stellt für das EJPD einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil dar, da das EJPD mangels Legitimation keine Möglichkeit hätte, eine neue Verfügung der Schiedskommission anzufechten, falls diese dem Zugangsgesuch entspricht. Die Beschwerde wurde daher abgewiesen. Keine Gerichtskosten wurden erhoben, und der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf Parteientschädigung. Die Entscheidung klärt die Anwendbarkeit des BGÖ auf ein spezifisches Verwaltungsverfahren einer ausserparlamentarischen Kommission und bestätigt die grundsätzliche Offenlegungspflicht auch bei Tarifgenehmigungsverfahren mit Einigung.

Regeste

Art. 2 Abs. 1 lit. a und Art. 3 Abs. 1 lit. a BGÖ; Art. 55 URG; Anwendung des BGÖ auf die Schiedskommission im Tarifgenehmigungsverfahren mit Einigungstarif. Die Eidgenössische Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten (Schiedskommission) gehört als ausserparlamentarische Kommission zur dezentralen Bundesverwaltung und fällt damit in den persönlichen Geltungsbereich des BGÖ (E. 5.1-5.4). Ausnahme nach Art. 3 Abs. 1 lit. a BGÖ anwendbar? (E. 5.4). Chronologischer Überblick der Entwicklung des Tarifgenehmigungsverfahrens und der Schiedskommission sowie der diesbezüglichen Rechtsprechung des Bundesgerichts (E. 6). Im vom Informationszugangsgesuch betroffenen Tarifgenehmigungsverfahren wurde der Schiedskommission ein Einigungstarif vorgelegt. Diese führte weder eine Sitzung noch eine mündliche Anhörung der Parteien durch. Sie nahm keine Streitentscheidungsfunktion wahr, sondern amtete als Genehmigungsbehörde, die in der Wahrung des öffentlichen Interesses agiert (E. 7.4). Das vorliegend betroffene Tarifgenehmigungsverfahren unterliegt dem BGÖ (E. 7.5). Regeste Art. 2 al. 1 let. a et art. 3 al. 1 let. a LTrans; art. 55 LDA; application de la LTrans à la Commission arbitrale dans la procédure d'approbation des tarifs en cas d'accord sur le tarif. La Commission arbitrale fédérale pour la gestion de droits d'auteur et de droits voisins (Commission arbitrale) fait partie de l'administration fédérale décentralisée en tant que commission extraparlementaire et entre ainsi dans le champ d'application à raison de la personne de la LTrans (consid. 5.1-5.4). Cas d'application de l'art. 3 al. 1 let. a LTrans? (consid. 5.4). Aperçu de l'évolution chronologique de la procédure d'approbation des tarifs, de la Commission arbitrale ainsi que de la jurisprudence du Tribunal fédéral rendue en la matière (consid. 6). La Commission arbitrale s'est vu soumettre un tarif sur lequel les parties se sont accordées dans la procédure d'approbation concernée par la demande d'accès aux documents. Elle n'a ainsi pas tenu de séance ni entendu oralement les parties. Elle n'a pas agi comme autorité de résolution des litiges mais comme autorité d'approbation en vue de la sauvegarde de l'intérêt public (consid. 7.4). La LTrans s'applique à la procédure d'approbation des tarifs litigieuse en l'espèce (consid. 7.5). Regesto Art. 2 cpv. 1 lett. a e art. 3 cpv. 1 lett. a LTras; art. 55 LDA; applicazione della LTras alla Commissione arbitrale nella procedura di approvazione delle tariffe in caso di accordo sulla tariffa. La Commissione arbitrale federale per la gestione dei diritti d'autore e dei diritti affini (Commissione arbitrale) fa parte, quale commissione extraparlamentare, dell'amministrazione federale decentralizzata e rientra quindi nel campo di applicazione personale della LTras (consid. 5.1-5.4). Caso di applicazione dell'eccezione secondo l'art. 3 cpv. 1 lett. a LTras? (consid. 5.4). Panoramica cronologica dell'evoluzione della procedura di approvazione delle tariffe e della Commissione arbitrale nonché della relativa giurisprudenza del Tribunale federale (consid. 6). Nella procedura di approvazione della tariffa interessata dalla domanda di accesso, alla Commissione arbitrale è stato sottoposto un accordo sulla tariffa. La Commissione arbitrale non ha tenuto una seduta né ha sentito oralmente le parti. Non ha svolto una funzione di autorità di risoluzione delle liti, ma ha agito come autorità di approvazione operante a tutela dell'interesse pubblico (consid. 7.4). Nella fattispecie, la LTras si applica alla procedura di approvazione delle tariffe litigiosa (consid. 7.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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