Justizze.

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Justizze. Art. 130 OR

Bundesgericht

Asbestopfer: Absolute Verjährung beginnt erst mit Ende der Exposition, da kausaler Zeitpunkt unbestimmbar ist; Sache zur neuen Beurteilung zurückgewiesen (Art. 60 Abs. 1 OR)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 III 14 · ATF 146 III 14 · DTF 146 III 14
Datum
06.11.2019
Geschäftsnummer
4A_299/2013
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 41 OR Art. 45 OR Art. 60 OR Art. 127 OR Art. 130 OR Art. 85a SchKG Art. 86 ZPO Art. 60 nOR Art. 128a nOR

Zusammenfassung

Die Erben eines 2004 verstorbenen Arbeitnehmers klagen gegen dessen ehemalige Arbeitgeberin auf Schadenersatz und Genugtuung wegen eines malignen Pleuramesothelioms, das durch berufliche Asbestexposition zwischen 1961 und 1998 verursacht wurde. Die Beklagte bestreitet die Haftung und beruft sich auf absolute Verjährung, da die intensive Exposition bereits vor 1985 stattgefunden habe. Zudem verlangt sie widerklageweise die negative Feststellung, dass keine weiteren Ansprüche bestehen, nachdem die Klägerin zur Unterbrechung der Verjährung eine Betreibung über 850'000 Franken eingeleitet hatte. Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab und gaben der Widerklage statt, indem sie annahmen, die Verjährungsfrist sei mit der ersten intensiven Exposition zu laufen begonnen und längst abgelaufen.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde teilweise gut, hebt das Urteil des Obergerichts auf und weist die Sache zur materiellen Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Zwar bestätigt das Gericht, dass die absolute Verjährungsfrist für vertragliche und ausservertragliche Ansprüche grundsätzlich mit der schädigenden Handlung beginnt (Art. 127 i.V.m. Art. 130 Abs. 1 OR sowie Art. 60 Abs. 1 OR), doch liegt hier eine Besonderheit vor. Da der Verstorbene während seines gesamten Arbeitsverhältnisses bis zum 31. Januar 1998 ununterbrochen Asbeststaub ausgesetzt war und medizinisch nicht bestimmbar ist, wann genau die kausale Faser eingeatmet wurde, handelt es sich um eine dauerhafte schädigende Handlung. Die absolute Verjährung beginnt daher erst mit dem Ende dieser Exposition, also am 31. Januar 1998, und nicht bereits mit der ersten intensiven Belastung in den 1960er Jahren. Zum Zeitpunkt des ersten Verjährungsverzichts im Jahr 2004 waren die Ansprüche somit noch nicht absolut verjährt.

Hinsichtlich der Widerklage bejaht das Bundesgericht das Feststellungsinteresse der Beklagten. Da die Kläger eine Teilklage erhoben haben, steht der Beklagten das Recht zu, den Nichtbestand des gesamten Forderungsverhältnisses gerichtlich feststellen zu lassen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Hauptforderung verjährt ist oder nicht. Die Vorinstanz hat daher zu Recht auf die Widerklage eingetreten, muss nun aber die materielle Frage der Pflichtwidrigkeit und Kausalität neu prüfen, da die Verjährungseinrede für die Hauptansprüche hinfällig geworden ist.

Kostenseitig obsiegen die Beschwerdeführer in der Hauptfrage der Verjährung, was stärker gewichtet wird als ihre Niederlage bezüglich der Widerklage. Ihnen wird daher nur ein Zehntel der Gerichtskosten auferlegt, und die Beschwerdegegnerin hat ihnen eine Parteientschädigung von 6'400 Franken zu entrichten.

Regeste

Art. 60 Abs. 1 OR; Art. 127 i.V.m. Art. 130 Abs. 1 OR; Schadenersatzansprüche der Erben eines Asbestopfers; Beginn der absoluten Verjährung vertraglicher und ausservertraglicher Ansprüche. Keine Änderung der Rechtsprechung nach dem Urteil des EGMR in Sachen Howald Moor und andere gegen Schweiz vom 11. März 2014 in dem Sinne, dass die absolute Verjährungsfrist nicht zu laufen beginne, solange der Schaden nicht bekannt sei (E. 4). Wenn der Geschädigte ununterbrochen Asbeststaub ausgesetzt war und sich aus medizinischer Sicht der genaue Zeitpunkt, in dem die Krankheit ausgelöst wurde, nicht bestimmen lässt, entspricht das schädigende Verhalten der Dauer der Asbestexposition. Die Asbestexposition stellt eine Dauerhandlung dar, sodass - unter der Annahme, dass während der ganzen Dauer des Arbeitsverhältnisses keine entsprechenden Schutzmassnahmen ergriffen worden sind - die absolute Verjährung mit Abschluss der Asbestexposition beginnt (E. 5 und 6). Regeste Art. 60 al. 1 CO; art. 127 en relation avec l'art. 130 al. 1 CO; prétentions en dommages-intérêts des héritiers d'une victime de l'amiante; point de départ du délai de prescription absolu de l'action en dommages-intérêts au regard de la responsabilité contractuelle et de la responsabilité délictuelle. A la suite de l'arrêt rendu le 11 mars 2014 par la CourEDH dans la cause Howald Moor et autres contre Suisse, le Tribunal fédéral n'a pas modifié sa jurisprudence en ce sens que le délai de prescription absolu ne commencerait pas à courir aussi longtemps que le dommage n'est pas connu (consid. 4). Lorsque le lésé a été exposé de façon ininterrompue à des poussières d'amiante sans qu'il ne soit possible de déterminer, d'un point de vue médical, le moment exact de la survenance de la maladie, le comportement dommageable perdure durant toute l'exposition à l'amiante. Celle-ci est un comportement qui s'inscrit dans la durée, de sorte que - à supposer qu'aucune mesure de protection appropriée n'ait été prise tout au long des rapports de travail - le délai de prescription absolu commence à courir lorsque l'exposition à l'amiante prend fin (consid. 5 et 6). Regesto Art. 60 cpv. 1 CO; art. 127 in relazione con l'art. 130 cpv. 1 CO; pretese di risarcimento danni degli eredi di una vittima dell'amianto; inizio della prescrizione assoluta di pretese contrattuali ed extracontrattuali. Dopo l'emanazione della sentenza 11 marzo 2014 della CorteEDU in re Howald Moor e altri contro la Svizzera, il Tribunale federale non ha modificato la sua giurisprudenza nel senso che, fino al momento in cui il danno non sia noto, la prescrizione assoluta non comincerebbe a decorrere (consid. 4). Se il danneggiato era ininterrottamente esposto alla polvere di amianto e se da un punto di vista medico non è possibile determinare il momento in cui la malattia è stata provocata, il comportamento dannoso corrisponde alla durata dell'esposizione all'amianto. L'esposizione all'amianto costituisce un atto permanente per cui, supponendo che nel corso dell'intera durata del rapporto di lavoro non siano state adottate misure di protezione adeguate, la prescrizione assoluta inizia a decorrere quando l'esposizione all'amianto è terminata (consid. 5 e 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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