Gemeinde Galgenen verweigert Kostenübernahme für ausserkantonale Heimplatzierung eines minderjährigen Kindes: Unterstützungswohnsitz bleibt am letzten gemeinsamen Wohnsitz mit Elternteil trotz Fremdplatzierung (Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 143 V 451 · ATF 143 V 451 · DTF 143 V 451
- Datum
- 21.11.2017
- Geschäftsnummer
- 8C_285/2017
- Abteilung
- I. sozialrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 95 BGG Art. 106 BGG Art. 108 BGG Art. 29 BV Art. 48 BV Art. 48a BV Art. 49 BV Art. 115 BV Art. 1 IVSE/SZ Art. 4 IVSE/SZ Art. 2 SEG/SZ Art. 10 SEG/SZ Art. 20 SEG/SZ Art. 11 ShG/SZ Art. 18 ShG/SZ Art. 25 ZGB Art. 310 ZGB Art. 311 ZGB Art. 1 ZUG Art. 4 ZUG Art. 7 ZUG Art. 9 ZUG Art. 12 ZUG Art. 14 ZUG
Zusammenfassung
Die Gemeinde Galgenen erhob Beschwerde gegen den Entscheid des Regierungsrats des Kantons Schwyz, wonach sie für die subsidiäre Kostengutsprache der Heimunterbringung des minderjährigen C.________ in den sozialpädagogischen Wohngruppen A.________ in Uznach/SG zuständig sei. Streitig war, ob der unterstützungsrechtliche Wohnsitz von C.________ nach der Fremdplatzierung an seinem Aufenthaltsort in Uznach/SG oder am Wohnsitz seines Vaters in Galgenen/SZ zu bestimmen sei. Die Gemeinde Galgenen argumentierte, die Interkantonale Vereinbarung für soziale Einrichtungen (IVSE) führe zu einem Wohnsitzwechsel, während der Regierungsrat und das Verwaltungsgericht des Kantons Schwyz auf den zivilrechtlichen Wohnsitz beim Vater abstellten und diesen als massgeblichen Unterstützungswohnsitz ansahen.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Zuständigkeit der Gemeinde Galgenen. Es stellte fest, dass C.________ bei Anordnung der Fremdplatzierung am 29. Juni 2016 seinen zivilrechtlichen Wohnsitz beim Vater in Galgenen/SZ hatte, wie bereits der Entscheid des Bezirksgerichts March vom 17. Juni 2014 festgestellt hatte. Da die KESB Ausserschwyz den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht nach Art. 310 Abs. 1 ZGB entzogen und C.________ auf unbestimmte Zeit in den Wohngruppen A.________ untergebracht hatte, lag eine dauerhafte Fremdplatzierung im Sinne von Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG vor. Damit bestimmte sich der unterstützungsrechtliche Wohnsitz von C.________ am letzten gemeinsamen Wohnsitz mit einem Elternteil, also in Galgenen/SZ. Das Bundesgericht verwies darauf, dass die IVSE als interkantonale Vereinbarung nicht über das Bundesrecht (ZUG) hinausgehen darf und ein Ergebnis, das die Durchführung einer bundesrechtskonformen Kindesschutzmassnahme behindern würde, gegen Art. 48 Abs. 3 BV und Art. 49 Abs. 1 BV verstösst. Daher ist der Unterstützungswohnsitz nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG massgebend, nicht der zivilrechtliche Wohnsitz nach Art. 25 Abs. 1 ZGB, wie ihn die IVSE zugrunde legt. Die Gemeinde Galgenen ist somit sowohl interkantonal als auch innerkantonal zuständig für die subsidiäre Kostengutsprache. Die Gerichtskosten von Fr. 2000.– wurden der Gemeinde Galgenen auferlegt; zudem hat sie die Sozialpädagogischen Wohngruppen A.________ mit Fr. 2800.– zu entschädigen. Die Entscheidung klärt die Priorität des Bundesrechts (ZUG) gegenüber interkantonalen Vereinbarungen (IVSE) bei der Bestimmung des Unterstützungswohnsitzes minderjähriger Kinder nach dauerhafter Fremdplatzierung und bekräftigt die Rechtsprechung zur Unveränderlichkeit des Unterstützungswohnsitzes bei solchen Massnahmen.
Regeste
Art. 48 Abs. 1 und 3, Art. 49 Abs. 1 BV; Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG; Art. 4 lit. d IVSE; Unterstützungswohnsitz eines in einem ausserkantonalen Heim untergebrachten Kindes. Wird in einer interkantonalen Vereinbarung die Anwendung von Bundesrecht vorgesehen, handelt es sich beim verwiesenen Recht um (inter-)kantonales Recht im Sinne von Art. 48 Abs. 3 und Art. 49 Abs. 1 BV (E. 9.3). Entgegen Art. 4 lit. d IVSE bestimmt sich der Unterstützungswohnsitz eines dauernd fremdplatzierten Kindes nach Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG und nicht nach dem infolge Verweises in Art. 4 lit. d IVSE als (inter-)kantonales Recht geltenden Art. 25 ZGB (E. 9.4). Regeste Art. 48 al. 1 et 3, art. 49 al. 1 Cst.; art. 7 al. 3 let. c LAS; art. 4 let. d de la Convention intercantonale relative aux institutions sociales (CIIS); le domicile d'assistance d'un enfant placé dans un home hors du canton. Si une convention intercantonale prévoit l'application du droit fédéral, le droit auquel il est renvoyé relève du droit (inter)cantonal au sens des art. 48 al. 3 et art. 49 al. 1 Cst. (consid. 9.3). Contrairement à l'art. 4 let. d CIIS, le domicile d'assistance d'un enfant qui est placé de façon durable se détermine d'après l'art. 7 al. 3 let. c LAS et non pas selon l'art. 25 CC, s'appliquant à titre de droit (inter)cantonal, auquel l'art. 4 let. d CIIS renvoie (consid. 9.4). Regesto Art. 48 cpv. 1 e 3, art. 49 cpv. 1 Cost.; art. 7 cpv. 3 lett. c LAS; art. 4 lett. d della Convenzione intercantonale per le istituzioni sociali (CIIS); domicilio assistenziale di un minorenne in affidamento a un istituto fuori Cantone. Se un concordato intercantonale prevede l'applicazione del diritto federale, le disposizioni legali applicate su rinvio hanno il carattere di diritto (inter-)cantonale a norma dell'art. 48 cpv. 3 e dell'art. 49 cpv. 1 Cost. (consid. 9.3). Contrariamente all'art. 4 lett. d CIIS, il domicilio assistenziale di un minorenne dato durevolmente in affidamento è determinato dall'art. 7 cpv. 3 lett. c LAS e non dall'art. 25 CC a valere come diritto (inter-)cantonale in virtù del rinvio contenuto nell'art. 4 lett. d CIIS (consid. 9.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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