Justizze.

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Justizze. Art. 26 DBA

Bundesgericht

Niederländische Steuerbehörde stellt Gruppenersuchen ohne Namensnennung an Schweiz: Amtshilfe zulässig, da Identifikation über Bankkonto ausreicht (Art. 26 DBA-CH-NL)

BGE / ATF / DTF
BGE 143 II 136 · ATF 143 II 136 · DTF 143 II 136
Datum
12.09.2016
Geschäftsnummer
2C_276/2016
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 83 BGG Art. 84 BGG Art. 84a BGG Art. 95 BGG Art. 96 BGG Art. 26 DBA Art. 29 DBA Art. 26 DBA-CH-NL Art. 26 OECD-Kommentar Art. 1 StAhiG Art. 3 StAhiG Art. 6 StAhiG Art. 8 StAhiG Art. 14a StAhiG Art. 16 StAhiG Art. 2 StAhiV Art. 26 VRK Art. 31 VRK Art. 32 VRK Art. 33 VRK

Zusammenfassung

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) erhielt ein Amtshilfegesuch der niederländischen Steuerbehörde (BD) betreffend Personen, die bei der UBS Switzerland AG Konten unterhalten und bestimmte steuerliche Kriterien erfüllten, ohne dass deren Namen genannt waren. Die ESTV ordnete daraufhin die Amtshilfe für die betroffene Person A.________ an. Diese erhob Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, das die Verfügung aufhob und die Amtshilfe verweigerte. Die ESTV legte daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht ein. Streitpunkt war, ob ein Gruppenersuchen ohne Namensnennung im Rahmen des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen der Schweiz und den Niederlanden zulässig ist und ob das vorliegende Ersuchen den Anforderungen an eine zulässige Rasterfahndung genügt.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und bestätigte die Schlussverfügung der ESTV, wonach Amtshilfe zu leisten ist. Es stellte fest, dass Gruppenersuchen ohne Namensnennung im Rahmen des DBA CH-NL zulässig sind, weil das Protokoll zum Abkommen nicht zwingend den Namen verlangt und die Verständigungsvereinbarung ausdrücklich alternative Identifikationsmittel wie etwa eine Bankkontonummer zulässt. Der Wortlaut des Protokolls (Ziff. XVI Bst. b Unterabsatz i) sei nicht abschliessend, sondern exemplarisch; die Verständigungsvereinbarung sei durch einen vom Parlament genehmigten Bundesbeschluss ausdrücklich ermächtigt und bilde daher eine verbindliche Auslegungshilfe. Ferner entspricht das niederländische Ersuchen den Anforderungen an eine zulässige Rasterfahndung, da es eine detaillierte Beschreibung der betroffenen Gruppe, konkrete Tatsachen und Umstände sowie eine klare Begründung enthält, weshalb die betroffenen Personen ihre steuerlichen Verpflichtungen wahrscheinlich nicht erfüllt haben. Das Ersuchen ist damit von einer unzulässigen Fishing Expedition abzugrenzen. Auch die Einwendung des Beschwerdegegners, er habe das Schreiben der UBS zur Steuerkonformität nicht erhalten, weil es banklagernd zugestellt worden sei, wies das Bundesgericht zurück: Es gehe davon aus, dass ein Bankkunde innerhalb eines Jahres Kenntnis von banklagernder Korrespondenz erlangt, was insbesondere angesichts der wirtschaftlichen Risiken einer solchen Vereinbarung und der aktuellen Entwicklungen im internationalen Steuerrecht glaubhaft sei. Die Entscheidung beruht auf Art. 26 DBA-CH-NL, dem Protokoll dazu, der Verständigungsvereinbarung, Art. 32 VRK, Art. 33 VRK, Art. 1 Abs. 1 StAhiG, Art. 1 Abs. 3 StAhiG, Art. 3 lit. c StAhiG, Art. 14a StAhiG, Art. 6 Abs. 2bis StAhiG, Art. 8 Abs. 2 StAhiG, Art. 2 Abs. 1 StAhiV sowie dem OECD-Kommentar zu Art. 26 OECD-MA. Der Beschwerdegegner trägt die Gerichtskosten von Fr. 4'000.--. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie erstmals klärt, dass Gruppenersuchen ohne Namensnennung im Rahmen revidierter Doppelbesteuerungsabkommen zulässig sind, sofern sie die Vorgaben des OECD-Standards erfüllen.

Regeste

Art. 26 DBA CH-NL; Ziff. XVI des Protokolls zum DBA CH-NL; Verständigungsvereinbarung über die Auslegung von Ziff. XVI Bst. b des Protokolls zum DBA CH-NL; Art. 1 StAhiG; Art. 2 StAhiV; rechtliche Grundlage für die Leistung internationaler Steueramtshilfe; Zulässigkeit von Gruppenersuchen (ohne Namensnennung) der Niederlande. Das StAhiG regelt das Verfahren und die Ausführung der internationalen Steueramtshilfe; es bildet keine eigenständige Rechtsgrundlage für eine autonome Amtshilfe (E. 4). Die rechtliche Grundlage für die Leistung von Amtshilfe bei Gruppenersuchen muss sich aus dem einschlägigen DBA ergeben (E. 5). Das DBA CH-NL, das Protokoll, welches integrierenden Bestandteil des Abkommens bildet, sowie die Verständigungsvereinbarung sind bei der Auslegung als Einheit zu betrachten (E. 5.3.2). Die Verständigungsvereinbarung bringt klar zum Ausdruck, dass die Vertragsparteien eine ausdrückliche Namensnennung im Amtshilfeersuchen nicht als erforderlich erachten (E. 5.3.4). In casu keine unzulässige Fishing Expedition (E. 6). Regeste Art. 26 CDI CH-NL; ch. XVI du Protocole à la CDI CH-NL; Accord amiable concernant l'interprétation de la let. b du ch. XVI du Protocole à la CDI CH-NL; art. 1 LAAF; art. 2 OAAF; base légale pour l'octroi de l'assistance administrative internationale en matière fiscale; recevabilité de demandes groupées (sans indication de noms) en provenance des Pays-Bas. La LAAF régit la procédure et la mise en oeuvre de l'assistance administrative internationale en matière fiscale; elle ne fonde pas une base légale à part entière pour l'octroi autonome de l'assistance administrative (consid. 4). Les fondements juridiques pour l'octroi de l'assistance administrative en cas de demandes groupées doivent être recherchés dans la CDI déterminante (consid. 5). La CDI CH-NL, le Protocole qui en fait partie intégrante, ainsi que l'accord amiable sont à considérer comme un tout lors de l'interprétation (consid. 5.3.2). L'accord amiable exprime clairement l'idée selon laquelle les hautes parties contractantes ne considèrent pas comme indispensable l'indication expresse de noms dans la demande d'assistance administrative (consid. 5.3.4). In casu, il n'y a pas eu de fishing expedition inadmissible (consid. 6). Regesto Art. 26 CDI CH-NL; n. XVI del Protocollo concernente la CDI CH-NL; Accordo amichevole relativo all'interpretazione della lett. b del n. XVI del Protocollo concernente la CDI CH-NL; art. 1 LAAF; art. 2 OAAF; base legale per la concessione dell'assistenza amministrativa internazionale in materia fiscale; ammissibilità di domande raggruppate (senza menzione dei nomi) provenienti dai Paesi Bassi. La LAAF disciplina la procedura e l'attuazione dell'assistenza amministrativa internazionale in materia fiscale; essa non costituisce una base legale indipendente per la concessione autonoma dell'assistenza amministrativa (consid. 4). In caso di domande raggruppate la base legale per la concessione dell'assistenza amministrativa deve risultare dalla CDI determinante (consid. 5). La CDI CH-NL, il Protocollo che ne fa parte integrante, nonché l'Accordo amichevole devono essere considerati come un'unità interpretativa (consid. 5.3.2). L'Accordo amichevole esprime chiaramente l'idea secondo cui gli Stati contraenti non ritengono indispensabile l'indicazione esplicita dei nomi nella domanda di assistenza amministrativa (consid. 5.3.4). In concreto non vi è stata una "fishing expedition" inammissibile (consid. 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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