Versicherter beansprucht zusätzliche Austrittsleistung für Beiträge an Pensionskasse: Kein Anspruch, da Beiträge keine versicherten Leistungen sind und Überbrückungsrenten nicht kapitalgedeckt (Art. 17 Abs. 2 lit. c FZG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 142 V 129 · ATF 142 V 129 · DTF 142 V 129
- Datum
- 19.02.2016
- Geschäftsnummer
- BGE 142 V 129
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 32k BPG Art. 1 BVG Art. 65a BVG Art. 67 BVG Art. 72a BVG Art. 1f BVV Art. 47 BVV Art. 15 FZG Art. 16 FZG Art. 17 FZG Art. 6 FZV Art. 17 LFLP Art. 89a ZGB
Zusammenfassung
Ein Versicherter war bei einer Vorsorgestiftung für überobligatorische berufliche Vorsorge versichert und verlangte bei seinem Austritt im Jahr 2013 neben der berechneten Freizügigkeitsleistung von Fr. 79'671.70 zusätzlich Fr. 298'254.- für Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge, die die Stiftung an seine Basis-Pensionskasse geleistet hatte. Er argumentierte, diese Beiträge seien versicherte temporäre Leistungen im Sinne des Freizügigkeitsgesetzes und müssten daher in die Austrittsleistung einbezogen werden. Das kantonale Sozialversicherungsgericht wies die Klage ab. Der Versicherte erhob Beschwerde ans Bundesgericht.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die von der Vorsorgestiftung an die Pensionskasse geleisteten Beiträge keine versicherten Leistungen im Sinne von Art. 16 Abs. 2 und 3 Satz 1 FZG darstellen, weil sie lediglich eine Zahlungsverpflichtung zwischen zwei Vorsorgeeinrichtungen sind und die finanzielle Stellung des Versicherten unmittelbar nicht beeinflussen; sie dienen ausschliesslich der Sicherstellung einer ungekürzten Altersrente in der Basisvorsorge. Die AHV-Rente und die PK-Ersatzrente gemäss Art. 12 des Reglements hingegen sind temporäre Leistungen, die als Überbrückungsrenten im Sinne von Art. 17 Abs. 2 lit. c FZG qualifiziert werden, weil sie bei vorzeitiger Pensionierung ab Alter 60 bis zur reglementarischen Pensionierung ausgerichtet werden. Diese Leistungen dürfen bei der Barwertbestimmung nach Art. 16 FZG weggelassen werden, weil sie nicht im Kapitaldeckungsverfahren finanziert werden: Die Mittel stammen aus der Auflösung technischer Rückstellungen oder aus freien Mitteln, was nach Art. 32k Abs. 2 BPG, Art. 72a Abs. 1 lit. d BVG und Art. 47 Abs. 2 BVV 2 nicht als planmässige Äufnung von Deckungskapital gilt. Schliesslich besteht nach Art. 2 Abs. 2 FZG nur ein Anspruch auf eine integrale Austrittsleistung; eine Kumulation der reglementarischen und gesetzlichen Berechnungsmethoden ist ausgeschlossen, wie Art. 1 Abs. 3 BVG, Art. 1f BVV 2 und Art. 89a Abs. 6 Ziff. 1 ZGB bestätigen. Damit war auch der Eventualantrag auf einen Mindestbetrag nach Art. 17 Abs. 1 und 5 FZG unbegründet. Die Beschwerde war insgesamt unbegründet.
Die Entscheidung klärt zentral, dass Beitragszahlungen an eine andere Vorsorgeeinrichtung nicht als versicherte Leistung gelten und dass die Qualifikation als Überbrückungsrente nicht allein vom zeitlichen Aspekt, sondern auch vom Finanzierungssystem abhängt. Sie präzisiert die Anforderungen an das Kapitaldeckungsverfahren und stellt klar, dass technische Rückstellungen nicht als planmässig geäufnetes Deckungskapital gelten.
Regeste
Art. 2 Abs. 2, Art. 16 Abs. 1-3, Art. 17 Abs. 2 lit. c und Abs. 5 FZG; Höhe der Austrittsleistung bei Vorsorgeeinrichtungen im Leistungsprimat. Für die Berechnung des Barwertes gelten nur Vorsorgeleistungen, nicht aber die (Vor-)Finanzierung von solchen als "versicherte Leistungen" im Sinne von Art. 16 Abs. 2 und 3 Satz 1 FZG (E. 5.3). Die reglementarischen Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung, welche der Überbrückung sowohl der AHV-Altersrente als auch einer Altersrente aus beruflicher Vorsorge dienen, sind "Überbrückungsrenten" im Sinne von Art. 17 Abs. 2 lit. c FZG (E. 5.4). Für die Frage, nach welchem System die Leistungen einer Vorsorgeeinrichtung finanziert werden, ist nicht allein der zeitliche Aspekt massgeblich; ebenso entscheidend ist, ob die entsprechenden Beiträge zu einer planmässigen Äufnung von Deckungskapital führen (E. 6.3). Stammen die Mittel für die fragliche Leistung aus der Auflösung technischer Rückstellungen resp. aus freien Mitteln, so wurde sie nicht im Kapitaldeckungsverfahren finanziert (E. 6.5). Es besteht nur Anspruch auf eine, d.h. integrale Austrittsleistung; bei deren Berechnung nach den gesetzlichen Bestimmungen verbleibt kein Raum für eine Kumulation innerhalb dieser Ordnung (E. 7.3). Regeste Art. 2 al. 2, art. 16 al. 1-3, art. 17 al. 2 let. c et al. 5 LFLP; montant de la prestation de sortie dans les institutions de prévoyance appliquant le système de la primauté des prestations. Pour le calcul de la valeur actuelle valent comme "prestations assurées" au sens de l'art. 16 al. 2 et 3 première phrase LFLP seulement les prestations de prévoyance mais pas le (pré)financement de telles prestations (consid. 5.3). Les prestations règlementaires en cas de retraite anticipée, qui sont prévues pour la période transitoire jusqu'à la rente de vieillesse de l'AVS et de la prévoyance professionnelle sont des "rentes transitoires" au sens de l'art. 17 al. 2 let. c LFLP (consid. 5.4). Pour trancher la question du système selon lequel sont financées les prestations d'une institution de prévoyance, l'aspect temporel n'est pas seul déterminant; est aussi décisif le point de savoir si les cotisations correspondantes conduisent à une constitution méthodique du capital de couverture (consid. 6.3). Si les fonds pour la prestation en question proviennent de la dissolution de provisions techniques, respectivement de fonds libres, alors cette prestation n'a pas été financée selon le système de capitalisation (consid. 6.5). Il existe seulement un droit à une prestation de sortie, c'est-à-dire une prestation de sortie intégrale; pour le calcul de celle-ci selon les dispositions légales, il n'y a pas de place pour un cumul à l'intérieur de ce régime (consid. 7.3). Regesto Art. 2 cpv. 2, art. 16 cpv. 1-3, art. 17 cpv. 2 lett. c e cpv. 5 LFLP; importo della prestazione d'uscita negli istituti di previdenza che applicano il sistema del primato delle prestazioni. Per il calcolo del valore attuale valgono come "prestazioni assicurate" ai sensi dell'art. 16 cpv. 2 e 3 prima frase LFLP solo le prestazioni di previdenza, non però il loro (pre)finanziamento (consid. 5.3). Le prestazioni regolamentari in caso di pensionamento anticipato, che sono previste per il periodo transitorio fino alla rendita di vecchiaia dell'AVS e della previdenza professionale, sono "rendite transitorie" ai sensi dell'art. 17 cpv. 2 lett. c LFLP (consid. 5.4). Per decidere la questione del sistema secondo cui debbano essere finanziate le prestazioni di un istituto di previdenza, il solo aspetto temporale non è determinante; altrettanto decisivo è sapere se i contributi corrispondenti portano alla costituzione pianificata del capitale di copertura (consid. 6.3). Se i mezzi per queste prestazioni provengono dallo scioglimento delle riserve tecniche, rispettivamente dei fondi liberi, allora tale prestazione non è stata finanziata mediante il sistema di capitalizzazione (consid. 6.5). Vi è solo il diritto a una prestazione d'uscita, ossia a una prestazione d'uscita integrale; per il suo calcolo, secondo le disposizioni legali, non vi è spazio per un cumulo nell'ambito di questo regime (consid. 7.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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