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Justizze. Art. 301a ZGB

Bundesgericht

Vater beantragt bei Wegzug der Mutter nach Solothurn geteilte Obhut und Regelung des Besuchsrechts: Kantonal entschieden ohne Sachverhaltsfeststellung und ohne Prüfung der Anpassung des Eltern-Kind-Verhältnisses (Art. 301a Abs. 5 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 III 502 · ATF 142 III 502 · DTF 142 III 502
Datum
11.08.2016
Geschäftsnummer
5A_581/2015
Abteilung
II. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 75 BGG Art. 301a ZGB

Zusammenfassung

Ein unverheiratetes Elternpaar hatte vereinbart, die elterliche Sorge gemeinsam auszuüben und bei Trennung die Obhut der Mutter zuzustehen. Nach einer erneuten Trennung plante die Mutter, mit dem Kind von U.________ bei Interlaken nach Solothurn zu ziehen. Der Vater beantragte bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB), der Mutter die Wohnsitzverlegung zu verbieten und die Obhut zu regeln. Die KESB erteilte die Zustimmung zur Verlegung, ohne die Obhuts- oder Betreuungsregelung anzupassen. Das Obergericht des Kantons Bern wies die Beschwerde des Vaters ab. Der Vater erhob Beschwerde in Zivilsachen ans Bundesgericht und verlangte die Aufhebung der kantonalen Entscheide sowie die Anordnung einer geteilten Obhut mit hälftiger Betreuung oder zumindest die Zurückweisung der Sache zur Neubeurteilung.

Das Bundesgericht hob den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern auf und verwies die Sache zur neuen Entscheidung zurück. Es stellte fest, dass der angefochtene Entscheid keinerlei Sachverhaltsfeststellungen enthielt, sondern lediglich die Parteistandpunkte zusammenfasste – insbesondere fehlte eine konkrete Darstellung des bisher gelebten Betreuungsmodells, etwa wie viele Tage pro Woche das Kind beim Vater war und in welchem Rahmen. Damit war keine Grundlage für die Beurteilung der „erheblichen Auswirkungen“ des Umzugs nach Solothurn im Sinne von Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB gegeben. Zudem verletzten die kantonalen Instanzen Art. 301a Abs. 5 ZGB, weil sie trotz des klaren Begehrens des Vaters weder die Obhuts- noch die Betreuungsregelung anpassten noch den persönlichen Verkehr regelten, obwohl dies bei zustimmungsbedürftigem Umzug zwingend erforderlich ist. Das Bundesgericht betonte die enge Interdependenz zwischen der Bewilligung des Umzugs und der Neuregelung des Eltern-Kind-Verhältnisses: Ein tragfähiger Entscheid über den Umzug setzt stets eine Vorstellung davon voraus, wie das zukünftige Betreuungs- oder Besuchskonzept bei Mitgehen oder Verbleiben des Kindes aussehen würde. Da weder der Sachverhalt festgestellt noch die gesetzlichen Anforderungen an die Entscheidgrundlage erfüllt waren, musste die Sache zur Erstellung eines rechtserheblichen Sachverhalts – einschliesslich des tatsächlich gelebten Betreuungskonzepts vor dem Umzug, der Konturen des Wegzugs, der Bedürfnisse des Kindes und der tatsächlichen Betreuungsmöglichkeiten der Eltern – zurückverwiesen werden. Das Bundesgericht wies ausdrücklich darauf hin, dass das Obergericht bei seiner neuen Entscheidung vom aktuellen Stand, also der bereits vollzogenen Verlegung nach Solothurn, auszugehen habe, da das Kindeswohl die oberste Maxime sei. Aufgrund der besonderen Umstände wurde auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet; jede Partei trägt ihre eigenen Kosten. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie die teleologische Reduktion von „und“ zu „oder“ in Art. 301a Abs. 2 lit. b ZGB bestätigt und die Einheitlichkeit von Wegzugsentscheid und Anpassung des Eltern-Kind-Verhältnisses als zwingendes Verfahrensprinzip herausstellt.

Regeste

Art. 301a Abs. 2 lit. b und Abs. 5 ZGB; Umzug des Kindes im Inland. Die "erheblichen Auswirkungen auf die Ausübung der elterlichen Sorge" beziehen sich in erster Linie auf die Wahrnehmung von Betreuungsanteilen; massgeblich ist, ob das Betreuungskonzept aufrechterhalten werden kann (E. 2.4.1). Erhebliche Auswirkungen alternativ bei der Ausübung der elterlichen Sorge oder dem persönlichen Verkehr machen den Umzug zustimmungspflichtig (E. 2.4.2). Erlaubnis zum Inlandsumzug analog den Kriterien für den Wegzug des Kindes ins Ausland (E. 2.5). Die Prüfung einer Anpassung der Betreuungs-, Besuchs- und Unterhaltsregelung darf aufgrund der engen Interdependenz mit der Wegzugsfrage nicht von dieser abgespalten werden (E. 2.6). Diesbezüglich sind abzuklären das bisherige Betreuungskonzept, die Konturen des Wegzuges, die Bedürfnisse des Kindes sowie die angebotene und tatsächliche mögliche Betreuung durch die Elternteile (E. 2.7). Regeste Art. 301a al. 2 let. b et al. 5 CC; déménagement de l'enfant à l'intérieur du territoire suisse. Les "conséquences importantes pour l'exercice de l'autorité parentale" ont trait avant tout à la participation de chaque parent à la prise en charge de l'enfant; la question de savoir si le mode de prise en charge de l'enfant peut être maintenu est déterminante (consid. 2.4.1). Le déménagement est soumis à accord en cas de conséquences importantes soit pour l'exercice de l'autorité parentale soit pour les relations personnelles (consid. 2.4.2). L'autorisation concernant le déménagement à l'intérieur du territoire suisse est soumise aux mêmes critères que ceux développés en lien avec le déplacement de l'enfant à l'étranger (consid. 2.5). L'examen de l'adaptation des modalités régissant la prise en charge, les relations personnelles et l'entretien ne doit pas être dissocié de la question du déménagement, compte tenu du lien étroit entre ces éléments (consid. 2.6). A cet égard, il convient de clarifier le mode de prise en charge de l'enfant appliqué jusqu'alors, les contours du déménagement, les besoins de l'enfant ainsi que la prise en charge, offerte et effectivement possible, par les parents (consid. 2.7). Regesto Art. 301a cpv. 2 lett. b e cpv. 5 CC; trasferimento del figlio all'interno del territorio svizzero. Le "ripercussioni rilevanti sull'esercizio dell'autorità parentale" concernono anzitutto la partecipazione di ciascun genitore alla cura del figlio; è determinante sapere se il modello di partecipazione alla cura del figlio può essere mantenuto (consid. 2.4.1). Il trasferimento è soggetto a consenso in caso di ripercussioni rilevanti o sull'esercizio dell'autorità parentale o sulle relazioni personali (consid. 2.4.2). L'autorizzazione al trasferimento all'interno del territorio svizzero soggiace agli stessi criteri sviluppati per il trasferimento del figlio all'estero (consid. 2.5). L'esame di una modifica della partecipazione alla cura del figlio, delle relazioni personali e del mantenimento non deve essere dissociato dalla questione del trasferimento, data la loro stretta interdipendenza (consid. 2.6). Al riguardo vanno chiariti il modello di partecipazione alla cura del figlio finora applicato, i contorni del trasferimento, i bisogni del figlio così come la cura, offerta ed effettivamente possibile, da parte dei genitori (consid. 2.7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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