Miteigentümer streitet über Klage gegen Mieterin: Schiedsklausel im Verwaltungsreglement gilt auch für Rechtsnachfolger (Art. 649a Abs. 1 ZGB)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 142 III 220 · ATF 142 III 220 · DTF 142 III 220
- Datum
- 25.02.2016
- Geschäftsnummer
- 4A_492/2015
- Abteilung
- I. Zivilrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 77 BGG Art. 106 BGG Art. 647 ZGB Art. 649a ZGB Art. 353 ZPO Art. 354 ZPO Art. 357 ZPO Art. 358 ZPO Art. 362 ZPO Art. 364 ZPO Art. 389 ZPO Art. 390 ZPO Art. 392 ZPO Art. 393 ZPO Art. 407 ZPO
Zusammenfassung
Ein Miteigentümer und eine Aktiengesellschaft als Rechtsnachfolgerin des anderen Miteigentümers stritten darüber, ob ein Schiedsrichter zuständig sei, um zu entscheiden, ob im Namen der Miteigentümergemeinschaft gegen die Mieterin der Liegenschaft eine Klage auf Zahlung einer Mietdifferenz erhoben werden müsse. Der Streit drehte sich um die Gültigkeit einer Schiedsklausel im Verwaltungsreglement der Miteigentümergemeinschaft und deren Geltung für die Rechtsnachfolgerin. Der Schiedsrichter hatte entschieden, dass die Klage zu erheben sei; dagegen legte der ursprüngliche Miteigentümer Beschwerde beim Bundesgericht ein.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die Schiedsklausel in Ziffer IV des Verwaltungsreglements formgültig ist und gemäss Art. 358 ZPO den schriftlichen Nachweis ermöglicht. Die Klausel gilt kraft Art. 649a Abs. 1 ZGB auch für Rechtsnachfolger, da sie unmittelbar mit der gemeinschaftlichen Verwaltung und Nutzung der Liegenschaft verbunden ist. Die Beschwerdegegnerin als Rechtsnachfolgerin von C.________ hat durch ihr Gesuch um Ernennung eines Schiedsrichters vom 25. Oktober 2013 ausdrücklich und in Textform ihre Zustimmung zur Schiedsklausel bekundet. Zudem haben die Parteien in Ziffer V.2 und V.3 des Verwaltungsreglements vereinbart, dass das Reglement für alle Rechtsnachfolger verbindlich ist und die Verpflichtungen an diese weiterzugeben sind. Der Streitgegenstand – die Entscheidung über die Erhebung einer Forderungsklage gegen die Mieterin – ist vermögensrechtlich und daher schiedsfähig gemäss Art. 354 ZPO. Der Schiedsrichter hat sein Ermessen nicht willkürlich ausgeübt, sondern in den Randziffern 101 bis 105 seines Schiedsspruchs sorgfältig abgewogen, ob die Klage im objektiven Interesse der Miteigentümergemeinschaft liegt. Der Einwand, der Schiedsrichter habe einen Beweisantrag unberechtigt abgelehnt, scheitert daran, dass das betreffende Pachtangebot für die Entscheidung nicht entscheiderheblich war. Das Bundesgericht verurteilte den Beschwerdeführer zur Tragung der Gerichtskosten von Fr. 10'000.-- und zur Entschädigung der Beschwerdegegnerin mit Fr. 12'000.--. Die Entscheidung klärt die Anwendbarkeit von Art. 649a Abs. 1 ZGB auf statutarische Schiedsklauseln in Miteigentümerverwaltungsordnungen und bestätigt die Bindungswirkung für Rechtsnachfolger auch ohne gesonderte Beitrittserklärung, wenn die Klausel im Reglement enthalten und die Rechtsnachfolge ausdrücklich vereinbart ist.
Regeste
Art. 649a Abs. 1 ZGB; Art. 354, Art. 358 und Art. 393 lit. b ZPO; Schiedsklausel in einer Nutzungs- und Verwaltungsordnung einer Miteigentümergemeinschaft; Zuständigkeitsrüge. Grundsätze der Zuständigkeitsrüge nach Art. 393 lit. b ZPO (E. 3.1); Umfang der gesetzlichen Sukzession nach Art. 649a Abs. 1 ZGB mit Blick auf Schiedsklauseln (E. 3.4.1); Gültigkeit statutarischer Schiedsklauseln (E. 3.4.2 und 3.4.3) und Anwendung im konkreten Fall (E. 3.4.4); objektive Schiedsfähigkeit (E. 3.5). Regeste Art. 649a al. 1 CC; art. 354, art. 358 et art. 393 let. b CPC; clause d'arbitrage figurant dans un règlement d'utilisation et d'administration adopté par une communauté de copropriétaires; grief d'incompétence. Principes en matière de grief d'incompétence selon l'art. 393 let. b CPC (consid. 3.1); étendue de la succession légale au sens de l'art. 649a al. 1 CC en ce qui concerne des clauses d'arbitrage (consid. 3.4.1); validité de clauses d'arbitrage statutaires (consid. 3.4.2 et 3.4.3) et application dans le cas concret (consid. 3.4.4); arbitrabilité objective (consid. 3.5). Regesto Art. 649a cpv. 1 CC; art. 354, art. 358 e art. 393 lett. b CPC; clausola arbitrale figurante in un regolamento per l'uso e l'amministrazione di una comunione di comproprietari; censura d'incompetenza. Principi della censura d'incompetenza secondo l'art. 393 lett. b CPC (consid. 3.1); estensione della successione legale secondo l'art. 649a cpv. 1 CC con riferimento alle clausole arbitrali (consid. 3.4.1); validità di clausole arbitrali statutarie (consid. 3.4.2 e 3.4.3) e applicazione nel caso concreto (consid. 3.4.4); compromettibilità oggettiva (consid. 3.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
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