Justizze.

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Justizze. Art. 2 FZA

Bundesgericht

Deutscher Arbeitnehmer mit Wohnsitzwechsel: Pro-rata-Besteuerung von Vermögen und Kapitalerträgen unzulässig (Art. 38 Abs. 4 StHG, Art. 2 FZA)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 II 167 · ATF 140 II 167 · DTF 140 II 167
Datum
29.01.2014
Geschäftsnummer
2C_490/2013
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 2 FZA Art. 9 FZA Art. 16 FZA Art. 21 FZA Art. 32 StHG Art. 34 StHG Art. 38 StHG Art. 68 StHG Art. 68 StHG. Art. 31 VRK

Zusammenfassung

Ein deutscher Staatsangehöriger mit Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz wechselte im Jahr 2010 seinen Wohnsitz innerhalb der Schweiz von einem Kanton in einen anderen. Er unterlag zunächst der Quellenbesteuerung, wurde jedoch aufgrund hoher Einkünfte nachträglich ordentlich veranlagt. Die Steuerverwaltung teilte sein gesamtes steuerbares Einkommen und Vermögen pro rata temporis zwischen den beiden Wohnsitzkantonen auf. Der Steuerpflichtige focht diese Aufteilung an und beantragte, dass er ausschliesslich im neuen Wohnsitzkanton besteuert werde, da dies zu einer geringeren Gesamtbelastung führe als die anteilige Besteuerung in beiden Kantonen.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und hebt den vorinstanzlichen Entscheid auf. Es stellt fest, dass die kantonale Praxis, die Pro-rata-Aufteilung gemäss Art. 38 Abs. 4 StHG auch auf Vermögenswerte und Einkünfte aus Wertschriften (Kapitalerträge) anzuwenden, rechtswidrig ist. Diese Sonderregelung gilt systematisch nur für das der Quellensteuer unterliegende Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit. Für das Vermögen und die ergänzend ordentlich zu veranlegenden Einkommensbestandteile greift die Grundregel des Art. 68 Abs. 1 Satz 1 StHG, wonach der Wohnsitz am Ende der Steuerperiode für das ganze Jahr massgebend ist. Da der Beschwerdeführer zum Jahresende im Kanton Schwyz wohnte, sind dort das gesamte Vermögen von Fr. 25'213'000.-- und die Kapitalerträge vollumfänglich zu versteuern.

Hinsichtlich des Einkommens aus unselbständiger Erwerbstätigkeit prüft das Gericht die Vereinbarkeit der verbleibenden Pro-rata-Besteuerung mit dem Freizügigkeitsabkommen (FZA). Es hält fest, dass die Diskriminierung ausländischer Arbeitnehmer gegenüber Schweizer Bürgern durch Art. 38 Abs. 4 StHG bei der nachträglichen ordentlichen Veranlagung nicht durch den Sicherungszweck der Quellensteuer gerechtfertigt ist. Dieser Zweck ist durch die bereits erfolgte Quellensteuererhebung erfüllt; die nachträgliche Veranlagung dient der korrekten Besteuerung, nicht der Sicherstellung. Die Verwaltungsökonomie (Vermeidung von Überweisungen zwischen Kantonen) wiegt schwerer als der Gleichbehandlungsgrundsatz, wenn keine echte Sicherungsnotwendigkeit mehr besteht. Daher ist Art. 38 Abs. 4 StHG insoweit nicht anwendbar, als er zu einer Höherbesteuerung führt, die mit Art. 2 FZA und Art. 9 Abs. 2 Anhang I FZA unvereinbar ist.

Das Bundesgericht entscheidet reformatorisch (Art. 107 Abs. 2 BGG), da die Zahlen unbestritten sind. Der Beschwerdeführer wird für das Jahr 2010 im Kanton Schwyz mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 505'900.-- und einem Vermögen von Fr. 25'213'000.-- veranlagt. Die Frage, ob Art. 38 Abs. 4 StHG auch gegen das Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland (DBA-D) verstösst, bleibt offen, da sie sich aus der Verletzung des FZA ergibt. Die Kosten des Verfahrens trägt der unterliegende Kanton Schwyz.

Regeste

Art. 32 Abs. 1, Art. 34 Abs. 1 und 2, Art. 38 Abs. 4 und Art. 68 Abs. 1 StHG; Art. 2, 16 Abs. 1 und 2 sowie Art. 21 Abs. 3 FZA, Art. 9 Abs. 2 Anhang I FZA; DBA-D. Voraussetzung und Gegenstand der Quellensteuer, nachträgliche ordentliche Veranlagung; interkantonale Steuerausscheidung nach Wohnortwechsel (E. 2 und 3). Diskriminierung entsprechend der Rechtsprechung des EuGH bei der Personenfreizügigkeit sowie deren Übertragung auf das FZA und ihre Grenzen; Anwendbarkeit auf die Quellensteuer (E. 4). Unvereinbarkeit von Art. 38 Abs. 4 StHG mit dem FZA, auch unter Berücksichtigung der Rechtfertigungsgründe (Quellenbesteuerung als Sicherungsinstrument) von Art. 21 Abs. 3 FZA (E. 5). Vereinbarkeit von Art. 38 Abs. 4 StHG mit dem DBA-D offengelassen (E. 6). Regeste Art. 32 al. 1, art. 34 al. 1 et 2, art. 38 al. 4 et art. 68 al. 1 LHID; art. 2, 16 par. 1 et 2 ainsi qu' art. 21 par. 3 ALCP, art. 9 par. 2 Annexe I ALCP; CDI-D. Conditions et objet de l'impôt à la source, taxation ordinaire ultérieure; répartition intercantonale après un changement de domicile (consid. 2 et 3). Notion de discrimination selon la jurisprudence rendue par la CJUE en matière de libre circulation des personnes, ainsi que sa transposition à l'ALCP et les limites de cette dernière; application de ces principes à l'impôt à la source (consid. 4). Incompatibilité de l'art. 38 al. 4 LHID avec l'ALCP, également si l'on tient compte des motifs justificatifs (impôt à la source en tant que mesure destinée à assurer l'imposition) de l'art. 21 par. 3 ALCP (consid. 5). Question de la conformité de l'art. 38 al. 4 LHID avec la CDI-D laissée ouverte (consid. 6). Regesto Art. 32 cpv. 1, art. 34 cpv. 1 e 2, art. 38 cpv. 4 e art. 68 cpv. 1 LAID; art. 2, 16 par. 1 e 2 così come art. 21 par. 3 ALC, art. 9 par. 2 Allegato I ALC; CDI-D. Condizioni e oggetto dell'imposizione alla fonte, tassazione ordinaria ulteriore; ripartizione intercantonale dopo un cambiamento di domicilio (consid. 2 e 3). Nozione di discriminazione secondo la giurisprudenza della CGUE in materia di libera circolazione delle persone, possibilità e limiti di una sua trasposizione all'ALC; applicazione all'imposta alla fonte (consid. 4). Incompatibilità dell'art. 38 cpv. 4 LAID con l'ALC, anche tenendo conto dei motivi giustificativi (imposta alla fonte quale misura volta a garantire l'imposizione) di cui all'art. 21 cpv. 3 ALC (consid. 5). Questione della conformità dell'art. 38 cpv. 4 LAID alla CDI-D lasciata aperta (consid. 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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