Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 22 FZG

Bundesgericht

Teilung berufliche Vorsorge bei Scheidung: Nur Differenzbetrag überweisen, Barauszahlung ausgeschlossen, Verzinsung bis Überweisung (Art. 122 ZGB, Art. 22 FZG)

BGE / ATF / DTF
BGE 129 V 251 · ATF 129 V 251 · DTF 129 V 251
Datum
08.04.2003
Geschäftsnummer
BGE 129 V 251
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 15 BVG Art. 12 BVV Art. 2 FZG Art. 22 FZG Art. 24 FZG Art. 7 FZV Art. 8a FZV Art. 12 OPP Art. 122 ZGB Art. 124 ZGB

Zusammenfassung

Das Bundesamt für Sozialversicherung beschwert sich gegen einen Entscheid des Verwaltungsgerichts Graubünden zur Aufteilung der beruflichen Vorsorge nach einer Scheidung. Streitig ist, ob eine während der Ehe erfolgte Barauszahlung in die Teilung einzubeziehen ist, ob nur der Differenzbetrag zwischen den Austrittsleistungen übertragen werden muss und ob sowie ab wann Verzugszinsen auf dem Ausgleichsbetrag geschuldet sind. Die Pensionskasse und das BSV beantragen die Überweisung eines reduzierten Betrags zuzüglich Zinsen, während die geschiedene Ehefrau die Einbeziehung der Barauszahlung verlangt.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde des Bundesamts für Sozialversicherung teilweise gut und weist sie im Übrigen ab. Es bestätigt, dass eine während der Ehe im Jahr 1994 getätigte Barauszahlung von Fr. 9'289.10 gemäss Art. 124 Abs. 1 ZGB nicht als zu teilende Austrittsleistung nach Art. 122 ZGB gilt, sondern höchstens im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung ausgeglichen werden kann.

Hinsichtlich der Überweisungspflicht stellt das Gericht fest, dass entgegen der Vorinstanz gemäss Art. 122 Abs. 2 ZGB und Art. 22 Abs. 1 FZG lediglich der Differenzbetrag der beidseitigen Austrittsleistungen zu teilen ist. Bei einer Austrittsleistung der Ehefrau von Fr. 92'272.- und des Ehemannes von insgesamt Fr. 14'058.- ergibt sich ein hälftiger Ausgleichsbetrag von Fr. 39'107.-, welcher von der Pensionskasse A. an die Vorsorgeeinrichtung B. zu überweisen ist.

Bezüglich der Verzinsung hält das Gericht fest, dass die geteilte Austrittsleistung vom Zeitpunkt der Rechtskraft des Scheidungsurteils (1. Februar 2001) bis zur tatsächlichen Überweisung mit dem gesetzlichen Mindestzinssatz nach Art. 12 BVV 2 oder einem allfälligen höheren reglementarischen Zins zu verzinsen ist. Dies dient der Wahrung des Vorsorgeschutzes. Ab dem 31. Tag nach Erlass dieses Urteils ist zusätzlich ein Verzugszins von 3,5% gemäss Art. 7 FZV geschuldet.

Regeste

Art. 122 und 124 Abs. 1 ZGB; Art. 5 Abs. 1 FZG. Während der Ehe vorgenommene Barauszahlungen zählen nicht zu den zu teilenden Austrittsleistungen im Sinne von Art. 122 ZGB. Art. 122 Abs. 2 ZGB; Art. 22 FZG. Stehen beiden Ehegatten Ansprüche auf Austrittsleistung zu, so ist lediglich der Differenzbetrag zu teilen und der Einrichtung der beruflichen Vorsorge des ausgleichsberechtigten Ehegatten zu überweisen. Art. 15 BVG; Art. 12 BVV 2; Art. 2 Abs. 3 und Art. 22 FZG; Art. 7 und 8a FZV; Art. 122 und 141 f. ZGB. Zur Zins- und Verzugszinspflicht auf einer gestützt auf Art. 122 ZGB geteilten Austrittsleistung. Regeste Art. 122 et 124 al. 1 CC; art. 5 al. 1 LFLP. Les versements en espèces effectués durant le mariage n'ont pas à être pris en compte dans le calcul des prestations de sortie à partager au sens de l'art. 122 CC. Art. 122 al. 2 CC; art. 22 LFLP. Lorsque chacun des conjoints peut prétendre à des prestations de sortie, il suffit de partager la différence entre les montants concernés et de verser la part à transférer qui en résulte à l'institution de prévoyance du conjoint créancier. Art. 15 LPP; art. 12 OPP 2; art. 2 al. 3 et art. 22 LFLP; art. 7 et 8a OLP; art. 122 et 141 s. CC. De l'obligation de payer des intérêts et des intérêts moratoires sur une prestation de sortie à transférer fondée sur l'art. 122 CC. Regesto Art. 122 e 124 cpv. 1 CC; art. 5 cpv. 1 LFLP. I pagamenti in contanti effettuati durante il matrimonio non fanno parte delle prestazioni d'uscita soggette a ripartizione ai sensi dell'art. 122 CC. Art. 122 cpv. 2 CC; art. 22 LFLP. Se entrambi i coniugi hanno diritto a prestazioni d'uscita, solo la differenza tra i due importi deve essere ripartita e versata all'istituto di previdenza del coniuge creditore. Art. 15 LPP; art. 12 OPP 2; art. 2 cpv. 3 e art. 22 LFLP; art. 7 e 8a OLP; art. 122 e 141 seg. CC. Sull'obbligo di pagare interessi e interessi di mora su una prestazione d'uscita ripartita in virtù dell'art. 122 CC.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.