Gemeinde klagt gegen Autobahn-Halbanschluss Altdorf Süd: Fehlende gesamthafte Umweltverträglichkeitsprüfung für Verkehrslärm und Lufthygiene führt zur Aufhebung der Plangenehmigung (Art. 8 USG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 II 547 · ATF 150 II 547 · DTF 150 II 547
- Datum
- 01.01.2024
- Geschäftsnummer
- BGE 150 II 547
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 10a LPAmb Art. 10b LPAmb Art. 11 LPAmb Art. 18 LPAmb Art. 23 LPAmb Art. 25 LPAmb Art. 4 LRV Art. 7 LRV Art. 2 LSV Art. 7 LSV Art. 8 LSV Art. 9 LSV Art. 10 LSV Art. 11 LSV Art. 13 LSV Art. 14 LSV Art. 8 USG Art. 10a USG Art. 10b USG Art. 11 USG Art. 12 USG Art. 13 USG Art. 15 USG Art. 16 USG Art. 17 USG Art. 18 USG Art. 19 USG Art. 20 USG Art. 23 USG Art. 25 USG Art. 5 UVPV
Zusammenfassung
Die Einwohnergemeinde Attinghausen erhob Beschwerde gegen die Plangenehmigung des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) für den Autobahn-Halbanschluss Altdorf Süd. Streitig war, ob die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Projekt ausreichend war, insbesondere ob die Auswirkungen des Halbanschlusses gemeinsam mit dem kantonalen Strassenbauprojekt WOV auf Verkehrslärm und Luftschadstoffe gesamthaft beurteilt wurden. Ferner wurde gerügt, dass die lärmschutzrechtliche Qualifikation des Projekts als neue Anlage nicht korrekt vorgenommen wurde und dass die Kosten-Nutzen-Analyse für die geforderten Lärmschutz- und Luftreinhaltungsmassnahmen unzureichend sei. Die Gemeinde verlangte unter anderem die Erhöhung einer Lärmschutzwand und die Einrichtung zusätzlicher Messstationen für die Luftqualität.
Das Bundesgericht hob die Plangenehmigung des UVEK und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und verwies die Sache an das UVEK zurück. Die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Autobahn-Halbanschluss Altdorf Süd war unzureichend, weil sie die Auswirkungen des Projekts nicht gesamthaft mit dem kantonalen Strassenbauprojekt WOV bewertete. Beide Projekte bilden räumlich, zeitlich und funktional eine Gesamtanlage, weshalb die Lärm- und Luftschadstoffemissionen gemeinsam zu prüfen waren. Im Bereich des Verkehrslärms fehlte diese Gesamtbetrachtung konkret bei den Liegenschaften Attinghauserstrasse 134–142 in Altdorf, wo die prognostizierte Lärmzunahme nur für die Kantonsstrasse, nicht aber für die Mehrbeanspruchung der Nationalstrasse berechnet wurde. Auch für die Lufthygiene war die Gesamtbewertung unvollständig: Der UVB WOV erwähnte nicht die prognostizierte Zunahme der Luftschadstoffimmissionen im Bereich des neuen Halbanschlusses, und die vorgesehenen Langzeit-Messstellen in Altdorf, Schattdorf und Bürglen deckten diesen Bereich nicht ab. Die Gesamtanlage aus WOV und Halbanschluss ist lärmschutzrechtlich als neue Anlage einzustufen, da die bestehende Nationalstrasse im Rahmen des Gesamtprojekts eine neue Funktion als Umfahrungsroute erhält und die neuen Bauwerke (Rampen, Kreisel, Strassenkorridor) im Verhältnis zur bestehenden Fahrbahn von übergeordneter Bedeutung sind. Damit gelten für die Lärmimmissionen die Planungswerte gemäss Art. 7 Abs. 1 LSV i.V.m. Art. 25 Abs. 1 USG, und es ist zu prüfen, ob Erleichterungen nach Art. 7 Abs. 2 LSV gewährt werden können. Für die von der Gemeinde geforderte Erhöhung der Lärmschutzwand auf 2,6 m über die gesamte Länge von 317 m fehlte eine zuverlässige Kosten-Nutzen-Ermittlung, da widersprüchliche Angaben in den Projektplänen zur Dimensionierung der Wand vorlagen und unklar blieb, ob die prognostizierten Lärmimmissionen mit oder ohne Erhöhung der ersten 47 m berechnet wurden. Ebenso fehlte eine zuverlässige Ermittlung von Kosten und Nutzen für die geforderten Luftreinhaltungsmassnahmen wie zusätzliche Messstationen, Dosieranlage und dynamische Signalisation. Diese Mängel machen eine Neubeurteilung durch das UVEK erforderlich. Die Entscheidung stärkt die Anforderungen an die gesamthafte Umweltverträglichkeitsprüfung bei räumlich und funktional verbundenen Infrastrukturprojekten und klärt die lärmschutzrechtliche Qualifikation von Gesamtanlagen.
Regeste
Art. 1 Abs. 2, Art. 8, 10a Abs. 1, Art. 10b Abs. 1, Art. 11, 18, 23 und 25 USG; Art. 7-11 LSV; Art. 4 und 7 LRV; Autobahn-Halbanschluss Altdorf Süd; gesamthafte umweltschutzrechtliche Beurteilung zusammenhängender Teilanlagen; vorsorgliche und verschärfte Emissionsbegrenzung. Art. 8 USG verlangt eine gesamthafte Beurteilung aller Anlagen, die aufgrund ihres räumlichen, zeitlichen und funktionalen Zusammenhangs als Gesamtanlage erscheinen (E. 2.1). Ein kantonales Strassenbauprojekt und der vom Bund geplante Autobahn-Halbanschluss hängen so eng zusammen, dass die umweltrelevanten Aspekte zwingend gesamthaft beurteilt werden müssen (E. 2.2 und 2.3). Die erforderliche Gesamtbeurteilung fehlt im Bereich des Verkehrslärms (E. 2.4) und der Lufthygiene (E. 2.5). Bei der Gesamtanlage, zu welcher auch die bestehende Nationalstrasse beim neuen Autobahn-Halbanschluss gehört, handelt es sich lärmschutzrechtlich um eine neue Anlage. Werden die Planungswerte nicht eingehalten, sind Erleichterungen zu prüfen (E. 3 und 4). Damit die Frage beantwortet werden kann, ob mit Blick auf das Vorsorgeprinzip in den Bereichen Lärmschutz und Lufthygiene zusätzliche Massnahmen angeordnet werden müssen, sind deren Kosten und Nutzen möglichst zuverlässig zu eruieren (E. 5 und 6). Regeste Art. 1 al. 2, art. 8, 10a al. 1, art. 10b al. 1, art. 11, 18, 23 et 25 LPE; art. 7-11 OPB; art. 4 et 7 OPair; demi-jonction autoroutière Altdorf Sud; évaluation globale des atteintes à l'environnement d'installations constituant un ensemble; limitation préventive et plus sévère des émissions. L'art. 8 LPE exige une évaluation globale de toutes les installations qui s'apparentent à une installation globale en raison de leur lien spatial, temporel et fonctionnel (consid. 2.1). Le projet de route cantonale et la demi-jonction autoroutière prévue par la Confédération sont si étroitement liés que les aspects ayant une incidence sur l'environnement doivent impérativement être évalués globalement (consid. 2.2 et 2.3). L'évaluation globale nécessaire fait défaut s'agissant du bruit de la circulation routière (consid. 2.4) et de l'hygiène de l'air (consid. 2.5). L'ensemble de ces installations, dont fait également partie la route nationale existante près de la nouvelle demi-jonction autoroutière, constitue une nouvelle installation du point de vue de la protection contre le bruit. Des allègements doivent ainsi être examinés si les valeurs de planification ne sont pas respectées (consid. 3 et 4). Savoir si, compte tenu du principe de précaution, des mesures supplémentaires doivent être ordonnées dans les domaines de la protection contre le bruit et de l'hygiène de l'air requiert de déterminer les coûts et les avantages desdites mesures de la manière la plus fiable possible (consid. 5 et 6). Regesto Art. 1 cpv. 2, art. 8, 10a cpv. 1, art. 10b cpv. 1, art. 11, 18, 23 e 25 LPAmb; art. 7-11 OIF; art. 4 e 7 OIAt; semisvincolo autostradale Altdorf Sud; esame globale, sotto il profilo della protezione dell'ambiente, di impianti parziali connessi; limitazione preventiva e più severa delle emissioni. L'art. 8 LPAmb impone un esame globale di tutti gli impianti che sulla base della loro connessione spaziale, temporale e funzionale appaiono come un intero impianto (consid. 2.1). Un progetto di costruzione di una strada cantonale e il semiraccordo autostradale previsto dalla Confederazione sono così strettamente collegati che gli aspetti rilevanti della protezione dell'ambiente devono imperativamente essere valutati globalmente (consid. 2.2 e 2.3). Il necessario esame globale fa difetto riguardo al rumore della circolazione (consid. 2.4) e all'igiene dell'aria (consid. 2.5). L'intero impianto, che include anche la strada nazionale esistente presso il nuovo semisvincolo autostradale, sotto il profilo della protezione contro il rumore costituisce un nuovo impianto. Qualora i valori di pianificazione non siano rispettati, occorre esaminare delle facilitazioni (consid. 3 e 4). Affinché si possa dare una risposta alla domanda di sapere se, con riferimento al principio della prevenzione nell'ambito della protezione contro il rumore e dell'igiene dell'aria, debbano essere ordinate ulteriori misure, è necessario determinarne in maniera possibilmente affidabile i costi e i benefici (consid. 5 e 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.