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Justizze. Art. 122 BGG

Bundesgericht

Witwerrente: Revision wegen EMRK-Verletzung nicht notwendig, da Eidgenossenschaft Bereitschaft zur Nachzahlung erklärt (Art. 122 lit. c BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 I 99 · ATF 150 I 99 · DTF 150 I 99
Datum
08.01.2024
Geschäftsnummer
BGE 150 I 99
Ausgang
Nichteintreten

Tragende Normen

Art. 122 BGG

Zusammenfassung

Der Gesuchsteller hatte beim Bundesgericht die Revision seines rechtskräftigen Urteils 9C_617/2011 beantragt, mit dem seine Witwerrente ab 1. Dezember 2010 eingestellt worden war. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte in seinem Urteil vom 11. Oktober 2022 festgestellt, dass die Schweiz durch dieses Urteil Art. 14 i.V.m. Art. 8 EMRK verletzt hat. Der Gesuchsteller verlangte neben der Weiterausrichtung der Rente auch den Ausgleich eines mittelbaren Schadens. Das Bundesamt für Justiz erklärte sich bereit, den Barwert der entgangenen Rentenleistungen nachzuzahlen. Die Frage, ob die Revision zur Beseitigung der Konventionsverletzung notwendig ist, stand im Zentrum des Verfahrens.

Das Bundesgericht trat auf das Revisionsgesuch nicht ein. Es stellte fest, dass die Revision zur Beseitigung der vom EGMR festgestellten Verletzung der EMRK nicht notwendig ist, weil die Schweizerische Eidgenossenschaft sich bereit erklärt hatte, den Barwert der entgangenen Rentenleistungen – Fr. 63'847.– zuzüglich Verzugszins ab 1. Dezember 2012 – unabhängig von einem Revisionsverfahren nachzuzahlen. Der Gesuchsteller hatte diesen Betrag nicht substanziiert bestritten. Soweit der Gesuchsteller zusätzlich den Ausgleich eines mittelbaren Schadens verlangte, konnte darauf nicht eingetreten werden, weil der Streitgegenstand im Revisionsverfahren durch das zu revidierende Urteil vorgegeben ist und im ursprünglichen Verfahren lediglich die Weiterausrichtung der Witwerrente über den 1. Dezember 2010 hinaus beantragt worden war. Damit war die Voraussetzung der Notwendigkeit der Revision gemäss Art. 122 lit. c BGG nicht erfüllt. Das Verfahren wurde daher soweit gegenstandslos abgeschrieben. Die Entscheidung klärt, dass eine Revision nicht eintreten muss, wenn die Konventionsverletzung wirksam durch staatliche Nachzahlung beseitigt wird – ohne dass ein neues Urteil des Bundesgerichts erforderlich ist.

Regeste

Art. 122 lit. c BGG; Notwendigkeit der Revision zur Beseitigung einer vom EGMR festgestellten Verletzung der EMRK. Erklärt sich die Schweizerische Eidgenossenschaft als Hohe Vertragspartei der EMRK bereit, den Barwert der Leistungen, die dem Gesuchsteller durch das die EMRK verletzende Urteil des Bundesgerichts entgangen sind, zu ersetzen, so erweist sich die Revision als zur Beseitigung der Verletzung der EMRK nicht notwendig. Soweit das Revisionsgesuch den Ersatz eines mittelbaren Schadens betrifft, kann auf dieses bereits aus dem Grund nicht eingetreten werden, als der Streitgegenstand im Revisionsverfahren durch das zu revidierende Urteil vorgegeben wird (E. 1-3). Regeste Art. 122 let. c LTF; nécessité de la révision pour remédier à une violation de la CEDH constatée par la CourEDH. Lorsque la Confédération suisse, en tant que Haute Partie contractante à la CEDH, se déclare prête à indemniser la valeur actuelle des prestations dont le requérant a été privé par l'arrêt du Tribunal fédéral violant la CEDH, la révision ne s'avère pas nécessaire pour remédier à la violation de la CEDH. Dans la mesure où la demande de révision concerne la réparation d'un dommage indirect, il n'est pas possible d'entrer en matière sur cette demande pour la simple raison que l'objet du litige dans la procédure de révision est déterminé par l'arrêt à réviser (consid. 1-3). Regesto Art. 122 lett. c LTF; necessità della revisione per rimediare a una violazione della CEDU constatata dalla CorteEDU. Se la Confederazione Svizzera, quale Alta Parte Contraente della CEDU, si dichiara disposta a risarcire il valore attuale delle prestazioni di cui il richiedente è stato privato con la sentenza del Tribunale federale che viola la CEDU, la revisione non è necessaria per rimediare alla violazione della CEDU. Nella misura in cui la domanda di revisione concerne il risarcimento di un danno indiretto, non è possibile entrare nel merito di questa domanda già per il motivo che l'oggetto della lite nella procedura di revisione è determinato dalla sentenza sottoposta a revisione (consid. 1-3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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