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Justizze. Art. 17 Covid-19-Gesetz

Bundesgericht

Arbeitslosenkasse berechnet Kurzarbeitsentschädigung für Monatslöhner ohne Ferien- und Feiertagsentschädigung im summarischen Verfahren: Ungleichbehandlung verletzt Art. 34 Abs. 2 AVIG und Gleichbehandlungsgebot (Art. 34 Abs. 2 AVIG)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 V 144 · ATF 148 V 144 · DTF 148 V 144
Datum
20.03.2020
Geschäftsnummer
BGE 148 V 144
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 11 AVIG Art. 34 AVIG Art. 5 BV Art. 17 Covid-19-Gesetz

Zusammenfassung

Die Arbeitslosenkasse des Kantons Luzern beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung eines kantonalen Urteils, das sie angewiesen hatte, die Kurzarbeitsentschädigung für einen Restaurantbetrieb neu zu berechnen – unter pauschaler Berücksichtigung von Ferien- und Feiertagsentschädigungen für Angestellte im Monatslohn. Streitig war, ob die im summarischen Verfahren praktizierte Berechnungsmethode, die bei Monatslöhnerinnen Ferien- und Feiertage nicht berücksichtigt, mit Bundesrecht vereinbar ist. Die Vorinstanz hatte festgestellt, dass diese Praxis eine rechtsungleiche Behandlung gegenüber Stundenlöhnerinnen darstelle, die durch die Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung nicht gerechtfertigt sei.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Arbeitslosenkasse ab und bestätigte das kantonale Urteil. Es stellte fest, dass die Nichtberücksichtigung von Ferien- und Feiertagsentschädigungen bei Angestellten im Monatslohn im summarischen Verfahren eine rechtsungleiche Behandlung gegenüber solchen im Stundenlohn darstellt, die nicht durch Art. 8i der Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung gerechtfertigt ist. Im Normalverfahren wird bei Monatslöhnerinnen der anrechenbare Stundenverdienst mittels Netto-Jahresarbeitszeit (Brutto-Jahresarbeitszeit abzüglich Ferien und Feiertage) ermittelt, was den Ferien- und Feiertagsanspruch indirekt berücksichtigt; bei Stundenlöhnerinnen erfolgt dies direkt über einen Prozentzuschlag. Diese Gleichbehandlung darf auch im summarischen Verfahren nicht aufgehoben werden, da Art. 34 Abs. 2 AVIG weiterhin gilt und keine ausreichende verordnungsrechtliche Grundlage für eine Abweichung vorliegt. Art. 8i Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung regelt lediglich das pauschale, betriebsweite Abrechnungsverfahren, nicht aber eine materielle Ausnahme von den gesetzlichen Lohnbestandteilen nach Art. 34 Abs. 2 AVIG. Auch die Botschaft zum Covid-19-Gesetz und die Erläuterungen des SECO belegen keinen Willen des Verordnungsgebers, Ferien- und Feiertagsentschädigungen bei Monatslöhnerinnen auszuklammern. Das Gleichbehandlungsgebot nach Art. 5 BV und Art. 5 Abs. 1 BV sowie die Rechtsprechung zur Ferienentschädigung (BGE 123 V 70, BGE 125 V 42, BGE 144 V 195) verlangen, dass der Ferien- und Feiertagsanspruch unabhängig von der Entlohnungsform berücksichtigt wird – sofern real bezogen oder als Zuschlag ausbezahlt. Da die Arbeitslosenkasse im summarischen Verfahren ausschliesslich die Brutto-Sollstunden zugrunde legt, ohne Ferien und Feiertage abzuziehen, verletzt sie das Legalitätsprinzip und das Gleichbehandlungsgebot. Eine pauschale Berücksichtigung dieser Ansprüche im summarischen Verfahren ist möglich und erforderlich. Die Vorinstanz hat daher zutreffend die Sache zur Neuberechnung zurückgewiesen. Die Entscheidung klärt, dass summarische Verfahren nicht automatisch materielle Abweichungen vom Gesetz rechtfertigen und unterstreicht die Bindungswirkung von Art. 34 Abs. 2 AVIG auch während der Pandemie.

Regeste

Art. 34 Abs. 2 AVIG; Art. 17 Abs. 1 lit. d des Bundesgesetzes vom 25. September 2020 über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie; Art. 8i der Verordnung vom 20. März 2020 über Massnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang mit dem Coronavirus (Covid-19) (Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung); Kurzarbeitsentschädigung. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach die unterschiedliche Berechnungsweise der Kurzarbeitsentschädigung im Summar- und im Normalverfahren, wie sie von der Arbeitslosenkasse praktiziert wird - nebst (abrechnungs)systembedingten, hinnehmbaren Differenzen - bezüglich der Angestellten im Monatslohn gegenüber denjenigen im Stundenlohn eine rechtsungleiche Behandlung mit sich bringt, die nicht durch das mit der Covid-19-Verordnung Arbeitslosenversicherung eingeführte summarische Abrechnungsverfahren ihre hinreichende rechtliche Begründung findet, verletzt kein Bundesrecht (E. 5). Regeste Art. 34 al. 2 LACI; art. 17 al. 1 let. d de la loi fédérale du 25 septembre 2020 sur les bases légales des ordonnances du Conseil fédéral visant à surmonter l'épidémie de COVID-19; art. 8i de l'ordonnance du 20 mars 2020 sur les mesures dans le domaine de l'assurance-chômage en lien avec le coronavirus (COVID-19) (ordonnance COVID-19 assurance-chômage); indemnité en cas de réduction de l'horaire de travail. Ne viole pas le droit fédéral l'opinion de l'instance précédente, selon laquelle la différence de mode de calcul de l'indemnité en cas de réduction de l'horaire de travail entre la procédure sommaire et la procédure ordinaire, telle qu'elle est pratiquée par la caisse de chômage, entraîne - outre des différences acceptables dues au système (de décompte) -, entre les employés payés au mois et ceux payés à l'heure, une inégalité de traitement qui ne trouve pas de justification juridique suffisante dans la procédure de décompte sommaire introduite par l'ordonnance COVID-19 assurance-chômage (consid. 5). Regesto Art. 34 cpv. 2 LADI; art. 17 cpv. 1 lett. d della legge federale del 25 settembre 2020 sulle basi legali delle ordinanze del Consiglio federale volte a far fronte all'epidemia di COVID-19; art. 8i dell'ordinanza del 20 marzo 2020 sulle misure nel settore dell'assicurazione contro la disoccupazione riguardo al coronavirus (COVID-19) (ordinanza COVID-19 assicurazione contro la disoccupazione); indennità per lavoro ridotto. Non viola il diritto federale l'opinione della Corte cantonale, secondo cui la differenza del modo di calcolo dell'indennità in caso di riduzione dell'orario di lavoro tra la procedura sommaria e quella ordinaria, così come è praticata dalla cassa disoccupazione - prescindendo da differenze accettabili dovute al sistema (di conteggio) - tra i lavoratori pagati al mese e quelli all'ora, comporta una disparità di trattamento che non trova alcuna giustificazione giuridica sufficiente nella procedura di conteggio sommario introdotta dall'ordinanza COVID-19 assicurazione contro la disoccupazione (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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