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Justizze. Art. 28 AVIG

Bundesgericht

Arbeitsloser mit 18-prozentiger Erwerbsunfähigkeit erhält verkürzte Wartezeit von fünf Tagen statt zehn für Arbeitslosenentschädigung (Art. 18 AVIG)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 V 202 · ATF 144 V 202 · DTF 144 V 202
Datum
14.06.2018
Geschäftsnummer
8C_113/2018
Abteilung
I. sozialrechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 9 AVIG Art. 18 AVIG Art. 22 AVIG Art. 23 AVIG Art. 27 AVIG Art. 28 AVIG Art. 37 AVIV Art. 40b AVIV Art. 5 UVAL Art. 25 UVV

Zusammenfassung

Ein 1955 geborener Chauffeur zog sich 2012 eine Schulterverletzung zu und bezog bis Ende Oktober 2015 Unfalltaggelder. Sein Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis per 31. Juli 2015. Er meldete sich am 2. Oktober 2015 für Arbeitslosenentschädigung ab 1. November 2015 an. Die Arbeitslosenkasse setzte eine Wartezeit von zehn Tagen fest und gewährte maximal 400 Taggelder. Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich wies seine Beschwerde ab. Er beantragte vor dem Bundesgericht, ihm ab 1. Oktober 2015 laufend während höchstens 520 Tagen Arbeitslosenentschädigung auszuzahlen.

Das Bundesgericht entschied, dass die Beschwerde teilweise begründet ist: Der Beschwerdeführer hat nur noch eine Wartezeit von fünf Tagen zu absolvieren, weil sein versicherter Verdienst nach Art. 40b AVIV aufgrund eines festgestellten Erwerbsunfähigkeitsgrades von 18 % rückwirkend auf Fr. 56'498.- jährlich herabgesetzt wurde; diese Anpassung wirkt sich auch auf die Wartezeit nach Art. 18 AVIG aus, da die Weisung des SECO (AVIG-Praxis ALE C108d), welche eine solche Anpassung ausschliesst, bundesrechtswidrig ist. Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung beginnt jedoch erst am 1. November 2015, weil der Beschwerdeführer im Oktober 2015 aufgrund einer attestierten 100-prozentigen Arbeitsunfähigkeit volle Unfalltaggelder bezog; nach Art. 25 Abs. 3 UVV und Art. 28 Abs. 4 AVIG schliesst dies gleichzeitig den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung aus. Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt daher am 1. November 2015. Für die Berechnung der maximalen Taggeldzahl nach Art. 27 Abs. 2 AVIG ergibt sich eine Beitragszeit von 21 Monaten in der relevanten Rahmenfrist für die Beitragszeit (1. November 2013 bis 31. Oktober 2015); damit steht ihm nach Art. 27 Abs. 2 lit. b AVIG höchstens 400 Taggelder zu, nicht aber 520 Taggelder nach lit. c, da die Voraussetzung von mindestens 22 Beitragsmonaten fehlt. Die Gerichtskosten von Fr. 500.- wurden zu Fr. 300.- dem Beschwerdeführer und zu Fr. 200.- der Beschwerdegegnerin auferlegt. Die Entscheidung klärt die Rechtsfolgen einer rückwirkenden Anpassung des versicherten Verdienstes nach Art. 40b AVIV für die Wartezeit und bestätigt die strikte Koordination zwischen Unfall- und Arbeitslosenversicherung bei voller Arbeitsunfähigkeit.

Regeste

Art. 40b AVIV; Art. 18, Art. 22, Art. 27 und Art. 28 AVIG; Art. 25 Abs. 3 UVV. Bei der rückwirkenden Anpassung des versicherten Verdienstes nach Art. 40b AVIV sind die allgemeinen Wartezeiten (Art. 18 AVIG) und die Höhe des Taggeldes (Art. 22 AVIG) ebenfalls von der rückwirkenden Neubeurteilung betroffen (Bestätigung der Rechtsprechung gemäss Urteil 8C_746/2014 vom 23. März 2015). Die Weisung des SECO in AVIG-Praxis ALE C108d ist demnach insoweit nicht bundesrechtskonform, als sich damit auch eine nachträgliche Anpassung des versicherten Verdienstes nach Art. 40b AVIV nicht auf die allgemeine Wartezeit (Art. 18 Abs. 1 AVIG) auswirken soll. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % und einem vollen Taggeld der Unfallversicherung besteht kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Weil Stichtag für die Berechnung der Rahmenfristen der erste Tag ist, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind (Art. 9 Abs. 2 AVIG), kann in dieser Konstellation (noch) keine Rahmenfrist eröffnet werden (E. 3 und 4). Regeste Art. 40b OACI; art. 18, art. 22, art. 27 et art. 28 LACI; art. 25 al. 3 OLAA. Lorsque le gain assuré est adapté avec effet rétroactif en application de l'art. 40b OACI, les délais d'attente (art. 18 LACI) et le montant de l'indemnité journalière (art. 22 LACI) sont également concernés par ce nouvel examen rétroactif (confirmation de la jurisprudence 8C_746/2014 du 23 mars 2015). La directive du SECO dans le Bulletin LACI IC C108d est donc contraire au droit fédéral en tant qu'elle prévoit que même une modification du gain assuré avec effet rétroactif selon l'art. 40b OACI ne modifie pas le délai d'attente général (art. 18 al. 1 LACI). En cas d'incapacité de travail de 100 % et de versement d'une indemnité journalière complète de l'assurance-accidents, il n'y a pas de droit à l'assurance-chômage. Dans cette constellation, il ne peut pas y avoir (encore) d'ouverture du délai-cadre, puisque c'est le premier jour où toutes les conditions du droit à l'indemnité sont réunies qui sert de référence pour la fixation des délais-cadres (art. 9 al. 2 LACI) (consid. 3 et 4). Regesto Art. 40b OADI; art. 18, art. 22, art. 27 e art. 28 LADI; art. 25 cpv. 3 OAINF. In caso di adattamento retroattivo del guadagno assicurato secondo l'art. 40b OADI, i periodi di attesa generali (art. 18 LADI) e l'importo dell'indennità giornaliera (art. 22 LADI) sono anch'essi toccati dal nuovo esame retroattivo (conferma della giurisprudenza secondo la sentenza 8C_746/2014 del 23 marzo 2015). La cifra marginale C108d della circolare della SECO in Prassi LADI non è pertanto conforme al diritto federale, nella misura in cui indica che anche un adattamento retroattivo del guadagno assicurato secondo l'art. 40b OADI non debba influire sui periodi di attesa generali (art. 18 cpv. 1 LADI). In presenza di un'incapacità lavorativa del 100 % e del diritto a un'indennità giornaliera piena dell'assicurazione contro gli infortuni non c'è alcun diritto all'indennità di disoccupazione. Poiché il termine quadro decorre dal primo giorno nel quale sono adempiuti tutti i presupposti per il diritto alla prestazione (art. 9 cpv. 2 LADI), in questa fattispecie non può (ancora) decorrere alcun termine quadro (consid. 3 e 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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