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Justizze. Art. 2 BehiG

Bundesgericht

SBB-Fernverkehrszüge: Zusammenlegung von Rollstuhlbereich und Verpflegungszone im Speisewagen-Unterdeck ist keine Behindertendiskriminierung (Art. 2 BehiG)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 II 289 · ATF 139 II 289 · DTF 139 II 289
Datum
22.02.2013
Geschäftsnummer
2C_380/2012
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 1 BehiG Art. 2 BehiG Art. 8 BehiG Art. 12 BehiG Art. 17 EBG

Zusammenfassung

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) planten neue Doppelstock-Fernverkehrszüge (FV-Dosto). Das Bundesamt für Verkehr (BAV) genehmigte das Pflichtenheft, in dem der Rollstuhlbereich mit Toilette im Unterdeck des Speisewagens vorgesehen war. Organisationen für Behinderte fochten diese Anordnung an und verlangten die räumliche Trennung von Rollstuhl- und Verpflegungsbereich, um eine Isolation oder Benachteiligung zu vermeiden. Das Bundesverwaltungsgericht hiess die Beschwerden teilweise gut und ordnete die Verlegung des Rollstuhlbereichs in einen benachbarten Wagen an.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde der SBB gut und hebt die Anordnung des Bundesverwaltungsgerichts zur Verlegung des Rollstuhlbereichs auf.

Das Gericht prüft, ob die Zusammenlegung des eigentlichen Rollstuhlbereichs (Transportleistung) mit der Verpflegungszone (Nebenleistung) im Unterdeck des Speisewagens eine Benachteiligung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes darstellt. Es verneint dies. Die Möglichkeit, im Unterdeck des Speisewagens zu essen, sei eine zulässige Ersatzlösung gemäss Art. 12 Abs. 3 BehiG, da der Zugang zum Oberdeck des Speisewagens für Rollstuhlfahrer technisch nicht möglich ist. Ein Zwang zur Verpflegung bestehe nicht; Rollstuhlfahrer könnten dort auch einfach reisen, ohne zu essen.

Das Gericht argumentiert weiter, dass die faktische Einschränkung der Platzwahl für Rollstuhlfahrer (z.B. wegen Toilettenbedarf oder grossen Rollstühlen) allein noch keine rechtlich relevante Benachteiligung begründet. Auch nicht behinderte Reisende hätten aufgrund der Belegungsdichte oft keine freie Platzwahl und müssten Aktivitäten anderer Mitreisender hinnehmen. Die Konstellation, dass ein Rollstuhlfahrer gestört werde, weil ein anderer speise, sei nach allgemeiner Lebenserfahrung selten und vergleichbar mit anderen "Störungen" im Zug.

Schliesslich widerlegt das Gericht das Argument der Vorinstanz, die Anordnung führe zu einer stigmatisierenden Isolierung. Im betroffenen Bereich gebe es neben den drei Rollstuhlplätzen noch elf weitere Sitzplätze, was eine genügende Durchmischung erlaube. Die von der Vorinstanz angeordnete Alternative (Verlegung in einen benachbarten Wagen) hätte sogar weniger Sitzplätze für Begleitpersonen oder andere Fahrgäste zur Folge gehabt und wäre daher unter dem Aspekt der Integration schlechter gewesen.

Die Kostenentscheidung folgt dem Obsiegen der SBB; die Kostenlosigkeit nach Art. 10 BehiG gilt vor Bundesgericht nicht.

Regeste

Art. 8 Abs. 2 und 4 sowie Art. 190 BV, Art. 1 ff. BehiG, Art. 1 ff. VböV, Art. 1 ff. VAböV, Art. 17 EBG, Art. 6a, 46 ff. und 81 EBV; Pflichtenheft und Typenskizzen für die Fernverkehrs-Doppelstock-Triebzüge IR100, IR200 und IC200 der SBB. Rechtsgrundlagen für die Anordnung des Rollstuhlbereichs in einem Eisenbahnfahrzeug im Eisenbahnrecht (E. 2.1) und im Behindertengleichstellungsrecht (E. 2.2). Das Diskriminierungs- und Benachteiligungsverbot für Behinderte gilt auch im Bereich des öffentlichen Verkehrs. Eine Benachteiligung liegt aber nicht schon darin, dass die Platzwahl Behinderter stärker eingeschränkt ist als diejenige nicht Behinderter (E. 2.3). Die im Unterdeck des Speisewagens vorgesehene Zusammenlegung des Rollstuhlbereichs mit demjenigen des Verpflegungsbereichs (für Mobilitätsbehinderte) führt nicht zu einer verfassungs- und gesetzwidrigen Diskriminierung bzw. Benachteiligung Behinderter (E. 3), weshalb sich eine Verhältnismässigkeitsprüfung für die vom Bundesverwaltungsgericht angeordneten Massnahmen erübrigt (E. 4). Regeste Art. 8 al. 2 et 4 ainsi qu'art. 190 Cst., art. 1 ss LHand, art. 1 ss OTHand, art. 1 ss OETHand, art. 17 LCdF, art. 6a, 46 ss et 81 OCF; cahier des charges et esquisses de type pour les rames automotrices à double étage du trafic sur longues distances IR100, IR200 et IC200 des CFF. Fondements des prescriptions en matière de fauteuils roulants dans les véhicules des chemins de fer en droit des chemins de fer (consid. 2.1) et sous l'angle du droit à l'égalité pour les handicapés (consid. 2.2). L'interdiction des discriminations et inégalités frappant les personnes handicapées est également valable dans le domaine des transports publics. Un choix de place nettement plus restreint pour les personnes handicapées que pour les personnes valides ne constitue pas déjà une discrimination (consid. 2.3). Le regroupement prévu à l'étage inférieur du wagon restaurant du compartiment pour fauteuils roulants avec le compartiment de ravitaillement (pour les personnes à mobilité réduite) ne conduit pas à une discrimination, respectivement à une inégalité des personnes handicapées contraire à la Constitution et à la loi (consid. 3), c'est pourquoi il n'est pas nécessaire de procéder à un examen de la proportionnalité des mesures prescrites par le Tribunal administratif fédéral (consid. 4). Regesto Art. 8 cpv. 2 e 4 così come art. 190 Cost., art. 1 segg. LDis, art. 1 segg. OTDis, art. 1 segg. ORTDis, art. 17 Lferr, art. 6a, 46 segg. e 81 Oferr; elenco oneri e disegni tecnici concernenti i treni a due piani per il traffico a lunga percorrenza IR100, IR200 e IC200 delle FFS. Basi legali per la collocazione in un treno del settore riservato ai viaggiatori in sedia a rotelle secondo il diritto ferroviario (consid. 2.1) e secondo il diritto che mira ad una parità di trattamento dei disabili (consid. 2.2). Il divieto di discriminazione e di un trattamento che comporti degli svantaggi per i disabili vale anche nell'ambito del trasporto pubblico. Uno svantaggio non è però già costituito dal fatto che la scelta dei posti per disabili è sottoposta a maggiori restrizioni rispetto a quella per persone non disabili (consid. 2.3). Il raggruppamento previsto al piano inferiore della carrozza ristorante di una zona per sedie a rotelle con una zona di ristoro (per persone a mobilità ridotta) non discrimina o svantaggia i disabili in modo anticostituzionale e illegale (consid. 3). Non occorre pertanto procedere ad un esame della proporzionalità delle misure ordinate dal Tribunale amministrativo federale (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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